In den vergangenen Monaten hat MAN einen Lion’s City 12 E in enger Zusammenarbeit mit seinem neuen Partner Adastec mit einem Automated Driving System (ADS) ausgestattet und dieses in die Elektronikarchitektur des Fahrzeugs integriert. Damit ist das Fahrzeug, das über fünf Lidar Sensoren, sechs Radare, acht Kameras und GNSS (Global Navigation Satellite System) verfügt, technisch in der Lage, automatisiert zu fahren.
Aktuell absolviert der Bus erste Testfahrten auf dem Werksgelände, bei denen typische Manöver wie das präzise Anfahren von Haltestellen erprobt werden. Ziel dieser Phase ist die Feinjustierung des Systems, die Gewinnung von wichtigen Betriebsdaten sowie die weitere Optimierung der automatisierten Fahrfunktionen.
Nach Abschluss dieser Phase sind Testfahrten im öffentlichen Straßenraum in München vorgesehen – zunächst ohne Fahrgäste. In einem weiteren Schritt plant die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) einen Pilotbetrieb mit ausgewählten Nutzern. Während des Einsatzes übernimmt das System Fahrfunktionen wie Lenken, Beschleunigen, Bremsen und Blinken, ein Sicherheitsfahrer bleibt an Bord.
Aus Sicht des Herstellers adressieren automatisierte Busse zentrale Herausforderungen im ÖPNV. Dazu zählen insbesondere der steigende Fahrermangel sowie der Bedarf an flexibleren und effizienteren Betriebsmodellen. Gleichzeitig wird ein Beitrag zur Erhöhung der Verkehrssicherheit erwartet.
Politische Unterstützung kommt aus Berlin: Patrick Schnieder bezeichnete das Projekt als „wegweisend für den öffentlichen Nahverkehr“ und betonte die Bedeutung automatisierter Systeme für Effizienz und Teilhabe.
Langfristig strebt MAN die Markteinführung eines vollautomatisierten Serienfahrzeugs auf SAE-Level 4 in der kommenden Dekade an. Die im Projekt gewonnenen Erkenntnisse sollen direkt in die Entwicklung einfließen.
Das Projekt Minga läuft seit 2023 mit insgesamt 16 Partnern aus Verwaltung, Forschung und Wirtschaft. Konsortialführer ist das Mobilitätsreferat der Stadt München. Gefördert wird das Vorhaben bis Mitte 2027 mit rund 13 Millionen Euro durch den Bund. Ziel ist es, automatisierte und vernetzte Mobilitätslösungen in bestehende Verkehrssysteme zu integrieren und zentrale Fragen zu Betrieb, Wirtschaftlichkeit und Regulierung zu klären.