Auch bei der Nutzerfinanzierung steht Berlin gut da: Mit 41 Prozent fahrgastbezogenen Einnahmen am Gesamtaufwand liegt die Hauptstadt deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 33 Prozent. Laut Gutachten erreicht Berlin derzeit eine durchschnittliche ÖPNV-Güteklasse von 1,5 und liegt damit bundesweit auf Rang eins. Bis 2040 könnte sich dieser Wert nach Berechnungen der Gutachter auf 1,2 verbessern. Grundlage der Untersuchung sind zwei Entwicklungsszenarien für den Nahverkehr bis 2040.
Für den Busverkehr sieht insbesondere das Szenario „Deutschlandangebot 2040“ weitere Verbesserungen vor. Geplant sind unter anderem Angebotsverdichtungen auf bestehenden Linien sowie eine bessere Erschließung der Stadtrandgebiete. Ziel sind dichtere Takte und zusätzliche Kapazitäten, um dem erwarteten Bevölkerungswachstum gerecht zu werden.
Bereits heute werden in Berlin jährlich rund 179 Millionen Nutzfahrzeug- beziehungsweise Nutzzugkilometer im öffentlichen Verkehr erbracht. Der öffentliche Finanzierungsbedarf lag 2024 bei etwa 1,6 Milliarden Euro. Nach Angaben der Gutachter tragen Bus, Straßenbahn und Schienenpersonennahverkehr in ähnlicher Größenordnung zu diesem Finanzierungsbedarf bei.
Im Szenario „Modernisierung 2040“ wird vor allem die Erneuerung von Fahrzeugen, Infrastruktur, Werkstätten und Betriebshöfen betrachtet. Für Berlin erwarten die Gutachter dabei einen Nachfrageanstieg von 13 Prozent. Um das bestehende Angebot zu sichern und qualitativ weiterzuentwickeln, müsste der Finanzierungsbedarf bis 2040 auf rund 3,2 Milliarden Euro steigen.
Das weitergehende Szenario „Deutschlandangebot 2040“ setzt zusätzlich auf Angebotsausweitungen. Neben Projekten im Schienenverkehr sind dabei auch Verbesserungen im Busnetz vorgesehen. Die Sitzplatzkapazitäten im Berliner Nahverkehr würden nach den Berechnungen um 47 Prozent wachsen, die Nachfrage um mindestens 22 Prozent. Der öffentliche Finanzierungsbedarf würde in diesem Fall bis 2040 auf 4,44 Milliarden Euro steigen.
Nach Einschätzung des VDV zeigt das Gutachten, dass Berlin bereits heute über ein leistungsfähiges Nahverkehrssystem verfügt. Um die Qualität des Angebots angesichts steigender Fahrgastzahlen zu erhalten und insbesondere den Busverkehr weiter auszubauen, seien jedoch langfristig zusätzliche Finanzmittel erforderlich.