Damit gewinne erstmals auch die einheimische Bevölkerung an Bedeutung, so der touristische Landesverband Tourismus NRW. Gerade das Ruhrgebiet stehe wie kaum eine andere Region in Nordrhein-Westfalen für Wandel, Industriekultur, urbane Vielfalt und die Frage, wie touristische Entwicklung zur Lebensqualität vor Ort beitragen könne. „Tourismus ist weit mehr als das, was Gäste während ihres Aufenthalts ausgeben“, meint Heike Döll-König, Vorstandsvorsitzende von Tourismus NRW. „Touristische Angebote prägen Orte und Regionen und tragen dazu bei, dass sie lebenswerter und attraktiver werden – für Gäste genauso wie für die Menschen, die hier zuhause sind. Es geht also darum, Gäste willkommen zu heißen und zugleich Lebensräume so zu gestalten, dass sie für Einwohnerinnen und Einwohner attraktiv sind. Diese Perspektive wollen wir künftig noch konsequenter in der touristischen Entwicklung Nordrhein-Westfalens verankern.“

NRWs Wirtschaftsministerin Mona Neubaur teilt diese Perspektive: „Nordrhein-Westfalen ist ein starkes Reiseland. Wer zu uns kommt, findet Industriekultur, Natur und Städte mit Charakter. Davon profitieren Hotels, Gastronomie und Handel, aber auch die Menschen, die hier leben. Dass die Branche diesen Blick jetzt schärft, ist der richtige Weg. Guter Tourismus macht eine Region nicht nur für Gäste attraktiver, sondern auch für alle, die hier zu Hause sind.“ Den Einheimischen kämen in der weiterentwickelten Strategie mehrere Rollen zu: Zum einen könnten sie als Gäste selbst die touristischen Angebote im Land nutzen und von einem attraktiven Umfeld profitieren. Zum anderen sollen sie stärker als bisher in die Entwicklung des Tourismus einbezogen werden.

 

Einheimische im Tourismus mitdenken

Bereits heute gebe es in NRW zahlreiche Beispiele aus dem Tourismus, bei denen Einheimische mitgedacht würden oder sogar die größte Nutzergruppe stellten. So bündele Ruhr Tourismus beispielsweise mit der „Ruhr.Topcard“ bereits die Freizeit- und Kulturlandschaft der Region und mache sie für Menschen vor Ort ebenso wie für Gäste zugänglich. Das Angebot zeige, wie touristische Angebote regionale Identität, Markenbindung und Wertschöpfung miteinander verbinden könnten. Zugleich offenbarten neue Ansätze wie „Urban.Trails“, wie touristische Strategie im Alltag der Region erfahrbar werde. Das eröffne für Einheimische und Reisegäste gleichermaßen neue Perspektiven auf Stadt und Region. Der KI-gestützte Erlebnisplaner „NRWow“ von Tourismus NRW stelle für Gäste wie Einheimische individuelle Tagesreisen zusammen. Moderne Tourist-Infos seien überdies längst zu Treffpunkten für alle geworden. Mikroabenteuer unweit der eigenen Haustür gehörten zu den Trends im Tourismus und trügen als kleine Alltags-Auszeiten zur Erholung und zur Gesundheit bei.

In NRW freue man sich, dass der Tourismus in der Bevölkerung eine hohe Akzeptanz genieße, betont der Geschäftsführer von Ruhr Tourismus, Axel Biermann. „Entscheidend ist, touristische Wertschöpfung und regionale Entwicklung zusammenzudenken. Wenn Menschen ihre eigene Region gerne nutzen, erleben und weiterempfehlen, ist das ein starkes Fundament für die Zukunft des Tourismus.“ Dass viele Einheimische den Tourismus in NRW zu schätzen wüssten, ließe sich auch mit Zahlen belegen: 83 Prozent der Bevölkerung gaben im Jahr 2025 in einer Umfrage an, dass der Tourismus für NRW wichtig sei.

 

Über den Tourismustag NRW

Ausgerichtet hat den Tourismustag die regionale Tourismusorganisation gemeinsam mit Tourismus NRW am vergangenen Freitag in der Kokerei Hansa. Die Veranstaltung stand unter dem Motto „Werte, Wandel, Wirkung – NRW-Tourismus 2030“. An der Veranstaltung nahmen rund 250 Fachleute aus Tourismus und Politik teil. Das beim Tourismustag vorgestellte Eckpunktepapier soll die Grundlage für die weitere Ausarbeitung der neuen Tourismusstrategie bilden. Das Ergebnis wird auf der ITB 2027 präsentiert. An dem Projekt sind neben dem touristischen Landesverband Tourismus NRW insbesondere die regionalen Tourismusorganisationen, der Dehoga, der Einzelhandelsverband, die Industrie- und Handelskammern, „Regionen.NRW“ als regionale Entwicklungsgesellschaften und die Naturparke im Land beteiligt.