Es geht um die im Raum stehende Frage nach der Abschaffung der sogenannten „Minijobs“, bis auf wenige Ausnahmen. Axel Wolf, Busreiseunternehmer aus Köln-Ehrenfeld, nahm das Thema zum Anlass, um seine Sicht auf diese Frage an maßgeblichen Stellen mit einem Schreiben zu platzieren. (Das Schreiben liegt unserer Redaktion vor.) So schrieb er am 3. Juli an den SPD-Politiker Rolf Mützenich als zuständigen Abgeordneten für den entsprechenden Wahlkreis in Köln, wie auch an die Grünen-Politikerin Katharina Dröge, die 2025 über das Direktmandat in diesem Kölner Wahlkreis erneut in den Bundestag einzog und entsprechend zuständig ist.
Busunternehmer Axel Wolf in seinem Schreiben: „In Berlin wird aktuell intensiv über die Abschaffung oder Reform von Minijobs diskutiert. Dahinter steht oft die Annahme der Regierung, dass dadurch die Sozialkassen gefüllt und mehr reguläre Neueinstellungen geschaffen würden. Ich muss Ihnen aus der Praxis sagen: Für unsere Branche ist das Quatsch.“ Zur Erläuterung führt Wolf an: „Wir arbeiten in einem extremen Mangelberuf. Mein Betrieb ist darauf angewiesen, dass flexibel besetzte Schichten gefahren werden, um den Verkehr aufrechtzuerhalten. Meine Fahrer haben bereits einen Hauptberuf und können zeitlich gar keine zusätzliche Teil- oder Vollzeitstelle annehmen. Als Unternehmer würde ich meine Fahrer viel lieber regulär sozialversichert einstellen, ohne den zusätzlichen Aufwand der Minijobs verwalten zu müssen. Das eigentliche Problem in der Praxis ist nicht der Minijob – das Problem ist die völlig verfehlte Regelung der Steuerklasse 6. Durch die extremen Abzüge bleibt den Arbeitskräften fast nichts von ihrem verdienten Geld übrig. Der Minijob ist derzeit der einzige Ausweg, um diesen steuerlichen Irrsinn zu umgehen.“ Einen Vorschlag gibt Axel Wolf gleich mit an die Hand: „Meine These und die von vielen Kollegen aus der Praxis lautet daher: Wir müssen gar nicht über die Abschaffung der Minijobs sprechen. Wenn die Politik die Steuerklasse 6 für Zweitjobs einstampft, würden sich die meisten Menschen, die sich mit einem Zweitjob ihre Einnahmen aufbessern möchten, vermutlich sofort sozialversichert beschäftigen lassen. Die Bürokratie mit der Knappschaft würde aufhören und am Ende würde sicher auch mehr Geld in die Sozialkassen fließen.“ Von der SPD erhielt Axel Wolf vor einigen Tagen Antwort. Man wollte sein Schreiben und seine Anregungen entsprechend einbringen. Die Grünen haben sich noch nicht gemeldet – brauchen vielleicht noch Zeit. An seinen Landesverband, den NWO, sowie den bdo hat Axel Wolf sein Schreiben ebenso adressiert und positive Rückmeldungen erhalten. Man wolle seinen Vorschlag entsprechend weitertragen. Mit seinem Schreiben hat der Busunternehmer Axel Wolf, wie ich finde, nicht nur einen beherzten Vorstoß gewagt, sondern auch aufgezeigt, dass in Sachen Arbeitszeitmodelle sowie dem steuerlichen Umgang damit „neues Denken“ in der Politik nottut.
Arbeit auf Abruf
Im Gespräch über sein Schreiben und seine Auffassung zu diesem Thema erzählt mir Axel Wolf, dass er in seinem Unternehmen auch einige Rentner geringfügig beschäftigt. Dabei bestimmten diese ihre Arbeitszeit selbst. „Sie sind auch mal vier Wochen mit dem Wohnmobil verreist oder müssen sich temporär um ihre Familie kümmern. Die Prioritäten sind einfach anders. Dennoch sind sie hoch motiviert und leisten wertvolle Arbeit im Unternehmen“, so Wolf. Seit 2026 bietet die Aktivrente bessere steuerliche Möglichkeiten. Eine zweite Stelle sei jedoch wieder voll mit Steuerklasse 6 zu versteuern. „Die Lohnsteuerklasse 6 ist eine Strafsteuer für arbeitswillige Menschen, ein Irrweg der Politik!“ So sei dem Fahrermangel nicht beizukommen.