Zehn Jahre ist es her, dass ein schnöder Möbelverkauf Zufall oder Fügung inspirierte, für Nathalie Wallies diverse Umstände zu verketten. Die damals 18-Jährige hatte gerade ihr Abitur in der Tasche und in Ermangelung eines konkreten Lebensplanes ein Jahr voller Praktika im Sinn, als auf die Möbelverkaufs-Anzeige ihrer Familie kein Geringerer als Florian Gärtner antwortete, der gerade vom Präsidium des Internationalen Verbandes der Paketer (VPR) zum neuen Geschäftsführer bestellt worden war. Gärtner zog die VPR-Geschäftsstelle „traditionsgemäß“ von Fürth zu seinem Standort nach Hamburg um und traf Nathalie Wallies anlässlich der Möbelbesichtigung. Und wie das so ist bei Zufällen und Fügungen, kam das Gespräch irgendwann auf das Thema „Was haben Sie denn jetzt so vor?“, woraufhin Nathalie Wallies gestand, dass für sie zunächst Ausprobieren, Experimentieren und Erfahren auf dem Programm stünde. Gärtner ergriff die Gelegenheit beim Schopf und lud sie ein, für ein paar Monate Erfahrungen beim VPR zu sammeln.


„Aus den ursprünglich avisierten drei Monaten wurden dann tatsächlich fast zwei Jahre“, erinnert sich Nathalile Wallies. „Mein ‚VPR-Praktikums-Job‘ mün-dete in eine Assistenz bei der VPR-Geschäftsleitung, und ich mochte sehr, was diese Tätigkeit alles mit sich brachte. Es passte einfach, und ich lernte so viel kennen, erhielt so tiefe Einblicke, knüpfte so wertvolle Kontakte – ich schaue sehr dankbar auf diese unverhoffte Chance und das, was sich daraus entwickelt hat, zurück.“


Auf ein Studium bzw. eine Ausbildung wollte Nathalie Wallies dennoch nicht verzichten. Sie hielt entsprechend Ausschau nach einem Unternehmen, bei dem sie ein duales Studium absolvieren konnte. „Die Reisebranche hatte mich schon auf ihrer Seite, und ich sah die Potenziale, die sich daraus für meine berufliche Laufbahn ergeben konnten. Meine ursprünglich unsteten Pläne hatten sich insoweit absolut konkretisiert. Ich wandte mich dann speziell an Service-Reisen, weil ich das Unternehmen als Mitglied des VPR kannte und wusste, dass es sich menschlich und strukturell durch alles auszeichnete, was mich ansprach.“


Mit Service-Reisen an ihrer Seite stürzte sich Nathalie Wallies auf und in einen Bachelor of Arts im Bereich Mittelstandsmanagement, ein Sektor der Betriebswirtschaftslehre, der auf die Herausforderungen und Besonderheiten mittelständischer Betriebe fokussiert, die sich deutlich vom Konzerngeschehen unterscheiden. Ihr Steckenpferd wurde das Projektmanagement. „Schon im Studium merkte ich, dass mir das Entwickeln und Optimieren logischer Prozesse nicht nur total liegt, sondern auch richtig Spaß macht“, sagt sie. „Ich beschäftigte mich gern mit entsprechenden Ausarbeitungen und genoss es sehr, dass ein duales Studium diesen immensen Praxisbezug hat, den ich bei Service-Reisen auch ausleben konnte.“ Nach Abschluss des dreieinhalbjährigen Studiums stieg Nathalie Wallies bei Service-Reisen als Referentin der Geschäftsleitung ein. „Für alle vier Geschäftsführer, was mir nochmal zu ganz neuen Perspektiven und vielfältigen Erfahrungen verhalf.“ Im Februar 2024 wurde sie dann Abteilungsleiterin für das IT-Portfoliomanagement bei Service-Reisen.


