Demnach fiel der Branchenindikator im Juni auf -32,0 Punkte, im Mai hatte er noch bei -30,3 Punkten gelegen. Vor der Eskalation im Nahen Osten im Februar waren es noch -15,6 Punkte gewesen.

„Viele Reisende waren besonders zu Beginn des Iran-Konflikts in ihren Urlaubsplänen verunsichert“, erläutert ifo-Branchenexperte Patrick Höppner. Er rechnet mit Nachholeffekten. Reisende, die im Frühjahr die Urlaubsbuchung aufgeschoben hätten, könnten sich zur Sommerhauptreisezeit möglicherweise noch für eine kurzfristige Buchung oder einen Last-Minute-Urlaub entscheiden.

Ansonsten zeige sich, dass die Nachfrage nach zahlreichen europäischen und außereuropäischen Reisezielen im Mittelmeerraum stabil sei oder anstiege. Das gehe aus der Luftverkehrsstatistik des Statistischen Bundesamts hervor. So habe sich die Zahl der Flugpassagiere, die von einem Hauptverkehrsflughafen in Deutschland etwa eine Reise nach Italien starteten, von Januar bis Mai 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 1,0 Prozent erhöht. Nach Spanien reisten ungefähr gleich viele Urlauber wie im Vorjahreszeitraum. Nach Griechenland flogen 3,6 Prozent mehr Passagiere, nach Kroatien 4,2 mehr und in die Türkei 2,7 Prozent mehr. Insgesamt sei die Zahl der Flugreisenden aber um 0,2 Prozent zurückgegangen. „Im Gegensatz zum Mittelmeerraum verlieren derzeit viele Fernreiseziele an Attraktivität“, meint Höppner.

Die Reiseunternehmen antworten allem Anschein nach mit Preissenkungen auf die derzeitigen Nachfrage-Entwicklungen. Hier schlügen aber auch die deutlich gesunkenen Preise für Flugkerosin im Mai und Juni zu Buche, so Höppner. Das Preisniveau bleibe dennoch höher als vor der Eskalation des Iran-Konflikts Ende Februar. Nach der Verbraucherpreisstatistik des Statistischen Bundesamts hätten sich Flüge ins europäische Ausland im ersten Halbjahr 2026 um 11,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum verteuert.