Ursprünglich stammt Fabian Schreder aus Österreich, wo er auch eine klassische touristische Ausbildung durchlaufen hat. Die Bustouristik – speziell im Hinblick auf die sogenannten Best-Ager – bestimmt seine Biographie seit seinem zehnten Lebensjahr. „Mein Vater hat damals ein Reiseveranstaltungsunternehmen auf die Beine gestellt“, erinnert sich der heute 40-Jährige, „der Schwerpunkt lag auf Kreuzfahrten und Busgruppen im Segment Event und Schlager bzw. Volksmusik. Da war ich als Zehnjähriger schon auf der Jungfernfahrt dabei – und habe mit den damaligen Best-Agern Bingo im Bus gespielt.“
Das väterliche Unternehmen feiert in diesem Jahr sein 30-jähriges Firmenjubiläum. Daheim geblieben ist Fabian Schreder allerdings nicht. Ihn zog es nach Abschluss der Tourismusschule in die Ferne. Zunächst ging es für ihn in die „Stiefelspitze“ Italiens: zu FTI nach Kalabrien. Anschließend arbeitete Schreder für eine asiatische Agentur in Bangkok und sogar eine Saison lang auf einem Flusskreuzfahrtschiff. Seine Spezialität wurden die Zielgebietsentwicklung und das Produktmanagement. Über die FTI kam er schließlich nach Dubai – als Mitglied eines winzigen Teams, das das FTI-Set-up der ersten Stunde in Dubai organisierte und den Grundstein für die gesamte dortige Tourismusentwicklung der FTI legte. „Ich war damals für den Hotel-einkauf zuständig, für das Business Development und das Key Account Management“, erinnert sich Fabian Schreder. „Für Sonnenklar-TV kaufte ich die Angebote ein, und zwischen 2010 und 2013 entwickelte sich die FTI zum Platzhirsch im Mittleren Osten. Eine schöne und interessante Zeit war das.“
Bieten, was gebraucht wird
Über FTI kam Schreder zu Desert Adventures, einer Agentur des damaligen Kuoni-Konzerns, die später von Rewe übernommen wurde. Dort begegnete er auch Leitner Reisen. „Leitner Reisen brachte fast wöchentlich Gruppen nach Abu Dhabi und blieb mir ganz markant in Erinnerung", erzählt Fabian Schreder. Als er aus familiären Gründen nach Deutschland zurückkehrte, suchte er den Kontakt zu Leitner Reisen und lernte Christoph Führer kennen, den langjährigen Geschäftsführer des Unternehmens. Mit ihm verband Schreder bald eine sehr vertrauensvolle und harmonische Zusammenarbeit.
Nach Führers unerwartetem Tod im November 2024 übernahm Schreder gemeinsam mit Rafael Baer die Geschäftsleitung bei Leitner Reisen. Baer verantwortet Finanzen, IT, Personal und Vertrieb, Schreder ist für Produkt, Einkauf, Destinationsmanagement und strategische Partnerschaften zuständig. Hier verfügt Schreder über Kompetenzen, die vielen, vor allem kleineren Busunternehmen kaum zur Verfügung stehen – sich aber äußerst sinnstiftend in Kooperationen einbringen lassen.
