Nach Angaben von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche soll die Meyer Werft bis 2033 vier Kreuzfahrtschiffe bauen, optional zwei weitere bis 2035. „Dieser Auftrag sichert die Auslastung der Werft bis weit ins nächste Jahrzehnt, bis einschließlich 2036“, so die CDU-Politikerin. Bislang wurde erst eine Absichtserklärung unterzeichnet, der endgültige Vertrag soll in ein bis zwei Quartalen folgen.

Im vergangenen Jahr stand die Meyer Werft kurz vor der Pleite. Der Bund und das Land Niedersachsen gewährten 2,6 Milliarden Euro Kredit und brachten zusätzlich insgesamt 400 Millionen Euro auf, um jeweils 40 Prozent der Anteile an dem mehr als 200 Jahre alten Betrieb zu übernehmen und dessen Überleben zu sichern. Mit dem Auftrag aus der Schweiz endet nun erst einmal die Phase der wirtschaftlichen Unsicherheit insbesondere für die Beschäftigten der Werft. Bundesministerin Reiche sprach von einem „Vertrag zur Wiedererlangung der Wettbewerbsfähigkeit“.

Dauerhaft in staatlicher Hand bleiben soll die Meyer Werft dennoch nicht. „Das Ziel ist, die Werft so zu stabilisieren, dass sie an den Markt entlassen werden kann“, so Reiche. Die Sanierungsarbeiten seien zwar schon weit fortgeschritten und das Unternehmen auf dem Weg zur wirtschaftlichen Stabilität. Die Restrukturierung sei jedoch noch nicht abgeschlossen, und der Sanierungszeitraum bis Ende 2028 bemessen.

Direkt und indirekt von der Werft abhängig sind mehr als 22.000 Menschen, mehr als 1.800 Zulieferbetriebe aus ganz Deutschland arbeiteten dem Unternehmen zu. Für Niedersachsen sei es nicht ungewöhnlich, dass sich die „öffentliche Hand“ an Betrieben beteilige. Das Land halte auch Anteile an Volkswagen und der Salzgitter AG.

 

Schiffe und Windstrom

Die Kernkompetenz der Meyer Werft liegt auf dem Bau von Kreuzfahrtschiffen, die in der Vergangenheit bei Reedereien weltweit Absatz fanden. Daneben gewinne die Werft an Bedeutung im Bereich Energiewende und Militär. So baute die Werft beispielsweise zwei Versorgungstanker für die deutsche Marine, sei insgesamt aber nur als Auftragnehmer der federführenden NVL-Group aus Bremen im Spiel. Die NVL-Group konstruiert und fertigt Marineschiffe und Küstenwachboote für den nationalen und internationalen Markt.

Ebenfalls nur als Subunternehmer sei die Meyer Werft für das spanische Unternehmen Dragados tätig. Dragados baut Konverterplattformen für die Windstromproduktion auf hoher See. Zusammen mit dem belgischen Stahlunternehmen Smulders war bereits vor einiger Zeit ein Unternehmen zum Konverterplattformbau gegründet worden. Die Konverter sollen ebenfalls in Rostock produziert werden.