Wegen der geopolitischen Eskalationen im Nahen Osten und der steigenden Preise für Gas-, Strom- und Lebensmittel sieht die DZG die Nachfrage nach Leistungen der Gastwelt – Tourismus, Hospitality, Foodservice & Freizeit – zunehmend unter Druck. Die „doppelte Belastung“, der sich die Menschen in Deutschland ausgesetzt sehen, könne sich zu einer strukturellen Herausforderung für den Standort entwickeln. „Die Energiekrise trifft die Gastwelt nicht einmal, sondern dreifach“, meint DZG-Vorstandschef Marcel Klinge und weist darauf hin, dass das Gastgewerbe neben allgemein steigenden Kosten, auch von der Verteuerung der Lieferketten und der sinkenden Kaufkraft der Gäste betroffen sei. Wenn Preise für Energie und Lebensmittel weiter stiegen, werde erwartbar zuerst bei Restaurantbesuchen, bei Freizeit und Reisen ins In- und Ausland gespart.
Die Energiepreise wirkten dabei als Multiplikator entlang der gesamten Wertschöpfungskette, von der Lebensmittelproduktion über Logistik bis hin zu Betriebskosten in Hotels, Bars, Gastronomie und Freizeitbetrieben. Vor allem die energieintensiven Bereiche wie Küchenbetrieb, Kühlung, Wäscherei, Wellness- und Spa-Angebote seien unmittelbar betroffen. Inflation und allgemeine Unsicherheit begründeten die spürbare Konsumzurückhaltung zusätzlich. Für die Gastwelt entstehe damit eine doppelte Belastung aus Kosten- und Nachfrageeffekten. Hinzu komme eine strukturelle Besonderheit des Wirtschaftssektors: Gastwelt-Leistungen gehörten zu den ersten Ausgaben, auf die Verbraucher in unsicheren Zeiten verzichteten. Gleichzeitig seien viele Betriebe stark personal- und standortgebunden und könnten Kostensteigerungen nur begrenzt kompensieren. Das erhöhe die Anfälligkeit gegenüber externen Schocks erheblich.
„Bundespolitik muss jetzt aktiv gegensteuern“
Die DZG fordert ein schnelles Maßnahmenpaket, das sowohl die Angebots- als auch die Nachfrageseite stabilisiert. Neben einer dauerhaften Senkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestniveau für alle Unternehmen und einem Belastungsmoratorium für zusätzliche Abgaben und Regulierung spricht sich die Denkfabrik ausdrücklich für Maßnahmen zur Stärkung des Binnenkonsums aus. „Wer die Wirtschaft stabilisieren will, muss auch die Nachfrage stabilisieren“, so Klinge. „Eine neue Inflationsausgleichsprämie etwa könnte helfen, Kaufkraft zu sichern und gezielt dort zu wirken, wo Konsum entsteht, zum Beispiel in Gastronomie, Hotellerie, Tourismus und Freizeit.“
Gleichzeitig betont die DZG, dass die aktuelle Entwicklung nicht als kurzfristiger Preisschock unterschätzt werden dürfe. Erfahrungen aus früheren Krisen zeigten, dass sich Energiepreise häufig auf einem dauerhaft höheren Niveau einpendelten. Umso wichtiger sei es, Unternehmen vor extremer Volatilität zu schützen und Investitionen in Effizienz und Unabhängigkeit zu ermöglichen. „Energiepolitik ist längst Standortpolitik, das sehen wir gerade sehr deutlich. Je länger der Krieg im Nahen Osten dauert, desto spürbarer werden die Auswirkungen bis auf den Teller im Lokal. Wenn wir die Gastwelt als Wertschöpfungsfaktor erhalten wollen, müssen wir sowohl die Kostenbasis der Unternehmen stabilisieren als auch die Nachfrage stärken. Beides gehört zusammen.“
Vor diesem Hintergrund warnt die DZG vor einem weiteren Rückgang von Angebot, Beschäftigung und regionaler Wertschöpfung. Mit rund sechs Millionen Beschäftigten sei das Gastgewerbe nicht nur ein zentraler Arbeitgeber, sondern auch ein entscheidender Faktor für wirtschaftliche Dynamik und gesellschaftliches Leben in Deutschland.
Über die DZG
Die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) will seit ihrer Gründung im Jahr 2021 auf Bundesebene Politik, Wissenschaft, Verbände und Vertreter aller Wertschöpfungssektoren der Gastwelt (Tourismus, Hospitality, Foodservice & Freizeit) miteinander vernetzen. Der interdisziplinäre und überparteiliche Thinktank fokussiere sich inhaltlich auf strategische Zukunftsthemen, darunter Arbeitskräftesicherung, Wettbewerbsfähigkeit, Nachhaltigkeit, Digitalisierung und KI. Dabei entwickele er praxisnahe Maßnahmen zur effektiveren Krisenbewältigung. Die über 200 Mitgliedsunternehmen und Partner der DZG beschäftigen bundesweit zusammen mehr als 740.000 Mitarbeiter. In der DZG engagieren sich auch über 20 führende Verbände und Organisationen aus allen fünf Gastwelt-Sektoren, darunter die Hoteldirektorenvereinigung Deutschland HDV, der Verband Deutscher Freizeitparks VDFU, der Verband Internet Reisevertrieb VIR, der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen, die Deutsche Barkeeper-Union DBU, die Jeunes Restaurateurs Deutschland JRE und der Industrieverband Haus-, Heiz und Küchentechnik HKI.