Herr Schuch, „bus dich weg!“ ist als Kooperations- bzw. Franchise-Modell in Österreich gestartet – was war die ursprüngliche Marktlücke, die Sie 2016 damit schließen wollten?
Im Kern ging es bei „bus dich weg!“ nie nur darum, eine Marktlücke zu schließen, sondern darum, etwas zu schaffen, das es so in dieser Form noch nicht gab: ein System, in dem Zusammenarbeit wirklich funktioniert. Wir hatten erkannt, dass viele Kooperationen meistens nicht am Markt, sondern an fehlender Klarheit im Miteinander, bei Abläufen, Verantwortlichkeiten und Kommunikation scheitern. Im „bus dich weg!“ System gibt es diese klaren Strukturen und Abläufe, gleichzeitig bietet „bus dich weg!“ auch Raum für unternehmerische Persönlichkeit. Hinzu kommt, dass “bus dich weg!” selbst kein Reiseveranstalter ist, wodurch es eine klare Rollenverteilung in der Zusammenarbeit zwischen der „bus dich weg!“- Zentrale und den angeschlossenen Partnern gibt. Mit der 100 %-Durchführungsgarantie haben wir zusätzlich ein Versprechen etabliert, das Vertrauen bei Reisegästen und Partnern gleichermaßen schafft. Unserer Überzeugung nach entsteht eine echte und erfolgreiche Zusammenarbeit durch das Verständnis für das ganzheitliche Miteinander, die gemeinsamen Ziele und echte Mehrwerte für Kunden.
Was muss ein Busunternehmen mitbringen, um Teil der Kooperation zu werden?
Neben den formalen Voraussetzungen, wie einem eigenen Fuhrpark und der aktiven Tätigkeit als Reiseveranstalter, ist vor allem die innere Haltung entscheidend. Wir suchen keine „Mitglieder“, sondern Mitgestalter für die Zukunft der Bustouristik. Unternehmerinnen und Unternehmer, die bereit sind, sich weiterzuentwickeln, Verantwortung zu übernehmen und Teil von etwas Größerem zu sein. Viele unserer Partner sind in einer Phase der Weiterentwicklung oder Unternehmensnachfolge. Sie bringen frische Perspektiven, Motivation und Teamgeist mit, und gleichzeitig auch den Respekt vor dem Bestehenden.
Ihr Konzept basiert auf der Kooperation regionaler Busreiseveranstalter – wie stellen Sie sicher, dass aus Kooperation keine Konkurrenz innerhalb des Netzwerkes entsteht?
Indem wir innerhalb der „bus dich weg!“-Gruppe von Anfang an Spielregeln klar definieren, beispielweise durch individuelle, aneinander angrenzende Einzugsgebiete. Gleichzeitig schaffen wir eine Kultur, die nicht auf Konkurrenzdenken, sondern auf gegenseitiges Ergänzen und Helfen ausgerichtet ist. Diese Denkweise entsteht nicht zufällig und auch nicht über Nacht, sie wächst durch Transparenz, Fairness und Kommunikation. Das erzeugt Vertrauen und Verlässlichkeit in die Partner und in das System. Das ist das Fundament von „bus sich weg!”.
Ein zentrales Versprechen ist die 100-Prozent-Durchführungsgarantie. Bei wie viel Prozent der angebotenen Reisen können Sie diese 100-Prozent-Garantie geben?
Bei allen. Ohne Ausnahme. Das Besondere ist dabei nicht nur die Garantie selbst, sondern das Netzwerk dahinter, das füreinander und die 100% Durchführungsgarantie gemeinsam einsteht. Natürlich gibt es auch Reisen mit sehr kleinen Gruppen. Aber genau diese Reisen zeigen, was „bus dich weg!“ wirklich bedeutet. Es geht nicht darum, nur dann zu liefern, wenn es einfach ist, sondern gerade dann, wenn es herausfordernd wird. Jeder einzelne Gast, der eine solche Reise erlebt, versteht, dass dieses Versprechen echt ist. Oft sind genau diese Gäste die stärksten Botschafter für „bus dich weg!”.
Die Expansion nach Deutschland lief vergleichsweise schnell – was unterscheidet den deutschen Markt strukturell vom österreichischen?
