Im Rahmen ihrer Sitzung besichtigte die Arbeitsgruppe das Projekt Albus und tauschte sich mit den Projektverantwortlichen über Chancen, Herausforderungen und notwendige Rahmenbedingungen für den Einsatz autonomer Fahrzeuge aus. Anschließend diskutierten die Teilnehmer die Erkenntnisse aus dem Praxistest und den weiteren Handlungsbedarf.
Der bdo bewertet die jüngste Absichtserklärung der Bundesregierung mit mehreren europäischen Partnerstaaten zur besseren Koordinierung autonomer Fahrzeuge im Regelverkehr grundsätzlich positiv. Gleichzeitig fordert der Verband, die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Markthochlauf zunächst auf nationaler Ebene zu schaffen. Ziel der europäischen Initiative ist es, die Einführung autonomer Mobilitätsangebote stärker aufeinander abzustimmen und gemeinsame Standards zu fördern.
bdo-Hauptgeschäftsführerin Christiane Leonard erklärt: „Dass sich Deutschland gemeinsam mit anderen europäischen Staaten für eine stärkere Koordinierung beim autonomen Fahren einsetzt, ist grundsätzlich der richtige Weg. Allerdings darf der Blick nach Europa nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine klare Gesamtstrategie noch weiter zu konkretisieren ist. Während andere Länder konkrete Fahrpläne für die Einführung autonomer Mobilitätsangebote entwickeln, fehlt in Deutschland noch immer ein übergreifender Ansatz, der die unterschiedlichen Projekte bündelt und den Weg in den Regelbetrieb ebnet.“
Die Erfahrungen aus Burgdorf hätten erneut gezeigt, welches Potenzial autonomes Fahren insbesondere für den öffentlichen Verkehr im ländlichen Raum biete, ergänzt Leonard. Gleichzeitig sei deutlich geworden, dass Pilotprojekte allein nicht ausreichten. Es brauche verlässliche politische Rahmenbedingungen, Planungssicherheit und eine klare nationale Strategie. Die Bundesregierung solle aus Sicht des bdo daher ihre Gesamtstrategie unter Einbeziehung derjenigen Akteure intensivieren, die seit Jahrzehnten den deutschen ÖPNV verlässlich sicherstellen. Denn ohne die Einbeziehung der bestehenden ÖPNV-Strukturen könne es einen Leitmarkt in Deutschland nicht geben.
Fünf Handlungsfelder für den autonomen Verkehr
Aus Sicht der privaten Busbranche sind fünf Bereiche entscheidend, damit Deutschland beim autonomen Fahren den Anschluss nicht verliert.
Erstens müsse autonomes Fahren den öffentlichen Personennahverkehr stärken und ergänzen, nicht ersetzen. Der Nutzen autonomer Mobilitätsangebote entstehe nur als Teil eines integrierten Mobilitätssystems. Autonome Angebote sollten daher konsequent mit dem ÖPNV verknüpft werden und als Ergänzung zu bestehenden Mobilitätsketten etabliert werden.
Zweitens fordert der Verband eine bundesweit abgestimmte Strategie anstelle einer Vielzahl voneinander unabhängiger Pilotprojekte und Einzelinitiativen. Einheitliche Rahmenbedingungen seien notwendig, um erfolgreiche Konzepte zu skalieren und in die Fläche zu bringen. Sonst drohten Insellösungen, die weder skalierbar noch miteinander kompatibel seien.
Drittens plädiert der bdo dafür, die regulatorischen Leitplanken frühzeitig festzulegen bevor sich neue Marktstrukturen verfestigen. Deutschland solle rechtzeitig definieren, wie autonome Angebote in das bestehende Mobilitätssystem eingebunden werden und welche gesellschaftlichen Ziele sie erfüllen sollen.
Viertens sieht der Verband die privaten und mittelständischen Busunternehmen als zentrale Partner bei der Einführung neuer Technologien. Die Busunternehmen bilden das Rückgrat der Mobilität in Deutschland, sie verfügen über jahrzehntelange Erfahrung in Betrieb, Wartung und Organisation, so der bdo. Autonomes Fahren dürfe diese Strukturen nicht verdrängen, sondern müsse auf diesen aufbauen.
Fünftens fordert der bdo die Einrichtung eines zentralen Projektträgers für autonomes Fahren im öffentlichen Verkehr. Dieser solle Pilotprojekte bündeln, den Wissenstransfer organisieren, Fördermittel koordinieren und erfolgreiche Ansätze in die Fläche bringen. Neben ausreichender Finanzierung sei eine langfristige Strategie erforderlich, um Wertschöpfung, Innovation und technologische Kompetenz in Deutschland zu sichern. Modellregionen könnten dabei den Übergang von der Erprobung zum bundesweiten Roll-out unterstützen.