Letzte Woche habe ich es meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gesagt. Jetzt gehe ich mit dem monatlich erscheinenden Avanti-Rundbrief damit an die Öffentlichkeit: In eineinhalb Jahren werden ich 70. Und dann höre ich auf. Und hoffe, in den nächsten Monaten jemanden zu finden, der oder die das Unternehmen übernehmen und weiterentwickeln möchte. So sieht es aus.“
Im Buschfunk der Juni-Ausgabe des Bus Blickpunkt ging es um die Konsolidierung der Branche, die mittlerweile auch namhafte, größere Unternehmen betrifft. Nicht selten schließen diese und scheiden unwiederbringlich aus dem Markt aus. Häufig ist der Hintergrund eine nicht geregelte oder nicht geglückte Unternehmensnachfolge. Das ist bei allem Verständnis für die Herausforderungen, vor denen Busunternehmer aktuell stehen, einfach schade.
Was Avanti Reisen betrifft, hatte ich gehört, dass Hans-Peter Christoph recht offensiv nach einer geeigneten Nachfolgelösung suchen wollte. Entsprechend gespannt wartete ich auf den neuen Avanti-Rundbrief. Denn eine solche Vorgehensweise fällt aus dem üblichen Rahmen und erfordert Mut. Andererseits passt diese „Out-of-the-Box“-Herangehensweise zu Avanti Reisen und seinem Gründer, der vermutlich schon immer die Gabe hatte, über den Tellerrand hinauszuschauen. Das zeigt sich auch darin, seinem Unternehmen, seinen Reiseangeboten und seiner Kommunikation einen persönlichen Zuschnitt zu verleihen. So versendet Avanti keine Newsletter, sondern Rundbriefe. Nicht mit der Anrede „Liebe Kunden“, sondern mit „Liebe Leute“. Über die Rundbriefe lässt Hans-Peter Christoph seine Klientel auch an persönlichen Geschichten teilhaben. Wer etwa im Juni den Link „Wie Avanti zur roten Farbe kam“ öffnete, erfuhr, dass der im Schwarzwald aufgewachsene Hans-Peter schon mit 16 Jahren eine Leidenschaft für den feuerwehrroten VW-Bus eines Freundes entwickelte. Fortan träumte er von einem eigenen VW-Bus – in Rot natürlich –, mit Peace-Zeichen statt VW-Logo und von Reisen mit langhaarigen Anhaltern nach Frankreich, Spanien, Marokko oder sogar Indien und Nepal. Kurz danach wurde der Traum vom eigenen VW-Bus Wirklichkeit. Es folgten Reisen durch Europa bis nach Griechenland und in die Türkei.
Mit etwa 30 Jahren sollte das Reisefieber endgültig in berufliche Bahnen gelenkt werden. 1991 kam der erste große Omnibus ins Haus. Dass er rot sein musste, war klar. Auch zum Unternehmensnamen „Avanti“, angelehnt an das italienische Arbeiterlied „Avanti Popolo“, das damals nicht nur in spät-68er-Kreisen geläufig war, passte nur leuchtendes Rot. Ferrari-Rot heiße die Farbe offiziell noch immer. „Wir sprechen aber nur noch von Avanti-Rot“, schreibt Hans-Peter Christoph. Eine persönliche Geschichte und zugleich cleveres Marketing. Damals nahm die Erfolgsgeschichte von Avanti Reisen ihren Anfang. Zu den Meilensteinen zählen eine Busreise zu den Olympischen Spielen nach China und mehrere Reisen in den Iran, insbesondere in die Freiburger Partnerstadt Isfahan.
Spätestens 2013, als Avanti mit einem seiner roten Setra-Reisebusse zu einer mehr als 50.000 Kilometer langen Weltreise aufbrach, erlangte das Unternehmen sogar internationale Bekanntheit. Mit seiner markanten Marke dürfte Avanti heute zu den bekanntesten Busreiseveranstaltern Deutschlands gehören. Stolz ist Hans-Peter Christoph, der im Herzen wohl immer ein Abenteurer geblieben ist, zu Recht auf zahlreiche Auszeichnungen – unter anderem als Top-Reiseveranstalter und für Nachhaltigkeit sowie auf einen ersten Platz in der Kategorie „Ökologischer Reiseveranstalter“ von Focus Money. „Avanti Reisen ist eine echte Marke, eine gute Partie“, schreibt Hans-Peter Christoph. Mit wachsendem Stammpublikum, besonderen Bussen, einem eingespielten Team, jahrzehntelanger Marktpräsenz und zahlreichen Auszeichnungen sieht er gute Voraussetzungen für die Weiterentwicklung durch eine Unternehmerpersönlichkeit mit Mut und Flexibilität. Der persönlich eher ruhig wirkende Hans-Peter Christoph ist ein Mann mit Leidenschaft, der beschlossen hat, im Februar 2028, wenn er 70 wird, aufzuhören. Bis dahin, da ist er zuversichtlich, wird sich eine Tür geöffnet haben und eine passende Nachfolgelösung für Avanti Reisen gefunden sein. Das ist nicht nur ihm zu wünschen, sondern der gesamten Busbranche. Denn sie braucht auch in Zukunft Unternehmen und Persönlichkeiten wie Hans-Peter Christoph, damit sie vielfältig, eigenständig und innovativ bleibt.