Sie selbst betrachtet letzteres eher als Zufall und sieht den RDA auch auf dem richtigen Weg, Frauen für verbandliche Ehrenämter zu begeistern: „Ich wünsche mir, dass sich noch mehr Frauen in Verbänden engagieren“, sagt Anna Marx. „Auf dem politischen Parkett in Berlin werden neuerdings Gesprächsformate angeboten, bei denen es Frauen vorziehen, unter sich zu bleiben. In diesen Runden möchte ich künftig die Interessen des RDA als Vizepräsidentin vertreten. Ansonsten gibt es innerhalb des RDA-Vorstands keine feste Ressortzuteilung. Was kommt, wird gemacht – von allen und gemeinsam. Diese Art der Zusammenarbeit genieße ich sehr.“
Mit Tempo in die Geschäftsführung
Anna Marx hat selbst eine Tochter, 18 ist diese mittlerweile. Ob sie ebenfalls in die Fußstapfen ihrer Vorgängerinnen treten wird, wird sich zeigen. Anna Marx ist seit 2002 in der Firma. „Eingestiegen bin ich mit 24“, erinnert sie sich. „Nach dem Abitur habe ich eine Ausbildung zur Internationalen Touristik-Assistentin gemacht und meinen Bachelor in Internationalem Management, in San Diego, Kalifornien.“ Im Eiltempo, denn Anna Marx ließ sich einfach nicht auf die Semesterferien ein und schaffte ihre Abschlüsse innerhalb von gerade mal drei Jahren. Marx-Reisen führt sie heute gemeinsam mit ihrer Mutter Rosmarie, die das Unternehmen seit 51 Jahren unter ihren Fittichen hat. 2027 steht das 100. Firmenjubiläum ins Haus. Ein bisschen macht das Anna Marx bereits Lust aufs Planen. „Wir haben vor, einige Jubiläumsreisen aufzulegen und natürlich auch eine große Feier“, verrät sie. „Vielleicht gibt es auch einen Reise-Ball.“ So einen gab es zum 80. Geburtstag schon einmal, mit Musik und Tanz, gutem Essen und länderspezifischen Show-Einlagen aus allen Teilen der Welt. Dabei hat Marx-Reisen ganz ursprünglich einmal mit zwei Lkw angefangen. „Unter der Woche transportierten meine Urgroßeltern, die 1927 noch selber fuhren, diverse Güter mit ihren beiden Lastern. Am Wochenende kamen Bierbänke auf die Ladenflächen, und es ging zu Rundfahrten auf Tour.“ Sogar als Leichenwagen fungierten die Urahnen des heutigen Fuhrparks. Die letzten beiden Lkw wurden vor knapp 30 Jahren aus dem Dienst genommen. „Damals haben wir komplett auf das Busgeschäft umgestellt“, erzählt Anna Marx. Heute verfügt das Unternehmen über insgesamt 36 Fahrzeuge, 30 Reise- und sechs Linienbusse, u.a. für den Schülerverkehr. Die meisten Fahrzeuge in der Flotte sind Setras. Die „Minis“ fährt Anna Marx auch selbst, wenn Not am Mann ist. „Einen Führerschein für die ‚ganz großen Autos‘ habe ich nicht, aber für die Sprinterklasse besitze ich einen Personenbeförderungsschein.“ Ihr Bruder ist als Voll(blut)Busfahrer im Geschäft. Die vier Reisebüros, die zum Unternehmen gehören, eingeschlossen, beschäftigt Marx-Reisen fast 100 Mitarbeiter. Viele Rad-Reisen hat das Unternehmen im Portfolio, Städte- und Rundreisen, Bade-Pendel, Schiffstransfer, Kreuzfahrten – was ein Urlaub eben so hergeben kann.
Fahrermangel reduzieren, regionalen Mittelstand vernetzen
Anna Marx hat klare Vorstellungen, wie der Fahrermangel in Deutschland reduziert werden kann: „Mich treibt seit vielen Jahren der Fahrermangel in Deutschland um, hier brauchen wir endlich wirksame Lösungen. Die Fahrschulausbildung und die Berufskraftfahrerqualifikation sind zu aufwändig und kostenintensiv. In Österreich sind die Ausbildungsstandards mit unseren vergleichbar, die Kosten für die Ausbildung jedoch deutlich niedriger. Ich würde mir wünschen, dass wir das österreichische Erfolgsmodell endlich in Deutschland umsetzen können.“ In der Mittelstandsunion, einer Arbeitsgemeinschaft der CSU, hat Anna Marx den Kreisvorsitz inne, im Landesverband ist sie Beisitzerin im Vorstand. „Wir organisieren vor allem Veranstaltungen für den regionalen Mittelstand, der sich stärker vernetzen soll.“ Im vergangenen Jahr wurde beispielsweise eine Veranstaltung zum Thema „Schenken & Vererben“ organisiert, es gibt Betriebsbesuche und Netzwerktreffen. „Viele Unternehmerkollegen kennt man nicht, anlässlich solcher Treffen und Angebote kann man sich aber kennenlernen“, sagt Anna Marx. „Ich bekomme auf diese Weise viel Input für die politische Arbeit. Als Busunternehmerin habe ich zwar grundsätzlich einen guten Blick auf die Dinge, jedes Unternehmen steht aber auch vor ganz eigenen Herausforderungen.“ Das mache es erforderlich, auch in der vertrauten Branche die eigene Brille abzunehmen und aus anderen Perspektiven zu sehen. „Im vergangenen Jahr habe ich mich am Format ‚Wir hören zu‘ in Berlin beteiligt. Dort gibt es ein ‚offenes Mikrophon‘, wo man sehr gut Klartext reden und die Belange vieler Unternehmer zur Sprache bringen kann.“
Restriktionen stoppen, Klischees überwinden
Derzeit treiben Anna Marx die zunehmenden Restriktionen in Sachen Halte- und Einfahrtsverbote für Busse bei immer mehr Destinationen und in immer mehr Städten in ganz Europa um. „Es ist sehr ärgerlich, zu sehen, dass der Reisebus selbst bei Experten noch immer in dem Ruf steht, groß und laut zu sein und zu stinken“, sagt Anna Marx. „Die Entscheider in den Kommunen ziehen solche Experten zu Rate und nicken dann ab, was sie empfehlen.“ Worauf so ein Experte seine Meinung stütze, woher er seine Ideen habe, fragen die Entscheider selten, weiß Anna Marx. In fast allen Ländern Europas wird es speziell für Reisebusse schwieriger, als Verkehrsträger der Zukunft nicht nur anerkannt, sondern überhaupt erst einmal erkannt zu werden. „In so mancher Pipeline marodieren wirklich schlimme Überlegungen“, sagt Anna Marx. „Es muss in die Köpfe der Experten und Entscheider, dass der Reisebus nicht das Problem, sondern die Lösung ist.“ Die Stoßrichtung ihres künftigen Engagements ist damit klar. Und die Busbranche dürfte von der feinsinnigen Hartnäckigkeit von Anna Marx auf vielerlei Weise profitieren.