Die Branchenumfrage zeigt, dass der Tourismus in vielen Verkehrsräumen eine relevante Rolle spielt. 43 Prozent der Befragten ordnen den touristischen Anteil am Fahrgastaufkommen in ihrem Gebiet auf fünf bis 15 Prozent ein. Weitere 15 Prozent sehen einen Anteil von 15 bis 30 Prozent, 13 Prozent sogar von mehr als 30 Prozent. Aus Sicht des VDV unterstreicht das, dass touristischer ÖPNV in vielen Regionen längst zum Regelangebot gehört, wenn auch mit deutlichen regionalen Unterschieden.

Für Verkehrsunternehmen in touristischen Regionen bleiben die Finanzierung und die Qualität des Nahverkehrsangebots zentrale Herausforderungen. Laut einer VDV-Branchenumfrage 2026 sehen 52 Prozent der befragten Unternehmen unzureichende Verbindungen und Taktungen als Hindernis für die Nutzung des öffentlichen Verkehrs durch Urlaubsgäste. 45 Prozent bemängeln fehlende Informationen und Orientierungsmöglichkeiten. Als größtes Hemmnis gilt jedoch die Bequemlichkeit des eigenen Autos, die 67 Prozent der Befragten nennen.

Auch die Finanzierung touristischer Verkehrsangebote ist nach Einschätzung des Verbands vielfach nicht ausreichend gesichert. 45 Prozent der befragten Unternehmen geben an, dass keine Mittel aus dem Tourismusbereich in den ÖPNV fließen. Weitere zwölf Prozent können nicht einschätzen, in welchem Umfang entsprechende Finanzierungsbeiträge zur Verfügung stehen.

 

Zusammenarbeit mit Tourismuswirtschaft ausbauen

Um Busverbindungen und andere Nahverkehrsangebote für Urlaubsgäste attraktiver zu machen, setzen die befragten Verkehrsunternehmen insbesondere auf eine stärkere Zusammenarbeit mit touristischen Leistungsträgern und gemeinsames Marketing. Für den Verband zeigt sich daran, dass touristischer ÖPNV nicht allein über zusätzliche Fahrten gestärkt wird. Entscheidend sei vielmehr, ob Angebot, Sichtbarkeit und Partnerschaften entlang der gesamten Reisekette zusammengeführt werden.

 

Gästekarten und Kurbeiträge als Finanzierungsinstrumente

In seinem neuen Positionspapier „Touristischer ÖPNV im ländlichen Raum – Chancen für Regionen, Gäste und Umwelt“ fordert der VDV langfristig verlässliche Finanzierungsstrukturen. Bund, Länder, Kommunen und Aufgabenträger sollen gemeinsam mit der Tourismuswirtschaft dafür sorgen, dass Verkehrsangebote in Urlaubsregionen dauerhaft gesichert und bedarfsgerecht weiterentwickelt werden können.

Als mögliche Beiträge zur Finanzierung nennt der Verband unter anderem Gästekartenmodelle, Kurbeiträge und die Parkraumbewirtschaftung. Damit könnten Kommunen und touristische Regionen die Finanzierung des öffentlichen Verkehrs ergänzen und zugleich Anreize für dessen Nutzung schaffen.

„Touristischer ÖPNV darf nicht jedes Jahr neu unter Finanzierungsvorbehalt gestellt werden“, erklärt VDV-Vizepräsident Paul Hemkentokrax. „Ein starker ÖPNV im Urlaub stärkt Regionen, entlastet sensible Räume und verbessert die Mobilität vor Ort für Gäste, Beschäftigte und Bevölkerung gleichermaßen. Dafür braucht es belastbare Angebote.“

Darüber hinaus fordert der Verband eine bessere Erfolgskontrolle touristischer Mobilitätsangebote. Bislang können 27 Prozent der befragten Unternehmen die Wirkung entsprechender Maßnahmen nach eigenen Angaben nicht beurteilen. Einheitlichere Daten zu Auslastung, Nachfrage und saisonalen Schwankungen sollen künftig eine gezieltere Verkehrsplanung ermöglichen.