Die Unterschiede liegen weniger in den Märkten als in den Menschen, und genau darauf kommt es an. Strukturell sind sich beide Märkte sehr ähnlich. Entscheidend ist, dass wir als System flexibel genug sind, um auf regionale Besonderheiten einzugehen. „bus dich weg!“ ist kein starres Konzept, sondern ein lebendiges System. Wir lernen ständig dazu, passen uns an und entwickeln uns weiter. Das zeichnet „bus dich weg!“ aus, Stillstand ist keine Option. Wir befinden uns in einem stetigen Prozess der Verbesserung und Weiterentwicklung.
Ihr Ziel waren 100 Kooperationspartner in Deutschland – wie weit sind sie davon noch entfernt?
Aktuell sind wir in Österreich 25 und in Deutschland 30 „bus dich weg!“-Partner. Das zeigt, dass wir auf einem sehr guten Weg sind – aber auch, dass noch einiges vor uns liegt. Wir sind in Deutschland von Bayern ausgehend bewusst regional und Schritt für Schritt gewachsen. In Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen werden wir vorrangig lokale Lücken schließen und jeweils in angrenzenden Gebieten zusätzliche Partner für „bus dich weg!“ begeistern. Im Fokus steht jedoch nicht die Zahl 100 Partner, sondern die Stärke und die Stabilität unserer Gemeinschaft.
Viele Busunternehmen kämpfen mit Fahrermangel und steigenden Kosten – welche konkreten Antworten liefert die Kooperation auf diese Herausforderungen?
Wir können keine Probleme „wegzaubern“. Aber wir können im „bus dich weg!“-System Rahmenbedingungen schaffen, die Lösungen ermöglichen. Durch unser Netzwerk entstehen Synergien, die ein einzelnes Unternehmen kaum erreichen kann – sei es bei der Optimierung der Auslastung, bei Zubringern oder bei der Nutzung und dem Einsatz von Ressourcen in den Bereichen Einkauf, Vertrieb und Marketing. Innerhalb des Systems und der Gemeinschaft liegt die Stärke und die Chance auf Herausforderungen reagieren zu können.
Gab es schon Austritte aus dem Kooperationsmodell? Oder handelt es sich um eine Kooperation auf „Lebenszeit“?
Ja, es gab bereits Austritte bzw. auch Ausschlüsse aus dem „bus dich weg!“-System, das ist Teil eines gesunden Systems. Verträge auf „Lebenszeit“ gibt es nicht, wir arbeiten bewusst mit Fünf-Jahres-Verträgen. Das gibt beiden Seiten die Möglichkeit, regelmäßig zu reflektieren, ob der gemeinsame Weg noch passt. Die Fluktuation innerhalb der „bus dich weg!” Familie ist jedoch extrem gering, rund 96% der Verträge werden verlängert. Unsere Partner bleiben nicht bei „bus dich weg!”, weil sie müssen – sondern weil sie wollen. Für mich persönlich ist es der größte Beweis für den Wert unseres Systems.
Wie viel unternehmerische Eigenständigkeit bleibt den Partnern und wo beginnt die verpflichtende Marken- und Systemlogik von „bus dich weg!“?
Das ist eine wichtige Frage die häufig gestellt wird. Die unternehmerische Eigenständigkeit bleibt vollständig erhalten, das ist uns sehr wichtig. Jeder Partner entscheidet selbst über seine Unternehmensausrichtung und natürlich auch über sein Reiseportfolio. Gleichzeitig gibt es eine gemeinsame Markenbasis, die uns nach außen verbindet. Das erfordert gewisse Kompromisse, gerade beim Thema Marke. Da der Name und die Identität des Partners immer bestehen bleiben, sind wir überzeugt, dass der Nutzen für die Gäste, die langfristige Stabilität und die Planbarkeit schwerer wiegen, als die Veränderung eines Logos. Manchmal bedeutet Entwicklung, etwas loszulassen, um etwas Größeres zu gewinnen.
Digitalisierung ist eines der großen Themen, auch in der Bus- und Gruppentouristik – welche Rolle spielen KI, eigene Tools usw. bei „bus dich weg!“?
