Die Position hat der 29-Jährige seit Juli 2026 inne, zuvor arbeitete er bereits als Assistent der Geschäftsführung im Unternehmen. Die Verantwortung teilt er sich mit Inhaber Horst Weihrauch, der den Betrieb seit 1979 als geschäftsführender Gesellschafter leitet. In Northeim ist die Weihrauch Uhlendorff GmbH seit 1947 ansässig, gegründet wurde das Unternehmen 1920 von Paul Weihrauch im schlesischen Breslau. Nach Northeim verschlug es den Großvater von Horst Weihrauch nach der Flucht im Zweiten Weltkrieg. Horst Weihrauch übernahm den Betrieb dann von seinem Vater Heinz der in Northeim mit dem Stadtverkehr startete und den Grundstein für den heutigen Busbetrieb legte. 106 Jahre alt ist Weihrauch Uhlendorff damit insgesamt. Zwischenzeitlich hat die Firma auch eine Tochtergesellschaft bekommen: die Weihrauch Verkehrsgesellschaft mbH Alfeld. Für diese zeichnen seit Juli 2026 ebenfalls beide – Arne Wolfram und Horst Weihrauch gemeinsam – verantwortlich.
„Kennengelernt haben wir uns bei der Musical-Premiere von Hamilton, im Rahmen eines Branchentreffens in Hamburg“, erzählt Arne Wolfram. „Den persönlichen Kontakt und den fachlichen Austausch mit Horst Weihrauch fand ich sehr inspirierend. Ich wollte mich persönlich wie beruflich weiterentwickeln, und als sich herausstellte, dass mein Anspruch im Hinblick auf die Übernahme einer verantwortungsvollen Position genau das war, was Horst Weihrauch suchte, wurde mir schnell klar, dass ich meinen Weg mit Weihrauch Uhlendorff weitergehen möchte.“ Arne Wolfram schätzt es sehr, im Unternehmen aktiv mitgestalten und Impulse setzen zu dürfen. „Ich spüre ein großes Vertrauen: auf der einen Seite in Bezug auf das Vertrauen, das ich selbst in Weihrauch Uhlendorff habe, auf der anderen Seite das Vertrauen, das in mich gesetzt wird. Das ist ein schönes Gefühl und ein großes Geschenk, auch und vor allem, weil mir und uns Erfahrung ebenso viel bedeutet wie Vision. Bei Weihrauch Uhlendorff ergänzt sich beides wunderbar.“
Aus dem Schulbus in die Branche
In die Wiege gelegt wurde Arne Wolfram das Busgeschäft nicht – das Bus-Virus infizierte ihn trotzdem schon, als er zehn Jahre alt war. „Ich kam damals auf die weiterführende Schule und musste mit dem Bus dorthin fahren, einem Setra SG 321 UL. Bis dahin waren mir Busse völlig egal gewesen, ich begeisterte mich eher für Eisenbahnen und Schiffe. Mit diesem SG 321 UL aber erwachte mein Interesse für große Autos, für richtig große Autos.“ Arne Wolfram besorgte sich Fachzeitschriften, las im Internet, besuchte Busunternehmen, redete mit Fahrern. Mit 16 war er bereit für seinen ersten Ferienjob in einem Busbetrieb und stürzte sich bei Frölich-Reisen in Hessisch Lichtenau in den Büroalltag, in Fahrtenbücher, Dateneingabe und Fahrpläne. „Ich fand alles toll, was es da zu tun gab – und wenn es nur das Aushängen von Fahrplänen war“, erinnert er sich. Mit der Absicht, kaufmännisch in der Busbranche tätig zu werden, entschied er sich nach dem Abitur, Betriebswirtschaft zu studieren. Er wählte den Masterstudiengang mit dem Schwerpunkt FACT. „In der Abkürzung steht das F für Finance mit den Inhalten Finanzwesen, Kapitalmärkte und Finanzierungsentscheidungen, das A für Accounting mit externer und interner Unternehmensrechnung, Rechnungslegung und Wirtschaftsprüfung, das C für Controlling mit Planung, Steuerung und Kontrolle unternehmerischer Tätigkeiten und das T für Taxation, also Besteuerung, Steuerrecht und betriebswirtschaftliche Steuerlehre.“
