Für die Fahrgäste wird der Pilotbetrieb kostenlos sein. Auf einen Sicherheitsfahrer an Bord müssen sie auch noch nicht verzichten. Besondere Erfahrungen versprechen sich die ÖBB aufgrund der als anspruchsvoll geltenden Topografie im Testgebiet rund um Alpach. Der Ort liegt im Bezirk Kufstein in Tirol am Ausgang des Alpbachtals, eines Seitentals des Inntals, das in der Umgebung in die Kitzbüheler Alpen eingebettet ist.

„Innovative Technologien dürfen nicht nur im Labor existieren, sondern müssen sich auch unter realen Bedingungen bewähren“, so der ÖBB-Vorstandsvorsitzende Andreas Matthä. „Genau diese praktischen Erfahrungen brauchen wir, um den öffentlichen Nahverkehr Schritt für Schritt weiterzuentwickeln.“ Bei Otokar ist man darüber hocherfreut. „Wir sind stolz darauf, Teil dieser wichtigen Entwicklung zu sein und Österreichs Erfahrungen im autonomen öffentlichen Nahverkehr durch Anwendungen unter realen Bedingungen einzubringen“, meint Otokar-Vertriebsleiterin Anna Mejer.

 

Autonomer Verkehr als ÖPNV-Schlüsseltechnologie

Die ÖBB sieht das autonome Fahren als Schlüsseltechnologie für die Mobilität der Zukunft an. Im Mittelpunkt stehe dabei die Frage, wie autonome Fahrzeuge den öffentlichen Nahverkehr sinnvoll ergänzen und zusätzliche Mobilitätsangebote schaffen können, heißt es aus dem Unternehmen. Zukünftige Anwendungsbereiche reichten von klar definierten Routen im regionalen Nahverkehr bis hin zu Lösungen für die erste und letzte Meile. Die Erkenntnisse aus dem Pilotbetrieb in Alpbach sollen die Grundlage für weitere Anwendungen schaffen. Im nächsten Schritt soll der vollautonome e-Centro von Otokar auf dem Campus Wolfurt in Vorarlberg die Unternehmen im Industriepark an die S-Bahn anbinden und dort weitere praktische Erfahrungen sammeln.

Der e-Centro C wurde von dem türkischen Hersteller Otokar mit eigenem ingenieurtechnischem Know-how entwickelt. Das Fahrzeug verfügt über SAE-Level-4-Technologie, kann also Fahraufgaben innerhalb eines definierten Einsatzbereichs grundsätzlich selbstständig übernehmen – auch wenn das die österreichische Gesetzgebung noch nicht zulässt und ein eigens geschulter Sicherheitsfahrer an Bord sein muss. Erfahrungen mit autonomen Linienverkehren hat Otokar unter anderem in Madrid sammeln können. Die Erkenntnisse sollen nun auch bei der österreichischen Anwendung einfließen.