Axel Blankennagel ist Ende Juni 60 geworden. Er führt das 1929 gegründete Unternehmen Rheingold Reisen in Wuppertal bereits in dritter Generation. Die vierte Generation, seine Söhne Tim und Jörn, sind bereits als Prokuristen im Familienbetrieb tätig. Es war nicht in Stein gemeißelt, dass Axel Blankennagel in die Fußstapfen seines Vaters tritt. Doch das Schicksal hatte es genau so vorgesehen. Der junge Axel Blankennagel machte seine Ausbildung bei der Firma Hapag-Lloyd GmbH und war deutschlandweit an verschiedenen Standorten im Einsatz. Er wollte im Flugbereich arbeiten und ins Ausland gehen. Doch es kam anders. 1983 erkrankte sein Vater Dieter Blankennagel schwer und starb. Der plötzliche Tod seines Vaters stellte ihn vor die Frage: Was nun? Diese lebensentscheidende Frage stellte ihm seine Mutter. „An jenem Tag habe ich nicht lange nachgedacht und ja gesagt“, erinnert sich Axel Blankennagel. Er nahm die Herausforderung an und übernahm mit 25 Jahren das Ruder – „vom Konzern zum Familienbetrieb“, beschreibt Blankennagel. Einfach war sein Start nicht. „Die ersten fünf Jahre waren grausam, aber lehrreich“, sagt er rückblickend. Als junger Mann musste er sich erst einmal den Respekt der wesentlich älteren Mitarbeiter hart erkämpfen.

Heute, 35 Jahre später, leitet er ein solides, erfolgreiches Unternehmen mit rund 130 Mitarbeitern, das nahe am Puls der Zeit und gut aufgestellt ist. Der Schwerpunkt liegt inzwischen auf ÖPNV und Schülerverkehr. Axel Blankennagel hält Kooperationen zwischen privaten Busunternehmen für ein sinnvolles Instrument, um zu wachsen und am Markt erfolgreich zu agieren. Meilensteine seiner beruflichen Laufbahn waren unter anderem die Mitbegründung der deu B.u.S. AG (deutsch-europäische Bus- und Schienenverkehrsbetriebe für Personenbeförderung) und die Beteiligung an der BBT European Travel Factory. Die Beteiligung an der deu B.u.S. AG wurde aus strategischen Gründen im Jahr 2012 veräußert. Zudem hat er 2003 gemeinsam mit Harro Meinhardt, Meinhardt-Reisen, das Tochterunternehmen Laune Bus Bergisch Land GmbH gegründet, an dem beide Unternehmen zu gleichen Teilen beteiligt sind. Die Vorteile einer Kooperation zeigten sich auch bei einer europaweiten Ausschreibung des Schülerverkehrs in Radevormwald im Bergischen Land. Die beiden privaten Unternehmen waren bei der Neuausschreibung des Schulbusverkehrs gemeinsam als Bieterkonsortium aufgetreten und konnten sich durchsetzen.

Axel Blankennagel ist überzeugt, dass private Busunternehmen auch in Zukunft im ÖPNV eine große Rolle spielen werden. „Sie müssen innovativ sein und bereit sein, etwas Neues auszuprobieren, auch auf die Gefahr hin, auf die Nase zu fallen.“ Man müsse sich seiner Ansicht nach viel stärker im Omnibusgewerbe engagieren und vernetzen. Er selbst ist schon immer in Erfa-Gruppen vernetzt, er hört sich regelmäßig Fachvorträge an, hat sich über viele Jahre hinweg ein breitgestreutes Netzwerk in der Branche aufgebaut, engagierte sich im Verband und bei der IHK. Seit über einem Jahr ist Blankennagel Vize-Präsident des Bergischen IHK. „Man muss immer über den Tellerrand des Unternehmens gucken und stets gut informiert bleiben.“ Noch vor Kurzem hat das Unternehmen seine komplette Busflotte auf Euro 6 umgestellt. Dafür hat Blankennagel 2,2 Millionen Euro in die Hand genommen. „Wir haben diesen finanziellen Kraftakt allein stemmen müssen – öffentliche Zuschüsse für solche Umstellungen gibt es für Privatunternehmen nicht“, erklärt Axel Blankennagel.

Weitsichtig war der dreifache Familienvater auch in Bezug auf die Unternehmensnachfolge. Er selber ist ein gebranntes Kind, was das angeht. Denn er wurde ins kalte Wasser geworfen, als sein Vater plötzlich verstarb. Das wollte er seinen Kindern nicht zumuten. Also beschloss er Nägel mit Köpfen zu machen, nachdem seine beiden Söhne sich klar zum Familienunternehmen bekannt hatten. Seine Tochter arbeitet nicht im Familienbetrieb, sie ist im sozialen Bereich leitend tätig.

Mit seinen Söhnen Tim, 34, und Jörn, 31, hat er eine klare Vereinbarung getroffen. Alles rund um das Unternehmen Rheingold Reisen und die Unternehmensführung wurde in einem Letter of Intent (Absichtserklärung) festgehalten und allen Beteiligten ausgehändigt. Der Weg dorthin war beschwerlich. Vater und Söhne setzten sich zunächst zu Dritt an den Verhandlungstisch. Es wurde viel und hart diskutiert. Dann zog man einen Mediator (Vermittler) hinzu. „Wir wollten ein Konzept haben, an dem wir uns entlang arbeiten konnten – eine Basis als Leitlinie“, erklärt Axel Blankennagel. Die Mediationsgespräche fruchteten. Daraufhin wurde ein Letter of Intent aufgesetzt. Demnach wurde beiden Söhnen Prokura erteilt und beide bekamen ein kleineres Tochterunternehmen zu je 50 Prozent ab Januar 2018 übertragen. In der großen Gesellschaft bleibt Axel Blankennagel der Chef, mit den zwei Prokuristen. Er tritt aber ab 2020 in einen Teilzeitjob ein und arbeitet von da an nur noch vier Tage die Woche. Mit dem 65. Lebensjahr scheidet Axel Blankennagel dann aus dem aktiven Geschäftsleben aus und bleibt der Firma solange er möchte beratend erhalten. Es ist alles ganz klar geregelt.

Auch die Unternehmensbereiche wurden entsprechend aufgeteilt: Jörn Blankennagel kümmert sich um den ÖPNV-Bereich, was die Abwicklung betrifft. Tim Blankennagel hat den Hut in Personalfragen sowie in der Gruppentouristik auf. Das Ausschreibungsgeschäft sowie die Abrechnung liegen bei Axel Blankennagel. „Mein Vertrauen in meine Söhne ist sehr groß“, sagt der stolze Vater. Das dynamische Trio hat noch viel vor. Die nächsten Großprojekte sind bereits in der Pipeline. Askin Bulut