Gewerkschaft und Betriebsrat haben ein eigenes Zukunftskonzept für das Werk vorgelegt – trotz des Vorwurfs, dass Vorschläge der Beschäftigten bislang nicht ernsthaft aufgegriffen worden seien. Größter Zankapfel sind die Personalplanungen, die MAN anscheinend auf der Agenda hat. Eines der möglichen Szenarien sehe vor, die Zahl der Beschäftigten von derzeit rund 2.161 bis 2032 auf weniger als 852 zu senken.

Das Zukunftskonzept, mit dem IG-Metall und Betriebsrat kontern wollen, gliedere sich in drei Stufen, teilte die Gewerkschaft mit. Zunächst sollten konkrete Maßnahmen zur Weiterentwicklung und Zukunftsfähigkeit der Achse ergriffen, dann bereits kalkulierte Projekte im Umfeld der Kreislaufwirtschaft realisiert und schließlich weiterführende strategische Ansätze im Bereich von Elektro-Komponenten verfolgt werden. Einig sind sich die Parteien darüber, dass im Laufe der kommenden zehn Jahre insgesamt 2.300 Jobs in ganz Deutschland wegfallen sollen, 600 davon in Salzgitter. Die Einigung war bereits im November vergangenen Jahres verkündet worden.

Investition in Milliardenhöhe

Vor wenigen Tagen hatte MAN verlautbart, bis Ende 2030 fast eine Milliarde Euro in deutsche Standorte investieren zu wollen und eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2035 zu garantieren, die abhängig von der Entwicklung des Unternehmens bis 2040 verlängert werden könne. Dies gilt jedoch nicht für Salzgitter, obwohl hier dieselben Zusagen wie für alle anderen Mitarbeiter in Deutschland auf dem Tisch gelegen hätten. Immer wieder sei die Arbeitnehmerseite mit neuen Forderungen gekommen und habe dabei rote Linien überschritten, so die Gewerkschaft nach einem Spitzengespräch am Freitag. Die Deutsche Presseagentur dpa berichtet, dass aus Verhandlungskreisen ein „endgültiger Abbruch“ der Verhandlungen bekannt geworden sei, weil die zuletzt veröffentlichten Forderungen nicht erfüllt wurden. Salzgitter drohe nun der Umbau zu einem reinen Logistik-Standort, verbunden mit einem finalen Abzug der Produktion im Laufe der kommenden Jahre. Erst im Mai vergangenen Jahres hatte MAN berichtet, dass nach nur einjähriger Bauzeit planmäßig das globale Logistik-Zentrum in Salzgitter durch einen neuen Bauabschnitt um 30 Prozent erweitert wurde. Von Salzgitter aus will MAN weltweit Ersatzteile für Lkw, Busse, Vans und Motoren an Kunden und Werkstätten liefern.