Im Vorfeld des 27. Tourismusgipfels, der am heutigen Dienstag in Berlin stattfindet, zeige die Umfrage, dass die Menschen nicht die Lust am Reisen verloren hätten, sondern ihre Sicherheit, so BTW‑Präsident Sören Hartmann. Es seien vor allem wirtschaftliche Sorgen, die aktuell bestimmten, ob und wie überhaupt gereist werde. Rund 40 Prozent der Befragten planen, 2026 bei Reisen zu sparen. Besonders betroffen seien hier ältere Menschen und Haushalte mit niedrigem Einkommen.

„Tourismus ist ein Spiegel der gesamtwirtschaftlichen Stimmung“, meint der BTW‑Präsident. „Wenn Menschen Angst um ihren Job oder ihr Einkommen haben, verzichten sie irgendwann auch auf Reisen und Genuss. Deshalb brauchen wir dringend wieder echtes Wirtschaftswachstum in Deutschland. Wir müssen raus aus dem Stimmungstief, sonst gefährden wir weiter unsere über 250.000 Tourismusbetriebe, meist Familienunternehmen.“ Steigende Reisekosten seien der am häufigsten genannte Einflussfaktor auf das Reiseverhalten. Dennoch entfalle das stärkste Hemmnis mit dem größten Zuwachs an „Zustimmung“ auf Sorgen um die eigene wirtschaftliche Zukunft. Reiseentscheidungen spiegelten damit zunehmend die wirtschaftliche Unsicherheit und die Konsumzurückhaltung der Bevölkerung wider.

Die geopolitischen Konflikte entfalten zusätzlich ganz eigene Auswirkungen: 35 Prozent der Befragten gaben an, sich häufiger für Reiseziele innerhalb Europas zu entscheiden, 22 Prozent bevorzugen bekannte oder bereits bereiste Destinationen und 26 Prozent verzichten zumindest teilweise darauf, überhaupt zu verreisen. Überdurchschnittlich trifft letzteres auf Geringverdiener zu. Insgesamt könne Europa trotz allem von den Entwicklungen profitieren – wenn und solange Mobilität bezahlbar und Urlaub planbar bleibe.

 

„Raus aus dem Stimmungstief, rein ins Wirtschaftswachstum.“

Was Deutschen aktuell am meisten Sicherheit beim Reisen gebe, seien flexible Buchungs- und Stornomöglichkeiten, gefolgt von verlässlichen Informationen zur Lage vor Ort und Reiseangeboten mit integrierter Absicherung. „Vertrauen ist eine zentrale Währung der Tourismuswirtschaft“, betont Hartmann. „Das zeigt sich heute mehr denn je. Darauf müssen wir uns als Branche einstellen, brauchen aber auch die entsprechende politische Rückendeckung und Entscheidungen, zum Beispiel wenn es um klare Kommunikation zu beispielsweise Reisewarnungen geht.“

Nach Ansicht des BTW unterstreichen die Ergebnisse der Umfrage deshalb auch die Bedeutung stabiler wirtschaftlicher und politischer Rahmenbedingungen für den Tourismus als eine der Leitökonomien Deutschlands. Die Reisewirtschaft trägt hierzulande knapp vier Prozent zum BIP bei. „Als Tourismuswirtschaft sind wir in einer fragilen Lage“, mahnt der BTW-Präsident. „Uns muss allen klar sein: Tourismus ist kein verzichtbarer Luxus, sondern hat für die Menschen in diesem Land einen enormen gesellschaftlichen Wert und ist wirtschaftlich systemrelevant.“  

Entsprechend wichtig sei es, wieder Wirtschaftswachstum in Deutschland zu realisieren und den Menschen eine Perspektive zu geben. Einkommensschwache müssten vor weiteren Preissteigerungen geschützt werden, damit Erholung und Genuss nicht zur sozialen Frage gerieten. Laut BTW brauche es eine Ausweitung der Preisbremse bei Kraftstoffen, geringere Belastungen für den Flugverkehr und ein einheitliches und entschiedenes Vorgehen der deutschen Bundesregierung im Management der Iran-Krise. „Jeder weitere Tag, an dem die Straße von Hormus geschlossen ist, belastet die Menschen in diesem Land und gefährdet die Existenz unserer Betriebe mit knapp 2,7 Millionen Beschäftigten“, so Hartmann. „So sollte die EU mit ihren internationalen Partnern sich aktiv in eine Befriedung des Konfliktes einbringen“.