Eine unserer Kernaufgaben ist es, zielgerichtet moderne Technik, und damit auch in KI, in die Prozesse und Abläufe bei „bus dich weg!” zu integrieren. KI ist dafür ein ausgezeichnetes Beispiel. Vor ca. drei Jahren haben wir damit begonnen KI zu nutzen und haben stetig in die Integration und Weiterentwicklung in Zusammenhang mit unserer eigenen Software investiert. KI ist ein sich schnell weiterentwickelndes Themenfeld, worauf sich einzelne Busunternehmen meistens nur schwer fokussieren können. Bei „bus dich weg!“ nutzen wir inzwischen unsere eigene KI-Umgebung für mehrere Bereiche, wodurch wir starke Skalierungseffekte bei internen Prozessen erreicht haben. Im vergangenen Jahr haben wir begonnen KI in die Partner- und Kundenprozesse einzubinden. Ich denke wir haben eine ausgezeichnete Basis für die kommenden Entwicklungen und Trends in der Bustouristik und für „bus dich weg!“ geschaffen.
Kooperationen gelten oft als Antwort auf zunehmenden Wettbewerbsdruck – sehen Sie darin ein Zukunftsmodell für die gesamte Branche oder eher für bestimmte Betriebsgrößen?
Spannende Frage, wobei Kooperationen sicherlich nicht pauschal als ein Lösungsmodell für Wettbewerbsdruck gelten. Auch spielt die Größe eines Busunternehmens bzw. eines Reiseveranstalters meines Erachtens eine eher untergeordnete Rolle. Das liegt im Kern daran, dass die Herausforderungen für alle Unternehmensgrößen insgesamt vielfältiger sind. Dabei ist der Wettbewerb oftmals noch die kleinste Variable. Es geht nach unserem Verständnis auch um Themen der Unternehmensnachfolge, Mitarbeiter, technologische Weiterentwicklungen, gesetzlichen Auflagen, Bürokratie, sich verändernde Märkte, Trends, Vertriebskanäle und auch sich verändernde Kunden und Zielgruppen. Für die Gesamtheit der Herausforderungen der Gegenwart und der Zukunft bedarf es weit mehr als eine bloße „Kooperation“. Das ist einer der Gründe, weshalb „bus dich weg!“ bewusst als Franchise-System, und nicht als “Kooperation” aufgestellt wurde. Es geht um Zusammenarbeit und um gemeinsame Entwicklung.
Wie erweitern Sie Ihr Reiseportfolio bei „bus dich weg“? Kauft das dafür zuständige Tochterunternehmen nur bei oder über feste(n) Leistungspartner(n)?
Das Reiseportfolio der „bus dich weg!“-Gruppe in Österreich und Deutschland ist in den letzten Jahren deutlich gewachsen. Wir haben für diesen Zweck vor einiger Zeit eine separate Abteilung eingerichtet und diese personell, inhaltlich und technisch so aufgestellt, dass wir inzwischen je nach Destination und Anforderung sehr variabel einkaufen können. Fortsetzung auf Seite 17
Es gibt Reisen und Destinationen, bei denen der Einkauf über etwaige Agenturen sinnvoller ist, es gibt aber auch Themen und Bereiche bei denen wir unabhängig, ohne Agenturen agieren. Feste Agenturen bzw. Leistungspartner gibt es in dem Sinne also nicht.
Was sind die mittelfristigen Pläne für „bus dich weg!“?
Unser klares Ziel ist es, in allen relevanten Regionen in Deutschland ein engmaschiges und nachhaltiges Partner-Netzwerk für unsere Reisen mit 100% Durchführungsgarantie aufzubauen. Zusätzlich werden wir das Spektrum der „bus dich weg!“- Gruppe um die Bereiche Mietbus und Schulreisen erweitern. Parallel dazu arbeiten wir daran, „bus dich weg!“ auch in weiteren Ländern zu etablieren und unser System international weiterzuentwickeln. Dabei werden wir an unseren Werten festhalten und auf die Stärke der Gemeinschaft setzen. Es gibt ein Zitat, das wie ich finde, recht gut zu uns passt: „Nichts auf der Welt ist so mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist.“
Welche Kritik an „bus dich weg!“ können Sie nicht mehr hören?
Die Antwort ist einfach. Als „bus dich weg!“ vor 10 Jahren in der Steiermark in Österreich angefangen hat, hieß es „Das mag in der Steiermark funktionieren, aber in ganz Österreich sicherlich nicht.“ Dann hieß es „In Österreich funktioniert es, aber in Bayern ganz sicher nicht.“. Dann ging es weiter „in Bayern funktioniert bus dich weg! nur weil es so nah an Österreich liegt, aber in ganz Deutschland wird das niemals funktionieren…“. Was soll ich sagen – ich kann es nicht mehr hören. Wir sind also dazu übergegangen es als Motivation für unseren Weg bei bus dich weg! mitzunehmen.