Bereits am 24. September hatte der NDR über Beschwerden mehrerer Schulen gegen das Unternehmen berichtet. Nach der Veröffentlichung wandten sich weitere Betroffene an die Redaktion. In seinem zweiten Bericht vom 23. Oktober bezifferte der Sender die Zahl der betroffenen Schulen in Schleswig-Holstein auf insgesamt 13. Dabei ging es unter anderem um ausgebliebene Busse und ausstehende Rückzahlungen. Einige Schulen erhielten nach NDR-Angaben ihr Geld zurück, andere blieben auf Stornierungskosten oder den ursprünglich gezahlten Beträgen sitzen.
Zu den vom NDR recherchierten Fällen gehört eine Klassenfahrt der Grundschule Immenhorst aus Norderstedt. Im August sollten 71 Viertklässler mit gebuchten Reisebussen nach Föhr fahren. Weil die Fahrzeuge nicht erschienen, mussten Eltern und Lehrkräfte kurzfristig eine andere Lösung organisieren. Mit privaten Pkw und einem Ersatzbusunternehmen konnte die Reise schließlich stattfinden. Die rund 4.000 Euro, die für die ursprünglich gebuchten Fahrten im Voraus gezahlt worden waren, hatte das Unternehmen bis zur NDR-Berichterstattung im September nicht erstattet. Die Schule leitete rechtliche Schritte ein.
Rückreise von 250 Jugendlichen ausgefallen
Ein weiterer Fall betrifft elf Jugendfußballmannschaften aus Schleswig-Holstein, die im Juli am Gothia Cup im schwedischen Göteborg teilnahmen. Für die Beförderung der rund 250 Personen waren Reisebusse zum Gesamtpreis von 33.000 Euro gebucht worden. Die Anreise fand statt, die vereinbarte Rückfahrt dagegen nicht.
Nach Schilderungen der Betroffenen gegenüber dem NDR erklärte der Bushelden-Geschäftsführer Jannik R. zunächst, dass die vorgesehenen Fahrer ausgefallen seien und Ersatz gesucht werde. Am folgenden Mittag erhielten die Verantwortlichen schließlich die Mitteilung, die Rückreise selbst organisieren zu müssen. Die Kosten sollten später erstattet werden.
Die Mannschaften reisten daraufhin getrennt mit verschiedenen Verkehrsmitteln nach Deutschland zurück. Der finanzielle Mehraufwand belief sich nach NDR-Recherchen auf insgesamt rund 17.000 Euro. Allein ein Trainer des VfL Pinneberg habe knapp 4.000 Euro für eine Fährüberfahrt seiner Mannschaft nach Kiel auslegen müssen. Zum Zeitpunkt des zweiten NDR-Berichts am 23. Oktober waren die zusätzlichen Kosten noch nicht erstattet worden. Die Gruppe leitete juristische Schritte ein.
Bushelden weist systematisches Vorgehen zurück
Der Geschäftsführer der Bushelden GmbH, Janik R., wies gegenüber dem NDR den Vorwurf eines systematischen Vorgehens zurück. Als Ursachen für die Probleme nannte er unter anderem organisatorische Versäumnisse, Unregelmäßigkeiten bei der Disposition und Schwierigkeiten mit Subunternehmen.
In einer auf den 21. September datierten Stellungnahme auf der Unternehmenswebsite, die bereits vor der ersten NDR-Veröffentlichung vorlag, räumt die Geschäftsführung der Bushelden GmbH Fehler bei einzelnen Beförderungsaufträgen ein. Zugleich verweist sie auf rund 650 nach eigenen Angaben beanstandungsfrei durchgeführte Einzelfahrten. Bei nicht ordnungsgemäß erbrachten Leistungen würden individuelle Lösungen geprüft, darunter Erstattungen und die Übernahme nachgewiesener Zusatzkosten. Außerdem berichtet das Unternehmen von Verbesserungen bei der Auftragskoordination, der Zusammenarbeit mit Partnerunternehmen und den internen Kommunikationsabläufen. Die Angaben sind nicht unabhängig bestätigt. Die Erklärung enthält keine konkreten Angaben zum Erstattungsstand der vom NDR geschilderten Fälle.
Der NDR recherchierte auch zur geschäftlichen Vergangenheit des Unternehmers. Nach Auskunft der Staatsanwaltschaft Stade wurde Jannik R. im Jahr 2020 wegen Betrugs zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Die Staatsanwaltschaft Itzehoe bestätigte dem Sender im September 2026 zudem, aktuell Fälle im Zusammenhang mit dem Geschäftsführer Jannik R. zu prüfen. Ob den aktuell geschilderten Vorgängen strafbares Verhalten zugrunde liegt, geht aus den beiden NDR-Berichten nicht hervor.
Omnibusverband Nord warnt vor auffällig niedrigen Preisen
Joachim Schack, Geschäftsführer des Omnibusverbandes Nord (OVN), äußerte gegenüber dem NDR Besorgnis über die geschilderten Vorfälle. Nach seiner Einschätzung können diese nicht nur das Vertrauen der unmittelbar Betroffenen beeinträchtigen, sondern auch dem Ruf der gesamten Busbranche schaden.
Schack verwies insbesondere auf die Bedeutung einer sorgfältigen Auswahl von Beförderungsunternehmen. Nach Aussagen von Schulvertretern gegenüber dem NDR lagen Angebote der Bushelden GmbH teilweise zwischen 400 und 2.000 Euro unter denen konkurrierender Anbieter. Der OVN-Geschäftsführer empfahl deshalb, auffällig günstige Angebote kritisch zu prüfen und Vorauszahlungen zu vermeiden. Außerdem riet er Auftraggebern, vor der Buchung zu klären, welches Unternehmen die Fahrt konkret durchführen soll.