Das Meinungsforschungsinstitut INSA Consulere hat im Auftrag der Bild eine Umfrage zu 49-Euro-Ticket und Fernbus durchgeführt. Die BILD hatet dazu auf der Titelseite einen Bericht gebracht, der aber nur auf sehr grob auf das mögliche Scheitern des Tickets ein, wegen noch vieler ungelöster Detailfragen („Endloses Hickhack: Scheitert das 49 €-Ticket“). „Brisant“ sei dabei, so die BILD, dass die Attraktivität des Tickets deutlich steige mit einer Einbindung des Fernbusses, bei jungen Leuten unter 30 Jahren seien es 87 Prozent, die dann eher zugreifen würden. 

Kai Neumann, Leiter Politik, Umwelt und Europa beim bdo sagt dazu: „Die INSA-Studie im Auftrag der Bild zeigt eine deutlich höhere Kaufbereitschaft wenn Fernbusse Teil des 9-Euro-Nachfolgetickets sind. Gerade junge Menschen in Ausbildung oder Studium, Haushalte ohne PKW und Geringverdiener würden eher zugreifen. Durch den Fernbus hätte das neue Ticket einen echten Mehrwert – vor allem auch im ländlichen Raum. Und die Umwelt würde sich auch freuen.“

 

 

 

Potenzial von rund 6 Mio. Tickets

Die detaillierten Umfrageergebnisse, die der bdo exklusiv verwertet und verbreitet, belegen eine deutlich höhere Kaufbereitschaft bei Fernbus-Einbindung (gesamt 52 Prozent). Generell erkennt der bdo ein deutliches Potential für gesteigerte Ticket-Einnahmen durch eine theoretische Steigerung um bis zu sechs Mio. zusätzlich verkaufte Tickets, was natürlich rein spekulativ ist. Die Mehrheit der Bevölkerung wünsche sich Aufnahme des Fernbusses in das 49-Euro-Ticket, „damit es für sich selbst oder für sein Umfeld attraktiver werde“, so der bdo. Allerdings sieht es anders aus, wenn direkt nach der Steigerung der Attraktivität durch den Fernbus gefragt wird: hier sagen 76 Prozent der Haushalte mit Pkw und 69 Prozent derer ohne Pkw, sie würden aufgrund der zusätzlichen Fernbuseinbindung kein Ticket kaufen. Trotzdem erkennt der bdo eine „deutlich höhere Nutzerschaft und Kaufbereitschaft durch Integration des Fernbusses.“ Die derzeit erkennbaren „Befürchtungen nachlassender Attraktivität des teuren 49-Euro-Ticktets“ könnten so laut bdo entkräftet werden. Fast die Hälfte (47 Prozent) der 18 bis 29-Jährigen, die kein 49-Euro-Ticket kaufen würden, würde es sich anders überlegen, wenn auch Fernbusse dabei wären, allerdings nur 33 Prozent der 30 bis 39jährigen und zehn Prozent der 40- bis 49-jährigen. „Die Aufnahme des Fernbusses bringt für viele erst den entscheidenden Mehrwert, um das 49-Euro Tickets zu kaufen“, so folgert der bdo.

 

 

Bdo: „Sozialpolitischer Game-Changer“

Zudem sei das Ticket mit Fernbus-Inklusion ein „sozialpolitischer Game-Changer“, der Geringverdienende Personen und Einkommensschwache besonders berücksichtige und eine „echte Entlastung und Sozialpolitik, die bei den Menschen ankommt“. In der Studie spiegelt sich das insofern wider, als ein Viertel der Menschen im unteren Bereich der Einkommensskala (1.000 bis 2.000 Euro brutto monatlich), die das Ticket nicht kaufen würden, tun es doch, wenn der Fernbus inkludiert wäre, allerdings sagen 85 Prozent der Befragten mit unter 1.000 Euro Bruttoeinkommen, es würde keinen Unterschied für sie machen. Deutlich höher wird die Zustimmung wiederum, wenn nach der generellen Attraktivität eines Tickets mit Fernbus für das persönliche Umfeld gefragt wird, hier sind es 56 Prozent der unter 1.000 Euro Brutto verdienenden, was sich steigert bis zu 71 Prozent der Bestverdiener über 4.000 Euro brutto. In Sachen Bildungsgrad wird erwartungsgemäß sehr deutlich: Fast 90 % der in Ausbildung oder Studium befindlichen Menschen halten das Ticket für attraktiver, wenn der Fernbus inkludiert ist. Ablehnend äußerten sich vor allem Selbstständige (44 Prozent) und Rentner (47 Prozent).

 

 

RDA sieht Fernbuseinbindung sehr kritisch

Auf der 70. Mitgliederversammlung des RDA in Mannheim nahm auch der RDA-Präsident Benedikt Esser Bezug auf die Forderungen von Flixbus-Gründer und CEO André Schwämmlein nach einer Aufnahme des Fernbusses in das geplante 49 Euro-Ticket. Unlängst war Flixbus erst dem VDV beigetreten, der vermutlich die Schlüsselrolle bei der Verteilung der staatlichen Fördergelder einnehmen wird. „Es gibt den Wunsch eines Fernbusanbieters, auch Leistungsgeber innerhalb des geplanten 49-Euro-Tickets zu werden. Das hätte zur Folge, dass man zukünftig mit dem 49-Euro-Ticket unbegrenzt Fernbusreisen durch Deutschland unternehmen könnte.“ Dies sei auch im Tourismusausschuss des Bundestages deutlich geworden, in dem sowohl Esser als auch der politische Verbindungsmann von Flixbus und ehemalige FDP-Abgeordnete, Patrick Kurth, als Experten aufgetreten waren. Esser geht das Thema offensiv an, auch wenn es im Anschluss nicht extern kommuniziert wurde: „So entstünde ein staatlich subventioniertes 49-Euro-Flatrate-Ticket für Fernbusreisen, das zu einer erheblichen Wettbewerbsverzerrung und zu einem substanziellen Umsatzrückgang bei den mittelständischen Reisebusunternehmen insbesondere im Bereich der Städtereisen und Tagesfahrten führen würde. Das darf so nicht kommen! Das 49-Euro-Ticket muss ein reines Nahverkehrsticket ohne die Einbeziehung der Fernbusverkehre bleiben. "

 

Benedikt Esser auf der RDA-Mitgliederversammlung in Mannheim.                   Foto: T. Wagner

 

Der VDV hatte sich in seiner Pressekonferenz vor der letzten, ergebnislosen MPK in der vergangenen Woche eher neutral zum Thema geäußert. Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff erwähnte die neuerliche Mitgliedschaft von Flixbus im VDV mit keinem Wort und konnte keine rechtlichen Vorbereitungen zum Thema erkennen. Sollte es hier um Gelder gehen, die an Flixbus gehen sollten, müssten diese sicher noch auf die vom Bund angekündigten Mittel „obendrauf kommen“. Es dürfte also noch eine durchaus lebhafte Diskussion werden, bis das neue 49-Euro-Ticket endlich durchstarten kann.