Geschäftsführer Robert Henrich sprach von einem „Meilenstein“ für das Unternehmen, einem wichtigen Beitrag zur Energiewende sowie einem „Zugewinn an Flexibilität“ für Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs. Mehr als 100.000 Interessenten hätten sich über die App für das Buchen der Kleinbusse in Hamburg und in Hannover registriert, teilte Henrich mit. Das sagt aber noch nichts darüber aus, wie oft das Sammeltaxi tatsächlich genutzt wird. In der Hansestadt sind zunächst 100 elektrisch angetriebene Kleinbusse unterwegs, in Hannover fahren schon seit längerem benzingetriebene Transporter.

Die App teilt einem Fahrgast neben dem Fahrpreis den nächstgelegenen Haltepunkt für das sechssitzige Sammeltaxi mit. Während der Fahrt können andere Passagiere aus- und zusteigen, die eine ähnliche Strecke zurücklegen wollen. „Dadurch erhöhen wir die Effizienz des Straßenverkehrs“, sagte Henrich.

Der Fahrpreis soll im Durchschnitt bei sechs bis sieben Euro je Fahrt liegen – auch etwa zum Flughafen, wie das Unternehmen berichtete. Moia will an Werktagen von 5 Uhr morgens bis 1 Uhr nachts fahren, an Wochenenden und Feiertagen länger. Bis zum Ende des Jahres sollen rund 500 Moia-Fahrzeuge auf Hamburger Straßen unterwegs sein. Entsprechend soll die Zahl der Fahrer von 400 auf 1.000 aufgestockt werden. Von den Angestellten wurden laut Moia rund 120 vom Arbeitsamt vermittelt. Dabei ist auch May Kähler, die jüngst noch Händlerin im dicht gemachten „Antik-Center“ am Hauptbahnhof war. Neben der Freude am Fahren gab es für die 53-Jährige einen weiteren Beweggrund umzusatteln: „Die Idee ist spannend, das ist die Zukunft - voll innovativ.“

Angesichts des dichter werdenden Stadtverkehrs sieht sich Moia nicht in einem Verdrängungswettbewerb. „Es werden neue Antworten gebraucht werden, um dem wachsenden Verkehr gerecht zu werden – in ganz Europa“, sagte Henrichs. Das von der VW-Tochter gestartete Projekt ist aufgrund der Regelungen im Personenbeförderungsgesetz vorerst auf vier Jahre begrenzt. „Innovative Konzepte wie Ridesharing sind dort nicht geregelt. Dadurch haben wir Rechtsunsicherheit“, kritisierte Henrich und sprach sich für eine Novellierung des Gesetzes aus.

Die Taxi-Betreiber sehen den schärfer werdenden Wettbewerb vorerst gelassen. Thomas Lohse, Vorstandsmitglied bei Hansa Funktaxi, verwies darauf, dass sein Unternehmen als bundesweit erste Taxizentrale geteilte Fahrten schon seit 3. Dezember 2017 angeboten habe. „Das ist ein alter Hut.“ Einen Vorteil sieht Lohse in der Telefon-Bestellung: „Es gehen immer noch knapp 90 Prozent der Taxibestellungen telefonisch ein.“ Mit 70 Mitarbeitern im Call-Center sei das Unternehmen „bestens aufgestellt“. Neue Fahrdienste könnten dagegen nur per App erreicht werden.

Für mehr Mobilität stehen in Hamburg des weiteren zur Verfügung: Car2Go/DriveNow (Carsharing von BMW und Daimler), Ioki (On-Demand-Angebot Deutsche Bahn), Clever Shuttle (Ridepooling) und BlaBlaCar (Mitfahrzentrale). In der Switchh-App bündelt Hamburg Mobilitätsangebote: von U- und S-Bahnen über Leih-Fahrräder, Mietwagen, Car-Sharing bis hin zu Sammeltaxis. Der Benutzer soll so mit einer Anwendung in seinem Smartphone den schnellsten und günstigsten Weg finden, seine Mobilität in der Stadt sicherzustellen, ohne ein eigenes Auto zu benutzen.