Dem elektronischen Ticket wird in NRW eine wachsende Bedeutung zugeschrieben – möglicherweise auch vor dem Hintergrund der Verteuerung des Deutschlandtickets, dessen Preis zum Stichtag 1. Januar 2027 von zuletzt 63 auf 66,80 Euro klettert. Den Angaben zufolge hatten das eezy-Ticket im ersten Halbjahr 2026 rund 75 Prozent mehr Menschen gekauft als im Vorjahreszeitraum.
Auf Tarifanpassungen beim eezy-Ticket verzichten auch der Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) und der Aachener Verkehrsverbund (AVV). Die Tarifgrenze zwischen Köln und Aachen sei jedoch erst zum 1. Juni 2026 gefallen. Daher soll hier zunächst ermittelt werden, wie sich seitdem die Einnahmen entwickelt haben. Eine unterjährige Preiserhöhung wird nicht ausgeschlossen. Eine Entscheidung der zuständigen Gremien sei allerdings nicht vor Ende November zu erwarten.
Ebenfalls nicht erhöhen wird der Verkehrsverbund Westfalentarif seine Ticketpreise. Eine Sprecherin verwies dazu gegenüber der dpa auf eine bereits angekündigte Tarifstrukturreform bei dem Verkehrsverbund. Die Tarifmaßnahme komme erst zum 1. April 2027, erst gegen Jahresende könnten Ergebnisse spruchreif sein.
Als einziger der vier Nahverkehrsverbünde in NRW hat der VRR eine Preiserhöhung zum 1. Januar 2027 beschlossen. Die Ticketpreise sollen hier um durchschnittlich 4,9 Prozent ansteigen. Da das Deutschlandticket den größten Teil der Verkäufe ausmache, betreffe diese Preiserhöhung aber nur noch 17 Prozent der Ticketumsätze im VRR.
Über “eezy.nrw”
Das eezy-Ticket gibt es in NWR nur online, Nutzer benötigen eine entsprechende App. Diese verfügt über eine Check-in- und eine Check-out-Funktion, die sich bei Fahrbeginn bzw. beim Aussteigen jeweils anklicken lässt. Die App berechnet dann anhand der gefahrenen Strecke den Fahrpreis und bucht ihn vom hinterlegten Zahlungsmittel ab. NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) hatte die Vorteile von “eezy.nrw” erst jüngst wieder hervorgehoben: Der digitale Tarif wähle immer den günstigsten Preis pro Strecke aus. Außerdem sei der Monatsbetrag gedeckelt, so dass keine Fahrt teurer als mit Deutschlandticket werde.
Ein Antrag von NRW und Hamburg über die Einführung eines bundesweiten elektronischen Gelegenheitstarifs nach dem Vorbild von eezy.nrw war von der Tagesordnung der letzten Verkehrsministerkonferenz abgesetzt worden. Krischer kündigte an, das Thema beim nächsten Treffen der Verkehrsminister weiterverfolgen zu wollen. Bundesweit sei jedoch ein Preisdeckel ausgeschlossen, um das Deutschlandticket nicht zu konterkarieren, so der Minister.