Was sich nun vor 1.600 Gästen entfaltete, sei mehr als ein gelungener Auftakt gewesen – die Zuschauer weinten, lachten, feierten und lagen sich am Ende tanzend in den Armen, „als hätte dieses Musical einen Raum geöffnet, den viele längst vergessen glaubten“. Im Mittelpunkt des Stückes steht die Geschichte der Geschwister Nina, Mario und ihrer Mutter Rosi, einer schillernden, wenn auch übergriffigen Figur aus Wittenberg, die sich selbstbewusst als „Udo Walz des Ostens“ inszeniert. Ihr Reich ist der legendäre „Salon Rosie. Was zunächst nach familiärem Drama klingt, entwickelt sich zu einer dichten, emotionalen Erzählung über Herkunft, Sehnsucht und das Ringen um Freiheit in einer Zeit des Umbruchs.

Mit einem feinen Gespür für Ton und Timing führen Autorin Franziska Kuropka und Regisseur Lukas Nimscheck durch eine vielschichtige Story, die mit Musik und Texte von Peter Plate und Ulf Leo Sommer eingängig und emotional mitten ins Herz treffe, so die Kritiker. „Wir sind am Leben“ erzählt von HIV und Aids, von der Wucht der Wiedervereinigung, von Verlust und Sehnsucht – und finde darin eine Haltung, die nie beschwere, sondern trage. Humor werde hier nicht als Gegenpol verstanden, sondern als befreiende, verbindende und menschliche Kraft:.


Als „Supernovadiscoslut“ erklang, wurde aus dem Premierenpublikum ein Chor, der sogar die Grenze zwischen Bühne und Zuschauerraum auflöste. Als einer der magischsten Momente des Abends machte der Rosenstolz-Klassiker „Die Schlampen sind müde“ auf sich aufmerksam: Für einen Augenblick verwandelte sich der Zuschauerraum in ein Konzert. An dieser Stelle gab es Standing Ovations für Steffi Irmen in ihrer Rolle als Rosi. Dass Eiskunstlauflegende Katharina Witt ebenfalls im Publikum saß und erfuhr, dass „Rosi“ einst ihren berühmten Haarschnitt erfand, verlieh der Premiere noch einen zusätzlichen, latent mythischen Nachhall.

„Dieses Musical hat absolut das Potential, DAS Berlin-Stück zu sein!“, meinte Schauspieler Lars Eidinger, der es sich wie Witt nicht nehmen ließ, der Premiere beizuwohnen. „Wenn man verstehen will, was Berlin ausmacht, was die Schönheit an Berlin ist, die Liebe zu Berlin, dann ist das das Stück der Stunde!“ Die Schriftstellerin und Drehbuchautorin Annette Hess lobte: „Wenn ich ein Wort für diese Show finden müsste, dann wäre das: Echt, denn sie ist total authentisch. Man merkt: Da steckt das wahre Leben drin. Das ist erfahren, nicht ausgedacht.”