Für den Lausitzer Seenverbund wurden rund 3,8 Milliarden Kubikmeter Erde bewegt, 941 Millionen Euro investiert und stolze 100 Jahre Geschichte in Zukunft verwandelt. Zum Verbund gehören der Senftenberger See, der Geierswalder See, der Partwitzer See, der Sedlitzer See und der Großräschener See. Durch die Verbindung entstand eine 50 Kilometer lange per Schiff und Boot befahrbare Strecke auf einer Wasserfläche von 5.300 Hektar. Der Plan ist, noch weitere Seen durch Kanäle miteinander aneinander anzubinden.
Alle fünf Seen sind nach Angaben des Tourismusverbandes motorisiert befahrbar, wobei eine Durchfahrt bis zu 2,5 Stunden dauere. „Die beteiligten Gewässer weisen allesamt ein stabiles, pH-neutrales Milieu auf und bieten hervorragende Bedingungen für Badegäste und Wassersportler“, heißt es von Seiten der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV). Ergänzt wird das Wasserangebot durch asphaltierte Seerundwege für Radfahrer und Wanderer.
Mit der Freigabe des Seenverbundes steht Urlaubern und Ortsansässigen „die größte von Menschenhand geschaffene Wasserlandschaft Europas“ zur Verfügung, sagt Kathrin Winkler, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes. Zugleich sei es ein großer Schritt für den Strukturwandel in der Lausitz. Genau 100 Jahre sei es her, dass die ersten Bagger das Erdreich für den Tagebau „Ilse-Ost“ aufgebrochen hätten, an dessen Standort sich heute der Sedlitzer See befindet. In der Lausitz wurden in den 1980er Jahren nahezu 190 Millionen Tonnen Braunkohle pro Jahr gewonnen. Die Stilllegung der Tagebaue begann noch zu DDR-Zeiten. Das touristische Herzstück des Seenverbundes – der Senftenberger See – wurde bereits ab 1967 geflutet und in den 1970er Jahren eröffnet. Bis heute sind insgesamt 23 Bergbaufolgeseen mit einer Gesamtwasserfläche von 14.000 Hektar entstanden. Zum Vergleich: Die Müritz, Deutschlands größter Binnensee, ist nur rund 11.300 Hektar groß.
Was Besucher erwartet
Tourismusverbands-Chefin Winkler hofft darauf, dass sich der Seenverbund zu einer „attraktiven Urlaubsregion mit internationaler Strahlkraft“ entwickelt. Im vergangenen Jahr zählte die Region nach Verbandsangaben bereits 269.000 Gäste und 800.000 Übernachtungen. Wichtigster Auslandsmarkt für die Region sei Tschechien. Rund 23.000 Übernachtungen gingen auf Gäste aus Sachsens Nachbarland zurück. Polnische Gäste kamen auf 4.399 Übernachtungen in der Region. Bereits jetzt gibt es nach Verbandsangaben über 300 Bootsliegeplätze auf sächsischer Seite und über 700 auf brandenburgischer Seite. Künftig sollen es über 1.400 sein.