„Auf die Idee gebracht hat uns eine Partnerschaft, die Leitner Reisen schon seit 20 Jahren begleitet“, verrät Fabian Schreder. „Angefangen hatte es damit, dass die Herstellung eines eigenen Kataloges die Möglichkeiten dieses Unternehmens überstieg, während Leitner Reisen jeden Monat mit einem neuen Katalog auf sich aufmerksam machte. Als das Unternehmen um Unterstützung bat, boten wir an, aus unserem Katalog auszusuchen, was zur Zielgruppe des Unternehmens passte und das in einen ‚kleinen‘ – wenn auch nicht monatlichen – Katalog zu packen, der unter der Marke des Unternehmens herausgegeben wurde.“
Damit war ein sogenanntes White-Label Konzept geboren: ein Geschäftsmodell, bei dem ein Unternehmen ein Produkt oder eine Dienstleistung von einem anderen Hersteller bezieht, dieses Produkt bzw. die Dienstleistung aber unter eigenem Namen vermarktet. „Als Rafael Baer und ich darüber nachdachen, wie wir Leitner Reisen weiterentwickeln könnten, sahen wir uns auch diese ‚Katalog-Partnerschaft‘ näher an. Wir erkannten, dass die Herausforderungen, denen sich unser Partner gegenübersah, nicht nur einen Katalog betrafen. Sie erstreckten sich auch auf die Homepage, die Buchungsmöglichkeiten, das nicht vorhandene Callcenter, das digitale Standing, das gesamte Marketing.“ Schreder und Baer war klar, dass das kein Einzelfall war – und sie wussten, dass sich viele Busunternehmen gern moderner aufstellen würden, aus unterschiedlichsten Gründen aber die Mittel dafür nicht aufbringen können. „Betroffen sind hier vor allem kleinere Betriebe, Firmen ohne Nachfolger und auch manche
Unternehmen, die schwerpunktmäßig im Liniengeschäft unterwegs sind, aber noch ein paar Reisebusse auf dem Hof stehen haben, ohne diese adäquat auslasten zu können.“
Erfolgsrezept: White-Label Strategie
Fabian Schreder entwickelte daraufhin eine White-Label Strategie, an der erste Unternehmen bereits partizipieren. „Diese Strategie basiert auf drei Säulen“, erläutert er. „Diese können als Ganzes, aber auch einzeln in Anspruch genommen werden.“ Die erste Säule betrifft die Produkte, die Reisen bzw. Reisepakete, die Leitner Reisen anbietet und die die Partnerunternehmen unter ihrem eigenen Namen in ihr Portfolio aufnehmen können. Dabei erhalten die Partner auch Zugang zu Leitners Preis-Leistungs-Verhältnis, auch wenn dieses durch einen stärkeren Fokus auf Qualität und auch Fairness nicht mehr ganz so günstig erscheint wie früher. Die zweite Säule bildet die Infrastruktur, die erforderlich ist, um im digitalen Zeitalter den Anschluss an den Markt aufrecht zu erhalten. „Hier stellen wir dem Partner die gesamte Technologie zur Verfügung, die er braucht, um in Dingen wie Homepage, Newsletter, Stammkundenansprache, Online-Buchung, Hotline, Chat oder Callcenter up-to-Date zu sein.“ Die dritte Säule schließlich bezieht sich auf das Know-how hinsichtlich Datenintelligenz und Marketing.
Leitner Reisen stellt damit genau jenes „Gerüst“, das für zukunftsorientiertes Wirtschaften so essenziell ist wie aufwändig in der Realisierung. Diesen Aufwand zu betreiben, schaffen viele Unternehmen weder zeitlich noch personell noch finanziell. „Es ist mittlerweile eine Binsenweisheit, dass Kooperation in Sachen Erfolg die gute alte Konkurrenz aus dem Rennen schlägt“, sagt Fabian Schreder. „Hier setzen wir an – mit dem Ziel, gemeinsam stark zu sein.“
Verfolgt Leitner Reisen bei so viel frischem Wind noch Zukunftspläne? „Aber sicher“, meint Fabian Schreder. „Ein Ziel haben wir sogar schon erreicht: Wir sind ein mittlerweile volldigitaler Reiseveranstalter, die Hälfte aller Buchungen wickeln wir bereits online ab.“ Nun gelte es, die Kunden noch mehr an die Hand zu nehmen und sie an Apps und digitale Services heranzuführen. Außerdem wollen Baer und Schreder mit Leitner Reisen geselliger werden. „In der Vergangenheit trat Leitner eher durch seine Zurückgezogenheit in Erscheinung“, so Schreder, „wir waren sprichwörtlich ‚versteckt im Spitalwald‘ und weder beim RDA noch bei anderen Events vertreten.“ Das soll sich ändern. „Wir wollen wachsen durch Vernetzung und Leitner Reisen entwickeln, indem wir Unterstützung anbieten. Dafür müssen wir ‚raus aus dem Wald‘, Kontakte knüpfen und pflegen und auch das Image an neuen Gegebenheiten ausrichten.“ Zielgruppenmäßig werden die Best-Ager das bevorzugte Kundensegment bleiben. „Ein überaus interessantes Klientel“, meint Schreder. Das liege zum einen am jüngeren Lebensalter, zum anderen aber auch an den vergleichsweise stabilen finanziellen Möglichkeiten dieser Zielgruppe. „Best-Ager sind fit, abenteuerlustig und anspruchsvoll und liefern damit etwas, das Reiseveranstaltung zu einer wirklich tollen Tätigkeit macht.“ Einer Tätigkeit, die Kreativität entfesseln kann – im wahrsten Sinne des Wortes.
Judith Böhnke