Mit den neuen Regelungen wollen die Verantwortlichen den Besucherandrang besser steuern, das historische Bauwerk schützen und den spirituellen Charakter der Kathedrale bewahren. Vertreter der Tourismusbranche kritisieren die Maßnahmen jedoch. Sie befürchten eine geringere Attraktivität des Reiseziels sowie Nachteile für das Besuchserlebnis. Zudem könnten Reiseveranstalter und Fremdenführer wirtschaftliche Einbußen erleiden.

Die Betreiber der Sehenswürdigkeit verweisen auf den starken Besucherandrang seit der Wiedereröffnung der Kathedrale. Deshalb wurde für Führungen ein verbindliches Reservierungssystem eingeführt. Für Gruppen von sieben bis 25 Personen stehen nur begrenzte Zeitfenster zur Verfügung, die bis zu drei Monate im Voraus gebucht werden können. Nach Einschätzung von Branchenexperten werden Reiseveranstalter ihre Besuche deshalb künftig unmittelbar nach Freischaltung der Termine reservieren müssen, um überhaupt noch freie Plätze zu erhalten.

Darüber hinaus darf jede Agentur beziehungsweise jeder Tourismusanbieter höchstens 30 Reservierungen pro Quartal vornehmen. Fremdenführer müssen sich auf Verlangen mit ihrem Berufsausweis ausweisen. Außerdem ist bei diesen Führungen der Einsatz von Audiophones – also Funkführungsanlagen mit Headsets – vorgeschrieben.

Auch professionell geführte Kleingruppen mit weniger als sechs Personen müssen ihren Besuch vorab anmelden. Für sie gelten jedoch eigene Buchungsmodalitäten und nicht sämtliche Vorgaben, die für Gruppen ab sieben Personen vorgesehen sind.

Der Branchenverband Great France (Groupement des entreprises des activités du tourisme), in dem Unternehmen des Incoming-Tourismus zusammengeschlossen sind, kritisiert die Neuregelung scharf. Nach Angaben des Verbands seien die verfügbaren Kapazitäten für Führungen um rund 95 Prozent gesunken. Die Interessen der Tourismuswirtschaft und deren Engagement für den Erhalt von Notre-Dame seien bei der Ausgestaltung der neuen Regeln nicht ausreichend berücksichtigt worden, heißt es in einer Pressemitteilung.