„Was vor vier Jahren als historische Ausnahmesituation galt, wiederholt sich nun in noch schärferer Form“, sagt WBO-Geschäftsführerin Yvonne Hüneburg. „Der Nahost-Konflikt dauert an – mit gravierenden Folgen für die Busunternehmen. Diese können die explosionsartig gestiegenen Kosten in dieser Größenordnung nicht aus eigener Kraft abfangen. Wir stehen vor einer ernsthaften Gefährdung der öffentlichen Mobilität im Land.“

Die Unternehmen sähen sich nicht mehr in der Lage, den Betrieb ohne kurzfristige Unterstützung aufrechtzuerhalten, mahnt Hüneburg. Vor diesem Hintergrund hätten sich unter anderem auch die privaten Busunternehmen im VVS, dem Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart GmbH, jüngst mit einer eindringlichen Stellungnahme an die örtlichen Aufgabenträger gewandt. In ihrem Schreiben bezeichneten sie die Lage als akut existenzbedrohend.

Diesem Schicksal sehen sich derzeit sehr viele eigenwirtschaftlich tätige Busunternehmen in Baden-Württemberg gegenüber. Sie finanzieren ihre Leistung allein aus ihren Ticketeinnahmen und erbringen den kostengünstigsten Verkehr im Land, ohne die Möglichkeit einer kurzfristigen Preisanpassung oder einer indexierten Kostenfortschreibung zu haben, betont die WBO-Vorsitzende. Die Unternehmen tragen damit das volle wirtschaftliche Risiko ihrer Leistungen. Sprunghafte Preissteigerungen bei einem zentralen Betriebsmittel wie Diesel zögen gravierende Liquiditätsengpässe und mangelnde finanzielle Auskömmlichkeit dieser Verkehre nach sich. Das wiederum gefährde vor allem im ländlichen Raum das bestehende Verkehrsangebot.

Der WBO fordert deshalb die öffentliche Hand zu sofortigem Handeln auf. „Aufgabenträger müssen diese Verkehre in der nun bestehenden Krise finanziell stützen, es braucht eine kurzfristige, unbürokratische Energiepreishilfe – analog zur Abfederung von 2022, aber angepasst an die aktuelle Dynamik“, appelliert Hüneburg. Jede Verzögerung verschärfe die Lage und könne zu irreversiblen Ausfällen führen. Dabei könnten auch Vergabeverkehre unter Druck geraten. „Immer dann, wenn vor Ort von der gängigen Praxis des Baden-Württemberg-Index ÖPNV Straße abgewichen wurde oder keine ergänzenden Abschlagszahlungen vereinbart sind, können die Busunternehmen finanziell kurzfristig in Nöte geraten“, drängt die WBO-Chefin. „Hier besteht Prüfungs- und gegebenenfalls Anpassungsbedarf.“ Ohne zeitnahes Eingreifen drohe nicht nur wirtschaftlicher Schaden, sondern auch ein massiver Einbruch der öffentlichen Mobilitätsangebote in ganz Baden-Württemberg.