Der Active Cross Traffic Assist soll Fahrer bei Kollisionsgefahren durch schnelle, querende Fahrzeuge und Motorräder unterstützen. Mit dem Active Sideguard Assist 3 will der Hersteller den Abbiegeassistenten auf beiden Fahrzeugseiten ergänzen: Die Funktion erstrecke sich nun erstmals auch auf die Erkennung von schnell herannahendem Gegenverkehr beim Abbiegen über die Fahrerseite. Beide Systeme sind bei akuter Kollisionsgefahr sowohl in der Lage, zu warnen, als auch automatisierte Bremseingriffe vorzunehmen. Für Reisebusse von Mercedes-Benz und Setra werden der Active Cross Traffic Assist und der Active Sideguard Assist 3 ab April 2027 angeboten.
Neben den beiden Neuheiten präsentiert Daimler Truck auch Weiterentwicklungen bestehender Assistenzsysteme auf der IAA. Mit dem Attention Assist 2 führt das Unternehmen auch eine kamerabasierte Erfassung von Anzeichen für Ablenkung, Müdigkeit und möglichen Sekundenschlaf beim Fahrer ein. „Sicherheit entscheidet sich oft in Sekunden“, weiß Mustafa Üstertuna, Leiter Software- und Elektronikentwicklung. „Darum schauen wir zuerst auf die Straße und erst dann auf Sensoren und Algorithmen: Wo sind Fahrerinnen und Fahrer von Lkw und Reisebussen besonders gefordert? Und wie kann Technik genau in diesen Situationen Risiken frühzeitig erkennen und gezielt unterstützen? Aus diesen Fragen entstehen unsere Assistenzsysteme.“ Der Active Cross Traffic Assist und der Active Sideguard Assist 3 seien Antworten auf diese Fragen. Sie stünden für den Anspruch, reale Verkehrssituationen genau zu analysieren und daraus Assistenzfunktionen auch für Reisebusse zu entwickeln. „Der Mensch bleibt dabei im Mittelpunkt und behält die Verantwortung für das sichere Führen des Fahrzeugs“, so Üstertun.
Über den Active Cross Traffic Assist
Der Active Cross Traffic Assist nutzt eine 270-Grad-Sensorfusion aus Longrange-Radar, Multifunktionskamera und Shortrange-Radarsensoren. Innerhalb seiner Erfassungsbereiche kann es Fahrzeuge und Motorräder erkennen, die sich dem Lkw oder Reisebus von rechts oder links nähern und dessen Fahrweg kreuzen. Dabei kann das System querende Fahrzeuge und Motorräder mit Geschwindigkeiten von bis zu 120 km/h erfassen. Erkennt das System eine drohende Kollision, warnt es zunächst seitenspezifisch optisch und akustisch und leitet eine Teilbremsung ein. Reagiert der Fahrer nicht und besteht die erkannte Kollisionsgefahr fort, kann der Active Cross Traffic Assist eine automatisierte Vollbremsung auslösen. Je nach Verlauf der Verkehrssituation kann das System die Bremsung auch wieder auflösen oder das Fahrzeug bis zum Stillstand abbremsen. Fahrer können die Systemreaktion jederzeit übersteuern. Eine eingeleitete Bremsung soll sich durch eine Betätigung des Fahrpedals über den Druckpunkt – den sogenannten Kick-down – abbrechen lassen.
Über den Active Sideguard Assist 3
Der Active Sideguard Assist 3 soll die aktive Unterstützung des Abbiegeassistenten auf beiden Fahrzeugseiten komplettieren. Die wesentliche Neuerung besteht in einer zusätzlichen Funktion für das Abbiegen über die Fahrerseite. Das System sei erstmals in der Lage, auch entgegenkommende Fahrzeuge mit Geschwindigkeiten von bis zu 120 km/h über mehrere Fahrspuren hinweg zu erkennen. Errechnet es eine mögliche Kollisionsgefahr, kann es bis zu einer Eigengeschwindigkeit von 40 km/h optisch und akustisch warnen. Reagiert der Fahrer nicht und besteht die Kollisionsgefahr fort, kann das System bei einer Eigengeschwindigkeit zwischen 0 und 20 km/h eine Bremsung einleiten. Die Technologie basiert auf einer Sensorfusion aus sechs Radarsensoren und einer Multifunktionskamera. Sie überwacht definierte Bereiche entlang und vor dem Fahrzeug. Darüber hinaus unterstützt der Active Sideguard Assist 3 weiterhin beim Abbiegen über die Beifahrerseite sowie beim Spurwechsel nach links und rechts.
Der Active Drive Assist 3 gilt als die nächste Entwicklungsstufe des teilautomatisierten Fahrens als Level-2-System. Zu den Neuerungen zählen eine Schnellabschaltung der lenkenden Assistenzfunktionen über eine Lenkradtaste sowie die Speicherung individueller Einstellungen für den Active Drive Assist und den Active Brake Assist. Das Fahrzeug kann die bevorzugten Einstellungen für bis zu sechs Fahrerkarten hinterlegen und beim Einlegen einer bekannten Fahrerkarte automatisch übernehmen. Für unbekannte Fahrerinnen und Fahrer gelten vordefinierte Standardwerte.