Gerade in der überschaubaren Busbranche können Awards etwas bewegen. Doch wenn immer neue Preise hinzukommen, stellt sich die Frage, welchen Mehrwert sie noch bieten und ob der einzelne Award dadurch an Strahlkraft verliert. Der bdo hat 2026 mit „Top Bus Destination – Busfreundlichste Reiseziele Deutschlands“ einen Wettbewerb gestartet, der Städte, Erlebniswelten und Sehenswürdigkeiten auszeichnet. Im Mittelpunkt stehen konkrete Bedingungen für Busreisende und Fahrpersonal – und damit auch für Busreiseveranstalter. Die Auszeichnung kann Destinationen motivieren, ihre Busfreund-
lichkeit zu verbessern. Inhaltlich erinnert der Wettbewerb an die Auszeichnung von WBO und GBK, die seit drei Jahren beim „Tag des Bustourismus“ im Rahmen der CMT vergeben wird. Eine Prämierung auf Bundesebene erscheint dennoch sinnvoll, zumal die Bustouristik um öffentliche Wahrnehmung und politische Anerkennung kämpft.
Welche strategische Funktion hat der Wettbewerb?
Im Zusammenhang mit der erstmals veranstalteten bdo | Tourismus Werkstatt stellt sich eine weitergehende Frage: Welche strategische Bedeutung hat der Wettbewerb für den Verband – und möglicherweise auch für die BUS2BUS, als Messeformat der Messe Berlin und dem bdo als ideellem Partner der BUS2BUS? Der Branchenzweck ist klar: Mit „Top Bus Destination“ sollen besonders busfreundliche Reiseziele sollen sichtbar gemacht und ausgezeichnet werden. Zugleich schafft der Wettbewerb Anreize für touristische Anbieter, an der Veranstaltung des bdo teilzunehmen und Kontakte zum Verband und weiteren Branchenakteuren zu knüpfen. Für den Verband bietet sich damit die Chance, sein Netzwerk und seine Rolle als Ansprechpartner für Destinationen und touristische Leistungsträger zu stärken.
Auch eine messepolitische Funktion ist denkbar: Der Wettbewerb könnte dazu beitragen, touristische Anbieter für die BUS2BUS zu interessieren und Anreize für eine künftigen Präsenz auf der
Messe zu schaffen.
Die BUS2BUS mit mehr Bustourismus
Dass diese Überlegung nicht aus der Luft gegriffen ist, zeigt der Blick auf die jüngsten Aktivitäten. Die Messe Berlin beziehungsweise die BUS2BUS war selbst als Aussteller bei der bdo | Tourismus Werkstatt vertreten. Bei einer Präsentation zur nächsten BUS2BUS 2028 wurde Bustourismus unter dem Titel „Neue Erlebnisorte und Reisetools“ als neues Highlight im Rahmen der Fachmesse angekündigt.
Die BUS2BUS will die gesamte Wertschöpfungskette der Busbranche abbilden. Dazu gehört auch die Bustouristik. Für 2028 ist unter anderem eine Partner Stage mit Akteuren aus dem touristischen Busbereich vorgesehen. Zudem kehrt die Messe zu einem dreitägigen Ausstellungszeitraum zurück.
Damit zeichnet sich eine strategische Entwicklung ab: Die bdo | Tourismus Werkstatt bringt touristische Anbieter zusammen, während sich die BUS2BUS als Plattform für eine stärkere Präsenz der Bustouristik positioniert. Der neue Wettbewerb könnte somit auch dazu dienen, touristische Akteure für das Netzwerk und die Veranstaltungsformate des Verbands zu gewinnen. Ein Messeformat, das neben Fahrzeugen, Technik und Mobilität auch touristische Belange abbildet, dürfte bei manchen Busunternehmern auf Interesse stoßen. Für den bdo ist der Wettbewerb zugleich eine Möglichkeit, seine Position gegenüber Destinationen und touristischen Leistungsträgern zu stärken.
Doch welche Auswirkungen hat diese Entwicklung auf etablierte Formate wie die RDA Group Travel Expo oder den VPR-VIP-Treff? Eine gezielte Attacke der BUS2BUS auf andere Messen und Veranstaltungen lässt sich daraus nicht ableiten. Allerdings könnte eine neue Wettbewerbssituation entstehen: Die Messeformate könnten künftig stärker um Ausstellerbudgets, die Aufmerksamkeit touristischer Fachbesucher und deren Zeit konkurrieren.
Entscheidend wird sein, ob die BUS2BUS den Bustourismus lediglich ergänzend aufgreift oder sich langfristig auch als touristische Branchenmesse positionieren möchte.