Bei Frölich-Reisen wurde aus dem Ferienjobber Arne Wolfram der Werkstudent, der aktive Busfahrer – den Busführerschein erwarb Arne Wolfram bereits mit 19 – und dann der Angestellte. Sein Faible ist das Reisegeschäft, und auch privat nutzt er gern den Bus, um fremde Länder und Kulturen zu erkunden. „Ich mag den Komfort, den der Bus bietet, vor allem bei Städte- und Rundreisen“, sagt er. „Busreisen sind intensiv und abwechslungsreich, und auch die Kollegen, die Busfahrer, sind besonders. Man trifft unter ihnen oft Menschen mit ganz ausgefallenen Werdegängen und hochinteressanten Biografien.“
Kreativität trifft To-Do-Liste
So umtriebig wie in Sachen Beruf und Karriere ist Arne Wolfram auch privat. Er ist ehrenamtlich aktiv in Kommunalpolitik, evangelischer Kirche und einem traditionsreichen örtlichen Karnevalsverein, er liest gern, fährt Fahrrad und spielt Klavier. Mit neun Jahren hat er das angefangen und als Hobby für sich bewahrt. Von Klassik bis Pop hat er so ziemlich alles im Repertoire, aber nicht, um es vorzutragen. „Das Klavierspielen ist mein Ausgleich“, verrät er, „es ist etwas, das ich nur für mich pflege.“ Bei dem, was Arne Wolfram bei Weihrauch Uhlendorff vorhat – und Weihrauch Uhlendorff mit ihm – kann ihm ein guter Ausgleich nur nützlich sein. Die erste seiner Hauptaufgaben wird sein, die Elektrifizierung des Stadt- und Regionalverkehrs voranzutreiben.
Heute fahren fast 80 Busse in der Flotte. „Ich möchte die Elektrifizierung mit je vier Elektrobussen im Stadt- und im Regionalverkehr beginnen“, sagt Arne Wolfram. „Das treibt mich tatsächlich um, zumal mit den Elektro-bussen auch massive Umbauten ins Haus stehen.“ Ladeinfrastruktur will installiert, Photovoltaik und Speicher sollen integriert werden. „Wir arbeiten hier mit einem regionalen Ingenieurbüro zusammen, weil kurze Wege zu unserem Anspruch an Nachhaltigkeit gehören.“ Hauptaufgabe Nummer zwei betrifft das Reisegeschäft. Seit 75 Jahren gehört es zum Unternehmensportfolio. „Wir werden uns wieder verstärkt dem eigenveranstalteten Reiseprogramm widmen, das im Zuge der Corona-Pandemie auf ein niedriges Level zurückgefahren worden ist“, sagt Arne Wolfram. „Dafür ist Joachim Völkel zurück ins Team gekommen.“ Der langjährige Touristik-Leiter von Weihrauch Uhlendorff ist eigentlich schon in Rente – aber eben nicht im Ruhestand. „Ich bin sehr glücklich, dass er uns in Sachen Reisegeschäft beratend zur Seite steht.“ Das Programm für die Saison 2027 steht schon: Es geht unter anderem nach Italien, an den Garda-See, nach Südtirol und Norwegen, in die Provence, an die Loire. Unter dem Motto „einfach mal raus“ führen Kurzreisen etwa in die Lüneburger Heide und in den Spreewald, an die Mosel, zur Mecklenburgischen Seenplatte. Städtereisen sind ebenfalls im Programm, beispielsweise nach Berlin, Dresden und Hamburg. „Auch wenn Weihrauch Uhlendorf sein Reisegeschäft eine Weile erheblich verkleinert hatte, so hat das Unternehmen doch immer seine Reisebusse gehalten“, so Arne Wolfram. „Sieben Fahrzeuge stehen uns in der Saison 2027 zur Verfügung, ein Mercedes Tourismo kommt im Frühjahr 2027 noch hinzu.“ Die Kundschaft hat das klassische Busreise-Alter: 70plus. „Wir wollen vermehrt aber auch wieder jün-gere Leute mit unseren Programmen adressieren, wir haben im Team noch viele Ideen in der Pipeline.“ Man kann also durchaus sagen, bei Weihrauch Uhlendorff geht die Post ab, und der Bär beginnt zu steppen. Aber so muss das wohl sein, wenn Erfahrungen voller Herzblut und Leidenschaft auf Visionen voller Herzblut und
Leidenschaft treffen.
Judith Böhnke