„Die Busflotten von Hochbahn und VHH sollen bis 2030 vollständig auf Busse mit emissionsfreien Antrieben umgestellt werden“, hieß es noch in einem Beschluss der Bürgerschaft vom 11. September 2019. Schon vor zwei Jahren relativierte die Hochbahn die Zielerreichung auf „Anfang der 2030er Jahre“. Auf ihrer Homepage schreibt das Unternehmen zwar noch immer, dass alle rund 1.100 Dieselbusse gegen E-Busse ausgetauscht würden. Bis 2029 sollen nun jedoch erst einmal wieder bis zu 150 neue Dieselbusse in die Flotte aufgenommen werden. Für die Hamburger Verkehrspolitik stellt diese Entscheidung eine Wende dar, denn seit 2020 hatten die Hochbahn und die ebenfalls mehrheitlich städtischen Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) tatsächlich nur noch Fahrzeuge mit Elektroantrieb angeschafft.
Laut Angaben der Deutschen Presseagentur handele es sich bei den neuen Verbrennerbussen um Fahrzeuge, die mit dem synthetischen Kraftstoff HVO 100 betankt werden können. HVO stehe für Hydrotreated Vegetable Oils, mit Wasserstoff behandelte Pflanzenöle. Diese Art von Dieselkraftstoff gilt als klimafreundlich, weil beim Einsatz von HVO 100 „Treibhausgasemissionen“ gegenüber fossilem Diesel in der Bilanz deutlich geringer angerechnet werden. Dennoch zeichnet sich gerade HVO 100 dadurch aus, dass dieser Kraftstoff in jeden Dieselbus getankt werden kann, nicht nur in „klimafreundliche“.
Flotte soll „krisenfester“ werden
Ziel der Anschaffung der bis zu 150 Dieselbusse sei „die Stärkung der Resilienz-Fähigkeit“ der Hochbahn sowie der kritischen Infrastruktur, wozu auch „die Aufrechterhaltung einer ÖPNV-Versorgung der Bevölkerung in Krisenzeiten“ gehöre. Die Elektrifizierung der Busflotte, der Ausbau er Ladeinfrastruktur und die Modernisierung der Betriebshöfe blieben dennoch weiterhin zentrale Bausteine der Unternehmensstrategie, so ein Hochbahn-Sprecher. Ein E-Bus koste allerdings rund zweieinhalbmal so viel wie ein Dieselfahrzeug, daher könne die Hochbahn-Flotte erst und nur dann weiter elektrifiziert werden, wenn es eine Förderung dafür gebe.
Die VHH bekräftigten demgegenüber, dass sie auch in Zukunft für Hamburg batteriebetriebene E-Busse beschaffen werden. Verbrennerbusse sollen dort nicht eingesetzt werden. Allerdings seien die fünf angrenzenden Landkreise in Schleswig-Holstein Miteigentümer des Unternehmens. Dort seien die VHH-Busse ebenfalls im Einsatz, hier gelte das Hamburger Klimaziel aber nicht. Nach Senatsangaben verfügten die VHH über 521 Diesel- und 278 Elektrobusse, der E-Anteil an der Flotte beläuft sich damit auf 35 Prozent. Bei der Hochbahn sind 432 E-Busse im Einsatz, was rund 39 Prozent der Gesamtflotte ausmacht. Mit Bundesförderung würden bis 2031 weitere 240 E-Bussen angeschafft. Sollte es doch noch zur Förderung kommen, läge die Elektrifizierungsquote der Hochbahn 2032 bei ca. 60 Prozent.