In Sachen autonomes Fahren unterschieden sich Nutzen und Herausforderungen je nachdem, ob man den Schienen- oder den Straßenverkehr betrachtet, so der Thinktank. Das Potenzial fahrerloser Kleinbusse liege vor allem darin, das Angebot des ÖPNV zu erweitern. Als On-Demand-Shuttles, die per App angefordert werden, sei ihr Betrieb teils wirtschaftlicher und flexibler als konventioneller Linienbusverkehr. Das ermögliche insbesondere dünn besiedelten Gebieten besseren Zugang zum ÖPNV-Netz. Allerdings beschränke sich die Erprobung solcher Systeme in Deutschland noch auf kleine lokale Projekte. 

„Autonome Fahrzeuge können insbesondere auf dem Land allen Menschen eine saubere Mobilität garantieren – sofern sie ins ÖPNV-System integriert werden“, so Yannick Thoma, Projektleiter Digitalisierung und autonomes Fahren bei Agora Verkehrswende. „Die Bundesregierung hat in dieser Frage den richtigen Kurs eingeschlagen, doch bislang bleibt es bei kleinteiligen Erprobungsprojekten. Es braucht jetzt mehr Tempo, wenn Deutschland im internationalen Wettbewerb nicht den Anschluss verlieren will.“ Mit wenigen, aber großen Modellregionen könne jetzt der Übergang zum Regelbetrieb gelingen und ausreichend Nachfrage für eine Fahrzeugproduktion in Deutschland erzeugt werden. So könnten autonome On-Demand-Shuttles „Made in Germany“ nicht nur die Mobilität, sondern auch die heimische Wertschöpfung und technologische Souveränität fördern.

Auf diese Weise könne Deutschland nicht zuletzt zum Leitmarkt und Leitanbieter für fahrerlose Kleinbusse im ÖPNV werden, denn die Automatisierung im öffentlichen Verkehr sei auch eine industriepolitische Chance für Deutschland, meint der Thinktank. Wichtig sei dabei, über große und verlässlich finanzierte Pilotprojekte eine ausreichende Nachfrage bei der deutschen Fahrzeugindustrie anzustoßen. Vielversprechend erscheint Agora Verkehrswende zudem eine Kooperation mit anderen europäischen Staaten. Eine deutsche oder europäische Softwareentwicklung und Produktion autonomer Fahrzeuge für den ÖPNV wäre nach Ansicht des Thinktanks nicht nur eine wirtschaftliche Chance, sondern würde auch die technologische Unabhängigkeit von ausländischen Unternehmen im daten- und sicherheitssensiblen Feld des autonomen Fahrens stärken.

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