So sorgte eine Information des Landesverbands Bayerischer Omnibusunternehmen (LBO), aus der hervorging, dass mittlerweile rund ein Drittel der privaten Busunternehmen in Bayern ihre Geschäftstätigkeit eingestellt haben, vor einigen Monaten für Aufmerksamkeit und Besorgnis. Wie weit wird das Zusammenschrumpfen der Unternehmerlandschaft hierzulande wohl noch gehen? Können Faktoren wie steigende Nutzerzahlen im ÖPNV, der Trend zur Nachhaltigkeit sowie der demografische Wandel, dieser Entwicklung etwas entgegensetzen?
Im Moment scheint das nicht der Fall zu sein. Im Gegenteil: Auch größere Unternehmen, die in ihren Heimatregionen unstrittig von Bedeutung sind, werden übernommen oder verlassen den Markt. So erfuhr ich vor einigen Wochen, dass das Busunternehmen Berr Reisen aus dem bayerischen Bruckmühl bei Rosenheim von Geldhauser Reisen mit Sitz in München übernommen wurde.
Berr Reisen zählt mit 80 Mitarbeitern, einem großen Fuhrpark, der zu jeweils 50 Prozent aus Reise- und Linienbussen besteht, einem eigenen vielfältigen Reiseprogramm sowie mehreren Reisebüros zweifelsfrei zu den Playern in der Region. Über die Entscheidung, das Unternehmen dennoch zu veräußern, sprachen wir mit der Chefin Elisabeth Berr. Ihr und ihrem Mann Johann Berr sei schon länger klar gewesen, dass ein Verkauf des Unternehmens im Rahmen einer strategischen Nachfolgeregelung der sinnvollste Weg sei. Sie beide hätten das Unternehmen in 30 Jahren aufgebaut und damals mit zwei Bussen begonnen.
Selbstverständlich habe es Überlegungen zu einer internen Nachfolgelösung gegeben. In der Familie sei man jedoch übereingekommen, den nun beschrittenen Weg zu bevorzugen. Das sei keine leichte Entscheidung gewesen. Mittlerweile überwiege jedoch bei allen die Freude über die guten Perspektiven, die mit dem Zusammenschluss einhergingen. Für die Kunden und Geschäftspartner sowie für die Mitarbeiter von Berr Reisen bleibe alles wie gehabt. Auch die Geschäftsführung werde weiterhin in den bisherigen Händen bleiben. Elisabeth und Johann Berr, die bisherigen Inhaber, bleiben zudem noch für eine Übergangszeit im Unternehmen tätig. Klingt nach „Ende gut, alles gut“.
Abschied mit Wehmut
Etwas anders liegt der Fall bei Volz Reisen aus Calw-Hirsau in Baden-Württemberg. Die Inhaberin, Dr. Gisela Volz, dürfte vielen in der Branche noch aus ihrer Zeit als Vizepräsidentin des bdo bekannt sein. Mich hat Gisela Volz damals mit ihren gestochen scharfen Reden, in denen sie Probleme, die es ja schon immer gab, gegenüber Politik und Verantwortlichen klar adressierte, sehr beeindruckt. Bedauerlicherweise zog sich Gisela Volz später aus dem bdo-Vorstand zurück und begründete dies vor allem mit ihren Verpflichtungen im eigenen Unternehmen. Nun ist seit geraumer Zeit auch auf der Website von Volz Reisen zu lesen, dass der 31. Juli 2026 der letzte Betriebstag des Unternehmens sein wird. „Ab dem 1. August bleibt der Betrieb geschlossen“, heißt es dort. Zur Begründung wird angeführt, dass sich die Geschäftsgrundlage des Unternehmens durch Beschlüsse des Landkreises und des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg fundamental verändert habe. Geänderte Rahmenbedingungen des Landkreises in Bezug auf Vergabeverfahren ließen zudem keine langfristige Unternehmensplanung mehr zu. Damit sei nach 98 Jahren der Zeitpunkt gekommen, mit Würde preiszugeben, was nicht mehr zu retten sei. Ein Zitat von Friedrich Schiller hat Gisela Volz dem Text auf der Website zur aktuellen Entwicklung vorangestellt: „Wohl dem, der gelernt hat, zu ertragen, was er nicht ändern kann, und preiszugeben mit Würde, was er nicht retten kann!“ Dr. Gisela Volz hat sich über viele Jahre für die Branche stark gemacht und engagiert. Vielleicht wird sie künftig mehr Zeit für persönliche Interessen und vielleicht auch für Kulturreisen haben und daran wieder Gefallen finden. Das jedenfalls wünsche ich ihr.