RDA-Präsident Benedikt Esser verwies in seiner vorab eingereichten Stellungnahme auf eine noch nicht überwundene Nachfragekrise. Nach den darin angeführten Daten der Reiseanalyse gab es 2025 rund 22 Prozent weniger Busurlaubsreisen ab fünf Tagen als 2019. Zugleich stieg der durchschnittliche Reisepreis um rund 35 Prozent auf 1.081 Euro pro Person. Mehr als die Hälfte der Gäste sei mindestens 70 Jahre alt. Weitere Kostensteigerungen gefährdeten damit auch gesellschaftliche Teilhabe.
Bei der Elektrifizierung sieht Esser erhebliche Hürden: hohe Anschaffungskosten, begrenzte Reichweiten und fehlende Ladepunkte entlang der Routen sowie an Hotels und Ausflugszielen. Die Bundesförderung passe zudem nur eingeschränkt zum Geschäftsmodell vieler Veranstalter, weil geförderte Fahrzeuge überwiegend in Deutschland eingesetzt werden müssten, während viele Busurlaubsreisen ins Ausland führten.
Als Brücke für die Bestandsflotte setzt der RDA auf HVO100 aus zertifizierten Abfall- und Reststoffen. Esser fordert, nachweislich eingesetzte erneuerbare Kraftstoffe bei den CO₂-Flottengrenzwerten für Reisebusse zu berücksichtigen, sofern wirtschaftliche elektrische Alternativen fehlen. Eine befristete Entlastung solle einen möglichen Mehrpreis gegenüber Diesel ausgleichen und entfallen, sobald HVO100 günstiger ist. Doppelanrechnung und Doppelförderung sollen ausgeschlossen werden.
Weitere Anliegen des RDA sind risikogerechte Tarife beim Deutschen Reisesicherungsfonds, aktuelle amtliche Emissionsdaten für die Umweltwerbung und mehr Entsorgungsstationen für Bustoiletten.
Leonard: Entlastung und faire Bedingungen
bdo-Hauptgeschäftsführerin Christiane Leonard warnte in ihrer schriftlichen Stellungnahme davor, die wirtschaftliche Stabilisierung mit einer vollständigen Erholung gleichzusetzen. Zwar bewerteten 50 Prozent der befragten Unternehmen ihre Geschäftslage als unverändert, doch 40 Prozent berichteten von einer schlechteren Gewinnentwicklung. Mehr als 90 Prozent der in einer September-Befragung erfassten Bustouristikunternehmen seien durch die Kraftstoffpreise stark oder sehr stark belastet.
Der bdo fordert gezielte Kraftstoffkostenentlastungen und hält langfristig am Gewerbediesel fest. Außerdem solle der ermäßigte Umsatzsteuersatz auch für Reise- und Fernlinienbusse gelten. Bürokratie ließe sich unter anderem durch die Abschaffung des papiergebundenen Fahrtenblatts im grenzüberschreitenden Gelegenheitsverkehr und einfachere A1-Nachweise reduzieren. Auch der Zugang zum Fahrberuf müsse einfacher und günstiger werden.
Die Antriebswende unterstützt der bdo grundsätzlich, verlangt dafür aber wirtschaftlich tragfähige Bedingungen und tatsächlich busgeeignete Ladeinfrastruktur. Kritisch bewertet Leonard die im Haushaltsentwurf 2027 vorgesehene Kürzung der Förderung für Busse mit alternativen Antrieben. Städte und Destinationen sollten Reisebusse mit geeigneten Halte- und Parkflächen integrieren.

RDA-Präsident Benedikt Esser (links) und bdo-Hauptgeschäftsführerin Christiane Leonard (rechts) während der Anhörung/ Fotos: Screenshot
Fernbus und Stadtverkehr mitdenken
Philipp Kürschner, Director Business DACH bei Flix, verlangt in seiner vorab eingereichten Stellungnahme ebenfalls verlässliche Förderung und einen ermäßigten Mehrwertsteuersatz. Hinzu kommen Forderungen nach digitalen Anzeigeverfahren für Fernbuslinien und einer gezielten Lockerung des Bedienverbots, um zusätzliche Verbindungen zu ermöglichen.
Prof. Dr. Kai Nagel von der TU Berlin warnt in seiner gemeinsam mit Ricardo Ewert verfassten Stellungnahme vor einer pauschalen Verlagerung der Reisebusparkplätze an den Stadtrand. In einer Berliner Simulation erhöhte die Konzentration auf vier äußere Großparkplätze die gesamte Fahrleistung um rund 17 Prozent und die CO₂-Emissionen um rund 15 Prozent. Empfohlen wird ein abgestuftes Netz aus zentrumsnahen Haltepunkten, Kurzzeit- und äußeren Langzeitparkplätzen. Digitale Belegungsinformationen und Reservierungen könnten helfen, fehlende Flächen aber nicht ersetzen.