Mit der Abgabe will die Regierung die Kreuzfahrtbranche stärker an den Belastungen beteiligen, die durch den Schiffstourismus entstehen. Als Gründe nennt sie unter anderem Umweltverschmutzung, Lärm und Verkehrsbelastungen durch die hohe Zahl an Besuchern. Die Pläne wurden mit dem Haushaltsentwurf am 09. Oktober 2026 bekannt.
Kritik aus der Tourismusbranche
Mehrere dänische Wirtschaftsverbände lehnen das Vorhaben ab. Sie befürchten, dass Reedereien künftig weniger Häfen in Dänemark anlaufen und stattdessen Ziele in anderen Ländern in ihre Routen aufnehmen könnten. Neben Kopenhagen wären davon möglicherweise auch kleinere Kreuzfahrtstandorte betroffen.
Der Wirtschaftsverband Dansk Erhverv stellt insbesondere die Kalkulation der erwarteten Steuereinnahmen infrage. Nach seiner Einschätzung fehlt bislang eine ausreichende Untersuchung, wie Reedereien und Passagiere auf die zusätzlichen Kosten reagieren könnten. Gemeinsam mit dem Verband Danish Association of Conference and Incoming Agencies (DACI) fordert er deshalb eine umfassende Analyse der wirtschaftlichen Folgen.
Neben Häfen und Reedereien profitieren auch zahlreiche touristische Dienstleister vom Kreuzfahrtgeschäft, so der dänische Wirtschaftsverband Dansk Erhverv. Dazu zählen unter anderem Busunternehmen, Gästeführer, Restaurants, Museen und Ausflugsziele. Sollten Reedereien künftig weniger dänische Häfen anlaufen, befürchtet der Verband deshalb auch Auswirkungen auf die Nachfrage nach touristischen Dienstleistungen.
Mehr als 560 Kreuzfahrtanläufe
Welche wirtschaftliche Bedeutung die Kreuzfahrtbranche für Dänemark hat, zeigen die Zahlen für 2025. Nach einer Erhebung von Cruise Denmark und beteiligten Häfen wurden landesweit 567 Kreuzfahrtanläufe mit rund 1,2 Millionen Passagieren registriert. Davon entfielen 316 Anläufe auf Kopenhagen, während sich die übrigen 251 auf andere dänische Häfen verteilten.
Wie sich die geplante Abgabe auf diese Zahlen auswirken würde, ist bislang offen. Die Wirtschaftsverbände fordern, mögliche Veränderungen bei den Schiffsanläufen und deren Auswirkungen auf die örtliche Tourismuswirtschaft vor einer Entscheidung zu untersuchen. Über die Einführung der Abgabe muss im weiteren politischen Verfahren entschieden werden.