Zuerst hatte der Finanznachrichtendienst Bloomberg über mögliche Übernahmegespräche berichtet. Inzwischen liegen auch eigene Recherchen deutscher Medien vor: Mehrere Insider hätten dem NDR Niedersachsen entsprechende Gespräche bestätigt. Auch das Handelsblatt berichtet unter Berufung auf eigene Informationen von Verhandlungen. Demnach könnte MSC die rund 80 Prozent der Meyer-Werft-Anteile übernehmen, die derzeit von Bund und Land gehalten werden. Die Gespräche sollen sich allerdings noch in einem frühen Stadium befinden.
Bund und Niedersachsen waren Ende 2024 im Zuge der finanziellen Stabilisierung bei der Meyer Werft eingestiegen. Nach dem aktuellen Beteiligungsbericht des Bundes halten beide gemeinsam 80,73 Prozent an der Meyer Werft GmbH. Die Familie Meyer hält weiterhin knapp 20 Prozent der Anteile. Bund und Land brachten jeweils 200 Millionen Euro und damit insgesamt 400 Millionen Euro Eigenkapital ein. Hinzu kommt eine Bürgschaft für einen Kreditrahmen von 2,6 Milliarden Euro, den Bund und Land zu 80 Prozent garantieren. Die staatliche Beteiligung war von Beginn an als vorübergehende Stabilisierungsmaßnahme angelegt.
Zwischen MSC Cruises, der Kreuzfahrtsparte der MSC Group, und der Meyer Werft bestehen bereits Pläne für einen milliardenschweren Neubauauftrag. Im Dezember 2025 unterzeichneten beide Seiten einen 'Letter of Intent' über vier Kreuzfahrtschiffe einer neuen Klasse sowie Optionen für zwei weitere Einheiten. In einer gemeinsamen Erklärung vom 24. Juni 2026 teilten MSC Cruises und die Meyer Werft mit, dass die Planungen für das Schiffsdesign und die Verhandlungen über die entsprechenden Verträge ein fortgeschrittenes Stadium erreicht hätten. Ein endgültiger Abschluss der Schiffbauverträge wurde bislang nicht öffentlich bekanntgegeben.
Die geplanten Schiffe sollen zur neuen Klasse „New Frontier“ gehören. Vorgesehen sind Einheiten mit einer Bruttoraumzahl von rund 180.000 und einer maximalen Kapazität von 5.400 Passagieren. Nach den im Juni genannten Planungen sollen sie ab 2030 im jährlichen Rhythmus abgeliefert werden.