Das Trendbarometer für die Bustouristik, dass von Michael Schmelzle (stellv. Geschäftsführer, Leitung Recht & Wirtschaft beim WBO) vorgestellt wurde, ließ sich von den Ergebnissen mit denen des Vorjahres vergleichen – einen Umschwung gab es allerdings beim Thema KI: Auf die Frage „Ist Digitalisierung/ Künstliche Intelligenz/ Automatisierung etwas, das Sie bereits in Anwendung haben bzw. noch in Anwendung bringen wollen?“ antworteten 63 Prozent der Befragten mit „Ja“ und damit gut 42 Prozent mehr als im Vorjahr. Als die größten Herausforderungen empfinden die Befragten nach wie vor die Bürokratie, den Fahrpersonalmangel, die Kostenentwicklung, die Herausforderung ein jüngeres Reisepublikum in den Bus zu bekommen und fehlende zentrale Busparkplätze.

Brückenbauer

Dass diese Herausforderungen auch deshalb besonders sind, weil nicht mehr eine Herausforderung auf die nächste folgt, sondern eine Vielzahl an Herausforderungen gleichzeitig zu bewältigen sind, machte Anne Schweizer, Mitglied der Geschäftsleitung bei Schweizer Reisen im Waldachtal, deutlich. „Die Gleichzeitigkeit der Herausforderungen ist das Problem“, erklärte sie in ihrem Vortrag unter dem Thema „Next Generation – Synergien im modernen Bustourismus“. Sie selbst arbeitet in der vierten Generation im Familienunternehmen und zeichnet sich für Business Development, Strategie & Transformation sowie für Marketing, Recruiting und die Weiterentwicklung des Reisebereichs verantwortlich. Aus ihrer Sicht sei hier vor allem Kooperation gefragt, im Großen wie im Kleinen: „Durch die Veränderungen in der Branche brauchen wir mehr Kooperation, mehr Zusammenarbeit – nicht aus Idealismus heraus, sondern als logische Antwort auf die Herausforderungen.“ Ob es um Zusammenschlüsse oder Bündelung bei größeren Ausschreibungspaketen im ÖPNV gehe – bei denen kleinere Unternehmen allein selten eine Chance für den Zuschlag hätten – oder um die für alle vorteilhafte Teilung von Kompetenzen oder Personal, wenn zum Beispiel mehrere Unternehmen sich eine Social Media Managerin teilen, sehe sie viele Vorteile in der Kooperation. Dabei gehe es gerade nicht darum zu „verschmelzen“, sondern genau hier entstehe eine Chance, dass die Unternehmen jeweils eigenständig bleiben und gleichzeitig eine größere Schlagkraft entwickeln.

Dynamische Strukturen

„Herausforderungen entstehen aus Systemen, die für Stabilität gebaut wurden, nicht für Dynamik“, erklärte Michael Eberli, CSO und COO der Milzer GmbH in seinem Vortrag „Dynamic Packaging im Bustourismus – die Verbindung zweier Welten". Beim Dynamic Packaging ginge es nicht um weniger Planung, sondern vielmehr darum, Leistungen – wie z.B. Hotelkontingente – intelligent steuerbar zu machen. „Der Bus bleibt fix – die Hotelkapazität wird gestaffelt. Der Bus bleibt der wirtschaftliche und operative Anker der Reise. Abfahrten, Routen und Sitzplatzkapazitäten werden weiterhin verbindlich geplant. Neu ist die Trennung zwischen fixer Transportkapazität und flexibler Leistungskapazität. Hotelzimmer und Zusatzleistungen werden nicht mehr homogen behandelt, sondern entlang von Nachfrage, Buchungsstand und Zeit bis zur Abfahrt differenziert gesteuert“, erklärte er das zu Grunde liegende Prinzip.

Welcome Bus 

Im Anschluss an die beiden Vorträge präsentierte die Landesgartenschau Ellwangen ihr Buskonzept sowie die geplanten Highlights auf der LAGA für Gruppen. Für dieses Konzept wurde die Landesgartenschau Ellwangen – gemeinsam mit neun weiteren busfreundlichen Destinationen – zum Abschluss des Tag des Bustourismus ausgezeichnet. Nach der Verabschiedung durch gbk-Geschäftsführer Martin Becker nutzten einige der angereisten Teilnehmer noch die Möglichkeit sich bei einem Get-together auszutauschen, andere besuchten noch die nahegelegene CMT, bevor es für die meisten wieder auf den Heimweg ging.

 

Die diesjährigen Preisträger der Auszeichnung „Welcome Bus 2026“ mit WBO-Vizepräsidentin Carolin Grötzinger (2.v.l.) und gbk-Präsident Hermann Meyering (r.) / Foto: Bus Blickpunkt