Die Erprobung des Fahrzeugs fand im Rahmen der Tests statt, die MAN „traditionell“ mit allen neuen Fahrzeugen realisiert. Ziel sei, die Busse zuverlässiger, effizienter und wirtschaftlicher zu machen. „An unseren neuen vollelektrischen Reisebus, der vergangenen Herbst auf der Busworld Europe seine Weltpremiere feierte, werden große Erwartungen gestellt – und genau diese wollen wir auch dank solch intensiver Tests voll erfüllen“, so Barbaros Oktay, Head of Bus bei MAN Truck & Bus.

Bewähren musste sich der Lion’s Coach E in Nordschweden nahe dem Polarkreis – und auch im türkischen Erzurum. Beide Regionen seien für ihre harten Winter bekannt, so ein Unternehmenssprecher. Insgesamt hätten unter den anspruchsvollsten Gegebenheiten, darunter verschneite und vereiste Fahrbahnen sowie Temperaturen bis zu minus 30 Grad, vier Elektro-Reisebusse mehrere Tausend Kilometer zurückgelegt. Im Fokus der Erprobung stand dabei vor allem das Verhalten des Hochvolt-Batteriesystems bei extrem niedrigen Temperaturen. Daneben wurden das Energiemanagement einschließlich der Vorkonditionierung und Ladeperformance sowie der Antriebsstrang mit Elektromotor und das Thermomanagement des Innenraums unter die Lupe genommen.

Kälte gilt als besondere Herausforderung für vollelektrische Reisebusse, da neben einer stabilen Reichweite auch eine effiziente und zuverlässige Beheizung des Fahrgastraums gewährleistet sein muss. „Aber selbst bei diesen eisigen Temperaturen hat der Lion’s Coach E unsere Erwartungen voll erfüllt“, sagt Oktay. „Alle Komponenten und Systeme haben trotz Kälte zuverlässig funktioniert.“

Geprüft wurden dennoch nicht nur die einzelnen Komponenten des Lion’s Coach E, sondern auch das Funktionieren des Gesamtfahrzeugs unter den schwierigen Voraussetzungen. „Hunderte Sensoren zeichneten während der Fahrten kontinuierlich Daten zu Temperaturen, Druckwerten, Energieflüssen und Systemzuständen auf. Auf diese Weise konnten die Entwickler wertvolle Erkenntnisse gewinnen und Optimierungen direkt validieren.“ Der erfolgreiche Wintertest sei damit ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zur Serienreife des Lion’s Coach E und unterstreiche seine Eignung für den ganzjährigen Einsatz im internationalen Reiseverkehr, ganz gleich, ob es in den Süden oder in den hohen Norden gehe.

 

Erster vollelektrischer Reisebus von MAN

Insgesamt nahmen neun Fahrzeuge am Bus-Wintertest 2026 teil. Neben den vier Lion’s Coach E befanden sich auch konventionelle Reisebusse sowie Stadt- und Überlandmodelle mit Elektro- bzw. Hybridantrieb im Test. Die Wintererprobung in Nordschweden steht bei MAN seit mehr als 30 Jahren auf dem Programm. „Die Kombination aus zweistelligen Minusgraden, Schnee und Eis bietet optimale Voraussetzungen, um Fahrzeuge im Gesamtsystem auf Herz und Nieren zu testen“, begründet Roland Scharl, Head of Engineering Bus bei MAN Truck & Bus. Mit dem erfolgreichen Debüt des Lion’s Coach E zeige sich, dass Elektromobilität im Reiseverkehr auch unter extremen Bedingungen zuverlässig und wirtschaftlich realisierbar sei.

Im ersten batterieelektrischen Reisebus von MAN kommen neben der Antriebstechnologie aus dem eTruck NMC-Batterie-Packs zum Einsatz. Gefertigt werden diese in Großserie im Werk in Nürnberg. Der Lion’s Coach E verfüge über eine nutzbare Energiekapazität von 320 bis 480 kWh und erreiche damit unter optimalen Bedingungen Reichweiten von bis zu 650 Kilometern. Neben der Technik überzeuge auch das Designkonzept, das den Luftwiderstandsbeiwert (Cw-Wert) deutlich verringere. Platz bietet der eCoach Platz für bis zu 63 Fahrgäste. Einschränkungen beim Gepäckvolumen gebe im Vergleich zur Dieselvariante keine. Weitere Test- und Erprobungszyklen sowie die Vorbereitungen für die Produktion in Ankara laufen nach Unternehmensangaben auf Hochtouren. Erste Fahrzeuge sollen noch in diesem Jahr an ausgewählte Kunden ausgeliefert werden.