Vom RDA-Workshop Ende Juli zurückgekehrt, checkte ich meine Mails und wurde ermahnt: „Ihre Anmeldung zur neuen Bus- und Gruppentouristikmesse fehlt noch“, hieß es in der Betreffzeile. Christian Wendt, Sales Manager im Freizeitpark Slagharen, hatte die Mail abgeschickt.
Angehängt waren auch die Anmeldeunterlagen für seinen geplanten neuen Busworkshop im Freizeitpark Slagharen in Holland vom 17. bis 19.4.2015. An Selbstbewusstsein fehlt es dem Mann offenbar nicht und so bezeichnet er auch seine Messe, die noch gar nicht stattgefunden hat, als die neue Leitmesse der Bus- und Gruppentouristik. Christian Wendt wirbt mit starken Argumenten für Slagharen: keine Standgebühren, die Messe begnügt sich mit Übernachtungsgebühren in den parkeigenen Hotels. Christian Wendt ist kein unbeschriebenes Blatt in der Branche. Zu seinen bisherigen Stationen gehörten Henneke-Reisen, Felix-Reisen, WTI-Reisen, Sporthotel Millstätter See, Herodot Tours, die Facebook-Plattform „ultimative Touristiker“, Slagharen. Im Kontext mit dem Verkauf eines Hotels in Österreich, geriet der „schillernde Deutsche“, wie ihn die Presse dort nannte, in die Schlagzeilen. Den Besitzern soll er einen millionenschweren Investor angekündigt haben, der jedoch nie auftauchte. Das Verhältnis zwischen Christian Wendt und den Hoteleigentümern endete in gegenseitigen Betrugsvorwürfen. Die Sache sei vorbei, sagt Christian Wendt, den Investor habe es gegeben. Nun also das neue Projekt: Ablösung des RDAWorkshops als Leitmesse, nachdem im April sein Projekt „rein in den RDA-Vorstand“ gescheitert war. Ganze vier Stimmen hatte er bei seiner Kandidatur erhalten. Seine Erwartungen sahen anders aus. Das Rad, das jetzt mit der neuen Messe in Slagharen gedreht werden soll, erscheint mir riesig, das Bauchgefühl sagt: Vorsicht, Wendt
Paketer machen in Köln gute Geschäfte
Stichwort: RDA Workshop 2014. Liest man die Resonanz-Mails von Ausstellern, dann fragt man sich, warum eigentlich das dauernde Gezerre um diese Messe. „12 Prozent mehr Gespräche als 2013“ (Schön Touristik); „an allen drei Tagen gute Gespräche“ (Sachsen Incoming); „Besuch am Stand gleich gut wie im vergangenen Jahr“ (H&H); „18 Prozent höhere Anfragezahl als 2013“ (GTW); „hervorragende Standlage“ (TP), „großartige Resonanz auf unserem Gourmetabend“ (Touren Service). Alles Einschätzungen von Paketreiseveranstaltern. Gerade sie gehörten und gehören ja auch immer wieder zu den schärfsten Kritikern des Workshops. Vielleicht setzt sich doch mehr und mehr die Erkenntnis durch, dass man vom RDA-Workshop, wie es Joachim Schweda (Touren Service) sagte, keine Wunder erwarten darf, wenn „die Zahl der veranstaltenden Busunternehmen schrumpft“. Der allgemeine Eindruck vom Workshop 2014 war wohl, dass grüne und breitere Hallengänge nicht automatisch zu mehr Besuchern führen. Es fällt nur noch mehr auf, wenn weniger da sind. Uwe Schneider (GTW) meinte, dass die Besucherzahl aus den südlichen Bundesländern, aber auch aus Österreich und der Schweiz weiter abnehme. Besucherakquisition bleibt also das Hauptthema für den RDA-Workshop. Ein Busunternehmer aus Thüringen sagte mir beim Messerundgang: „Ich komme jedes Jahr gerne wieder nach Köln. Der Einkauf lohnt sich. Vereine will ich hier nicht sehen.“
Fernbusse: „Einige haben noch sehr tiefe Taschen.“
Das Fernbusforum am dritten Messetag des RDA-Workshops war auf jeden Fall weniger besucht als im letzten Jahr. RDA Präsident Richard Eberhardt, der die Fernbus-Session eröffnete, ist inzwischen selbst bei Mein Fernbus dabei. Mit sieben Bussen und einem Reservebus auf den Strecken Karlsruhe-Dresden und Dresden-Hamburg. Wer in Köln beim Fernbusforum Geduld hatte, sich am Klappergeräusch abbauender Stände nebenan nicht störte, konnte einige interessante Fakten hören: Zwei Drittel der Fernbusreisenden sind zwischen 18 und 29 Jahre alt, Zella-Mehlis in Thüringen entwickelt sich zum einem Fernbus-Drehkreuz; der Absatz der Bahncard 50 ist seit der Fernbusliberalisierung deutlich eingebrochen, Busfahrer bekommen von Unternehmen Prämien, wenn sie andere Busfahrer abwerben. „Viele Busunternehmen schreiben im Fernbusgeschäft eine rote Null, wenige verdienen Geld.“ (Oliver Weisbrod, Unternehmensberatung Wendlandt). „Die Preise für Fernbusfahrten werden nicht so schnell steigen. Der eine oder andere hat noch sehr tiefe Taschen“ (Max Pohl, Deinbus).
Zuschuss für Klassenfahrten wird genutzt
Unlängst vermeldeten wir, dass Sachsen-Anhalt eine hundertprozentige Fahrtkostenerstattung für Schulfahrten (Bus und Bahn) zu Gedenkstätten im Land übernimmt. Diese Angebot, wird rege genutzt. Über 50 Anträge wurden bereits genehmigt. Eine Idee aus Sachsen-Anhalt, die auch andere Bundesländer aufgreifen sollten.