Seither befasst sich Nathalie Wallies mit der Verbesserung der Systeme, die bei Service-Reisen im Einsatz sind. Teil davon ist das neue Kundenportal, das Service-Reisen in Zusammenarbeit mit team neusta für Busunternehmen und Reiseveranstalter aufgelegt hat. „Wir wollten weg von der Unübersichtlichkeit des reinen Telefon- und E-Mail-Verkehrs und hin zu einer belastbaren und in jeder Hinsicht anpassungsfähigen digitalen Lösung, von der alle Beteiligten profitieren“, so Wallies, die das Unterfangen als Projektleiterin verantwortet. „Auf dem RDA habe ich für den ersten Entwurf, den wir Ende Mai 2026 für unsere Kunden launchen werden, viel positives Feedback erhalten. Das Kundenportal bietet eine Übersicht über alle Anfragen, Angebote und Reisen, die der Reiseveranstalter bei uns platziert hat, wobei jeweils sämtliche Reiseleistungen mit dargestellt werden – von den Hotels über Stadtführungen bis hin zu Museumsbesuchen. Die Busunternehmen und Reiseveranstalter können auf Knopfdruck abrufen, was alles in einer Reise enthalten ist. Zusätzlich gibt es ein Dokumentenarchiv, in dem jegliche Dokumente hinterlegt sind, ob Angebot, Rechnung oder Reiseunterlagen“. Der größte Fortschritt besteht ihrer Ansicht nach in der Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Service-Reisen und den Unternehmen, die bei Service-Reisen buchen. „Alle Daten stehen (fast) in Echtzeit zur Verfügung, Angebote können digital bestätigt, Zusatzleistungen auf Knopfdruck gebucht werden. Die Unternehmen können sogar Teilnehmerlisten und eigene Ausschreibungen hochladen, die wir prüfen und denen wir bei Bedarf noch einen ‚Feinschliff‘ verpassen, damit das Marketing optimal funktionieren kann. Selbst Infos zu den Bussen und zum Fahrer können uns die Kunden im Portal zukommen lassen.“


Das Interesse am neuen Kundenportal ist riesig, bemerkt Nathalie Wallies – und hat die Erweiterung des ersten Entwurfes schon in der Pipeline. „Ende Juni werden wir bereits die ersten hinzukommenden Features ausrollen“, verrät sie. „Dann werden Kontingente, die Service-Reisen einkauft, über das Kundenportal direkt als Paketreise buchbar sein, und die Kunden können genau einsehen, was wo wann und in welchem Umfang verfügbar ist, um es sozusagen dem eigenen Warenkorb hinzuzufügen.“ Dass sich die Entwicklung des Portals selbstverständlich fortsetzen soll, versteht sich dabei fast von selbst, auch wenn Vorhaben aus unternehmens-politischen Gründen nicht näher konkretisiert werden können. „Wir wollen unser Kundenportal bei Service-Reisen nach dem Motto ‚genau, was ich als Unternehmer brauche‘ weiterentwickeln“, sagt Nathalie Wallies. „Wir freuen uns deshalb über jedes Feedback. Uns ist wichtig, wirklich auf die Bedürfnisse unserer Kunden zu fokussieren.“ Das gilt auch und gerade in Bezug auf den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. „Hier sind definitiv Schritte geplant, um KI ins Kundenportal zu integrieren – bedarfs- und bedürfnisgerecht und nicht nur, weil es als ‚angesagt‘ gilt.“


Für Nathalie Wallies selbst steht fest, dass das Projektmanagement ihr Steckenpferd bleiben wird. In der Logik von Prozessen liegt für sie eine eigene Schönheit und eine verborgene Form von Kreativität. Als „Fan von logischen Prozessen“ will sie dem treu bleiben – und dafür sorgen, dass jeder, der bei Service-Reisen an logischen Prozessen beteiligt ist, Freude an den weiteren Entwicklungen hat.

 

Judith Böhnke