Selbst das Auslaufen der Bundesförderung unter Bundeskanzler Olaf Scholz konnte – mit Blick auf Europa – den Siegeszug der batterieelektrisch angetriebenen Linienbusse in Deutschland nicht stoppen. Im Gegenteil: Die Fortsetzung der finanziellen Unterstützung durch die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz lässt die Bundesrepublik zunehmend zu einem Eldorado für Hersteller von Elektrobussen aus aller Welt werden.
Begehrlichkeiten internationaler Hersteller
Allein im ersten Quartal 2025 stiegen die Neuzulassungen batterieelektrischer Busse in Deutschland um rund 68 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das zeigt: Die Nachfrage wächst – trotz eines weiterhin anspruchsvollen Marktumfelds.
Damit steigen auch die Begehrlichkeiten internationaler Hersteller. Neu in der Statistik der Flensburger Behörde ist beispielsweise VinFast gelistet – wenn auch zunächst nur mit einem einzigen Elektrobus aus Vietnam. Dass chinesische Hersteller längst in Deutschland angekommen sind, zeigt unter anderem die Bestellung der Deutschen Bahn bei BYD. Die Marke sicherte sich 2025 mit 167 neu zugelassenen Elektrobussen den dritten Platz. Bezogen auf die Gesamtzahl von 1.458 Fahrzeugen entspricht das einem Marktanteil von rund zehn Prozent. Zur Jahresmitte dominierte Mercedes-Benz das Feld und vereinte mehr als 50 Prozent der Neuzulassungen auf sich. Zum Jahresende stehen 665 Elektrobusse zu Buche – der Stern glänzt mehr denn je.
Auf Platz zwei folgt MAN. Zwar bleibt der Abstand zum Rivalen aus Mannheim beziehungsweise Stuttgart deutlich, doch 386 neu zugelassene Elektrobusse sind mit Blick auf die 167 Fahrzeuge von BYD auf Rang drei ebenfalls eine klare Ansage. Nachdem sich die beiden deutschen Marken im Segment über acht Tonnen zunächst ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert hatten, übernahm Daimler Buses seit 2024 nicht nur die Spitzenposition, sondern baute erstmals auch einen deutlichen Vorsprung aus. 2025 wurde dieser weiter vergrößert.
Ebusco, in den vergangenen Jahren noch regelmäßig auf dem Siegertreppchen vertreten, musste seinen Platz für BYD räumen. 63 Elektrobusse der niederländischen Marke, die ihre Fahrzeuge inzwischen als Auftragsarbeit in China fertigen lässt, reichten nur noch für Rang vier. Auch Solaris und VDL zählen seit Jahren zu den festen Größen im Markt. Beide europäischen Hersteller waren wiederholt unter den Top drei vertreten. 2025 reicht es für Solaris mit 51 neu zugelassenen Elektrobussen für Platz fünf – exakt ein Fahrzeug vor VDL auf Rang sechs, die im vergangenen Jahr 50 Elektrobusse in Deutschland zuließen.
Anpassungsfähigkeit wird entscheidender Erfolgsfaktor
Nichts ist so beständig wie der Wandel – das wusste bereits der griechische Philosoph Heraklit. Auch in der (Elektro-)Buswelt scheint Veränderung der einzige verlässliche Faktor zu sein. Anpassungsfähigkeit wird zum entscheidenden Erfolgsfaktor. Das haben unter anderem MCV aus Ägypten und Irizar aus Spanien erkannt und mit Elektrobussen bei deutschen Kunden gepunktet. MCV belegt mit 22 neu zugelassenen Elektrobussen Rang sieben. Platz acht geht an Irizar aus dem Baskenland, das 18 Fahrzeuge an deutsche Kunden auslieferte. Mit zwölf neuen Elektrobussen landet Iveco Bus auf Platz neun. Wisdom erreicht mit fünf Fahrzeugen Rang zehn.
Weitere Hersteller tauchen ebenfalls in der Statistik auf: Anadolu Isuzu mit drei Elektrobussen sowie Otokar mit einer Neuzulassung. Da es den Herstellern freisteht, wie sie ihre Fahrzeuge in Flensburg anmelden, verbleibt zudem eine Gruppe von 14 Fahrzeugen, die statistisch keiner Marke eindeutig zugeordnet werden kann. Elektrobusse boomen weiter. Der Rückgang der Neuzulassungen im Jahr 2024 (minus zwölf Prozent) war vor allem auf politische Unsicherheiten und den Förderstopp zurückzuführen – mit Blick auf die Zahlen von 2025 ist diese Delle nun überwunden. Verkehrsunternehmen planen wieder umfangreiche Flottenerweiterungen und treiben die Umstellung auf Elektromobilität voran. Mehrere Analysen gehen übereinstimmend von einem stetigen Wachstum des E-Bus-Marktes bis 2035 aus – getragen von EU-Emissionszielen, kommunalen Klimaschutzstrategien und der Modernisierung öffentlicher Verkehrsnetze. Rüdiger Schreiber