In nahezu neun von zehn Konfliktfällen konnte demnach eine Einigung zwischen Reisenden und Reiseunternehmen erzielt werden. Nach Angaben der Schlichtungsstelle unterstreicht diese hohe Erfolgsquote erneut die Effizienz des Schlichtungsverfahrens für alle Beteiligten.
Als Grund für den Rückgang nennt die Stelle unter anderem, dass das vergangene Jahr weniger stark von außergewöhnlichen Ereignissen wie Streiks, Extremwetterlagen oder IT-Ausfällen geprägt gewesen sei. Auch Personalengpässe und Infrastrukturprobleme hätten sich weniger stark ausgewirkt. Entsprechend sei es insgesamt zu weniger Reiseproblemen und Konflikten gekommen.
Flugreisen dominieren weiterhin das Beschwerdeaufkommen
Der Großteil der Beschwerden betraf auch im vergangenen Jahr den Flugverkehr. Rund 83 Prozent aller Anträge entfielen auf Flugreisen. Allerdings ging auch hier die absolute Zahl der Beschwerden zurück – um etwa 3.000 auf rund 35.000 Fälle. Hauptursachen blieben annullierte Reisen, Flugzeitenänderungen sowie Verspätungen.
Auf Bahnreisen entfielen knapp 15 Prozent der eingegangenen Anträge. Zugausfälle und Verspätungen waren auch hier die häufigsten Gründe für Beschwerden. Andere Verkehrsträger – darunter Bus- und Schiffsreisen – machten weiterhin nur einen sehr geringen Anteil am Gesamtaufkommen aus.
Mögliche Unsicherheiten durch anstehende Tarifrunde
Für das laufende Jahr rechnet die Schlichtungsstelle mit einem ähnlich hohen Beschwerdeaufkommen wie zuletzt, sofern es nicht erneut zu außergewöhnlichen Ereignissen kommt. Eine gewisse Unsicherheit sehen die Experten jedoch bereits im Frühjahr: In Kürze beginnt die neue Tarifrunde zwischen der Deutsche Bahn und der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL). Zwar gilt bis einschließlich Februar eine Friedenspflicht, anschließend wären jedoch erneut Streiks möglich.
Die Schlichtungsstelle Reise und Verkehr war 2024 aus der früheren Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) hervorgegangen. Seit 2010 unterstützt sie Reisende bei Konflikten rund um Flug-, Bus-, Bahn- und Schiffsreisen. Rund 400 Verkehrsunternehmen beteiligen sich an dem Verfahren, das von ihnen selbst finanziert wird. Beschwerden zu Bus- und Schiffsreisen machen dabei regelmäßig den kleinsten Anteil aus.