Die zunehmende Nutzung von Künstlicher Intelligenz bei der Reiseplanung verändert nach Angaben des Deutschen Reiseverbandes die Mechanismen digitaler Sichtbarkeit in der Touristik grundlegend. Darauf weist der DRV in seinem aktuellen Whitepaper „Agentic AI und Sichtbarkeit in der Reisebranche“ hin. Immer mehr Reisende nutzten KI-gestützte Systeme, um sich in Sachen Urlaub und Reisen inspirieren zu lassen, Angebote zu vergleichen und Entscheidungen zu treffen. Vor diesem Hintergrund soll das Whitepaper als Leitfaden dienen, um aufzuzeigen, welche Folgen die Entwicklung für Reiseunternehmen hat und wie Veranstalter ihre Angebote so aufstellen können, dass sie auch in KI-basierten Entscheidungssystemen sichtbar bleiben. Erarbeitet wurde das Whitepaper vom DRV-IT-Ausschuss.
„Die Frage ist künftig nicht mehr nur: Wie gut ist mein Ranking bei Google? Sondern: Wird mein Angebot von KI überhaupt verstanden und empfohlen?“, erläutert Nicole Ludwig, Vorsitzende des IT-Ausschusses im DRV. „Für die Reisewirtschaft entsteht damit eine völlig neue Form digitaler Sichtbarkeit. Unternehmen müssen lernen, ihre Angebote so bereitzustellen, dass sie für KI-Systeme auffindbar, interpretierbar und nutzbar sind.“ Während viele Unternehmen Künstliche Intelligenz bereits in diversen internen Prozessen einsetzen – etwa zur Analyse von Nachfrageverhalten, zur Automatisierung von Serviceanfragen oder zur Optimierung von Preisen und Kontingenten – finde parallel eine zweite Entwicklung statt, so Ludwig. Hier seien es die Verbraucher, die zunehmend auf KI setzten, um ihren Reise-, Informations- und Organisationsbedürfnissen zu begegnen. Dafür gebe es bereits KI-gestützte Sprachmodelle und KI-Assistenten, die Informationen aus unterschiedlichen Quellen bündelten, bewerteten und sie dem Nutzer in für ihn passender Form präsentierten. Damit übernähme die KI Aufgaben, die bislang von Suchmaschinen, Vergleichsportalen oder persönlicher Beratung erfüllt worden seien.
Für Reiseveranstalter, Destinationen, Reisebüros und touristische Leistungsträger bedeute das eine grundlegende Verschiebung der digitalen Logik, betont der DRV. Denn Sichtbarkeit entstehe künftig nicht mehr allein durch Marketingbudgets oder klassische Suchmaschinenrankings. Entscheidend werde vielmehr, ob Angebote der Unternehmen von KI-Systemen verstanden, eingeordnet und in Empfehlungen integriert werden könnten. Genau dieser Entwicklung widme sich das DRV-Whitepaper, indem es erläutert, wie die KI-Sprachmodelle die Customer Journey verändern und welche technischen und strategischen Voraussetzungen Unternehmen schaffen müssten, um am Markt präsent zu bleiben. Das Whitepaper stelle dabei eine stufenweise Systematik vor und zeige auf, was für die Anpassung erforderlich sei – von der grundlegenden Präsenz in den Wissensräumen von KI-Systemen über strukturierte Auffindbarkeit in Echtzeit-Datenquellen bis hin zur technischen Anschlussfähigkeit für KI-Agenten und automatisierte Transaktionen.
Damit will der DRV den Unternehmen der Reisewirtschaft eine praxisnahe Orientierung hinsichtlich ihrer KI-Zukunft geben. Abhängig von Größe, Ressourcen und strategischer Zielsetzung zeige er konkrete Maßnahmen auf, mit denen Organisationen ihre Sichtbarkeit in einer zunehmend KI-vermittelten Reiseökonomie sichern und weiterentwickeln könnten.