Auf der RDA-Mitgliederversammlung Anfang April in Augsburg traf ich Eberhard Penz (47). Er und seine Frau Anne Kimmel sind Geschäftsführer des Bonner Busreiseveranstalters Univers. Im Fernbusgeschäft gelang den beiden ein großer Coup. Im April startete das Unternehmen mit 60 Fernbussen und Aldi als Vertriebspartner. Allgemein wurde die Nachricht in den Medien unter dem Tenor „Aldi jetzt mit Fernbussen unterwegs“ gefeiert.

Ganz so ist es nicht. Denn Aldi besitzt nach wie vor keinen einzigen Fernbus. Die Busse kommen von Univers im Westen und seinem Partner im Osten, der Berlin-Linien-Bus GmbH. Das Busnetz reicht von Hamburg bis München, von Dresden bis Duisburg. Dennoch kam die Nachricht mit Aldi und den Fernbussen wie der Kasper aus der Kiste – keiner ahnte was und plötzlich ging`s los.

Frikadellen, Forsythien und jetzt auch Fahrscheine

Vor zwei Jahren hatte er, so erzählte mir Eberhard Penz bei einer Kaffeepause am Rande der RDA-Tagung, die Idee, Aldi als Vertriebspartner mit ins Boot zu holen. Für ihn stand fest, der Vertriebsweg entscheidet im Fernbusgeschäft über Leben und Überleben. Mit dieser Idee im Gepäck klopfte er bei der Aldi- Konzernzentrale in Essen an. David vor der Tür von Goliath. Irgendwann ist er dann angehört worden. Vielleicht auch, weil der Vorzimmerdame dämmerte, dass dieser breitschultrige Herr nicht so leicht wegzuschicken war. Und so erfuhr Aldi von Fernlinien, von Bussen, von Lenk- und Ruhezeiten und von der Chance, in Zukunft nicht nur Frikadellen, Forsythien und Fliegengitter anbieten zu können, sondern auch Fahrscheine für Busse. Die verantwortliche Dame hörte sich alles geduldig an. Sie fand die Idee schlichtweg genial. Für Eberhard Penz war das eine Sternstunde. Alles andere war nun eine Frage der Organisation. Anfang 2013 wurde dann der Vertrag zwischen Univers und Aldi unterzeichnet. „Mit Ausschließlichkeitsgarantie“, wie Eberhard Penz stolz anmerkt. Wenig später erschien der erste Aldi-Prospekt in Deutschlands Regionalzeitungen. Auf der Titelseite ein Neoplan Doppeldecker. Die Busfahrten sind über das Reiseportal www.aldi-reisen. de buchbar. An der Kasse beim Aldi gibt es sie noch nicht. Doch Eberhard Penz räumt ein, dass auch das eines Tages vorstellbar sei. Sieben Strecken werden zunächst bedient. Die Preise sind Festpreise. Sie liegen zwischen 9,90 Euro und 49,90, ganz gleich ob man 30 Tage oder 3 Minuten vor Abfahrt bucht. Die Tickets sind damit bis zu 70 Prozent niedriger als die Tickets für Bahnfahrkarten auf diesen Strecken. Und in einigen Fällen ist bereits die kostenfreie An- oder Abreise mit den jeweiligen Verkehrsverbünden zu den Haltestellen der Fernbusse enthalten.

Anders als Mitbewerber: Kein eigenes Branding!

Univers Reisen in Bonn hatte bisher im Reisebereich 25 Busses im Einsatz. Jetzt sollen für den Fernverkehr noch einmal 25 Busse hinzukommen. Die ersten Busse waren Doppeldecker. „Doch auch anderen Busse mit Sitzplatzgrößen zwischen 30 und 80 werden eingesetzt“, sagt Eberhard Penz. Neben dieser Aldi-Eröffnung hat Eberhard Penz seine Partie im Fernbusverkehr noch mit einem zweiten geschickten Schachzug eröffnet. Er hat sich die Fernbusprofis von der Berlin- Linien-Bus GmbH ins Boot geholt. Die Deutsche Bahn ist an Berlin-Linien-Bus GmbH mit 65 Prozent über ihre Tochter Bex beteiligt. Während Univers mit 20 Fernbussen im Westen Deutschlands unterwegs ist, bedient Berlin-Linien- Bus vor allem die Strecken im Osten selbst oder mit weiteren Partnern, zum Beispiel dem Regionalverkehr Dresden. Im Gegensatz zu Mitbewerbern wie Mein-Fernbus, Dein- Bus, Flixbus oder City to City (England) haben die Univers/ Aldi-Busse kein eigenes Branding, sondern sind mit dem Univers Label oder dem von Berlin-Linienbus und deren Partnern unterwegs. Für Eberhard Penz kein Problem: „Auf dem Ticket, das der Kunde sich ausdruckt, steht ja immer der Name des Busunternehmens, das fährt. Der Gast weiß also, in welchen Bus er einsteigen muss.“ Fast 80.000 Fahrkarten sollen vor dem Start am 19. April verkauft worden sein. „Für jeden beförderten Fahrgast bekommt Aldi Provision“, sagt Eberhard Penz und fügt selbstbewusst hinzu: „So, wie bei jedem anderen Vertriebsgeschäft auch.“ Das Thema Fernbusse ist in aller Munde. Noch nie wurde so positiv über Busse in den Medien gesprochen, hieß es von der RDA-Mitgliederversammlung in Augsburg bis zum BDO-Kongress am 18. April in Berlin. Zu Letzterem bin ich übrigens von Frankfurt mit dem Fernbus gefahren. Dazu demnächst mehr an dieser Stelle.