In Deutschland sind nach Angaben von Nico Stengel, Professor für Reiseveranstaltermanagement und Reisevertrieb an der Hochschule Kempten, rund 1.700 Reiseveranstalter sowie etwa 1.000 Busreiseveranstalter tätig. Das Umsatzvolumen des deutschen Reiseveranstaltermarktes bezifferte er bei der Anhörung auf 43,4 Milliarden Euro. Damit sei Deutschland der größte Reiseveranstalterquellmarkt Europas.

Als zunehmende Belastung für die Unternehmen nannte Stengel sich verändernde gesetzliche Rahmenbedingungen. Dazu zählen unter anderem die novellierte EU-Pauschalreiserichtlinie (2026/1024), die als „zu streng und zu stark auf den Kunden fokussiert angesehen“ werde. Weiterhin seien die Reform in der EU-Fluggastrechteverordnung (2027/97), die Einführung der E-Rechnung sowie neue Vorgaben im Verbraucher- und Versicherungsrecht umzusetzen, was gerade „kleinere Unternehmen an den Rand der Belastbarkeit bringen“ könne, so Stengel.

Konkrete Auswirkungen schilderte Jens Freudenberg, Gründer und Geschäftsführer des Reiseveranstalters Scandtrack Touristik. Sein Unternehmen mit fünf festangestellten Mitarbeitern müsse nach seinen Angaben bei Vorgaben vom Pauschalreiserecht bis zur KI-Kennzeichnung ähnliche Anforderungen erfüllen wie ein großer Konzern. 35 bis 40 Prozent seiner Arbeitszeit entfielen auf Verwaltung und Nachweise, die damit verbundenen Kosten bezifferte er auf rund zehn Prozent des Umsatzes.

 

Einsatz Künstlicher Intelligenz war ebenfalls Thema 

Ein weiteres Thema der Anhörung war Künstliche Intelligenz. DRV-Präsident Albin Loidl erklärte, der Einsatz von KI sei bei den meisten Reiseveranstaltern inzwischen die Regel. Anwendungen könnten Prozesse beschleunigen und Beschäftigte bei wiederkehrenden Tätigkeiten entlasten. Gleichzeitig warnte der Deutsche Reiseverband vor einem Abfluss wertvoller Daten und Informationen sowie der möglichen Verschiebung digitaler Besucher- und Umsatzströme zulasten lokaler Anbieter. Ohne rechtliche Begrenzungen der globalen Technologiekonzerne drohe eine bedenkliche Marktkonzentration, bedingt nicht zuletzt durch den potenziellen Zugriff auf Kundendaten. Der DRV fordert deshalb unter anderem faire Wettbewerbsbedingungen und einen wirksamen Schutz geistigen Eigentums.

Auch die Regulierung von Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen beschäftigt die Veranstalter. Roland Streicher, Gründer und Inhaber des auf nachhaltigen Tourismus spezialisierten Veranstalters ReNatour, verwies auf die EmpCo-Richtlinie der EU. Deren Umsetzung sorge nach seiner Einschätzung für erhebliche Unsicherheit darüber, welche Formulierungen künftig mit welchen Nachweisen verwendet werden dürfen. Streicher forderte deshalb einen Positiv-Leitfaden für rechtssichere Formulierungen. Ziel eines bisher im Bereich Nachhaltigkeit engagierten Unternehmens könne es nicht sein, sämtliche Begriffe wie „nachhaltig“, „regional“, „umweltfreundlich“ aus der Kommunikation zu löschen.

 

Bustouristik erhält eigene Anhörung

Mit der Bustouristik beschäftigt sich der Tourismusausschuss in einer eigenen öffentlichen Anhörung am 07. Oktober 2026. Auf der Tagesordnung stehen die Lage der Bustouristik, aktuelle Herausforderungen, E-Mobilität sowie die stadtverträgliche Abwicklung von Reisebusverkehr. Die Sitzung soll von 15 bis 16 Uhr im Paul-Löbe-Haus stattfinden und öffentlich übertragen werden.