Die Stadt Mücke liegt in Mittelhessen. Im Jahr 2010 eröffnete der türkische Paketreiseveranstalter EGT (Egehan Tourism) dort ein Deutschlandbüro. Gunter Kratz wurde Geschäftsführer, schon bald holte er zwei ehemalige Kollegen mit ins Boot: Matthias Domogalla und Bernd- Peter Martin. In recht kurzer Zeit wurden etwa 80 Busunternehmer zu EGT-Kunden.

Mit Flugreisen (Dubai) begann alles, später kamen Busreisen dazu.

EGT im Erdgeschoss Tex in der 1. Etage

Özahn Öztürk, der Inhaber der türkischen EGT Group international, schien immer mehr Gefallen an seiner deutschen Dependance zu finden. Reiste zum RDAWorkshop nach Köln, war auf der ITB dabei. So auch in diesem Jahr. Kurz nach der ITB trudelte jedoch eine überraschende Nachricht ein. Matthias Domogalla hatte das Unternehmen verlassen. Bei BBT (ehemals Beach Bus) tauchte er wieder auf. In wenigen Tagen ist RDAWorkshop, da werden dann auch die anderen verblieben drei EGTler – Öztürk, Kratz, Martin – präsent sein. Allerdings an verschiedenen Ständen. Özhan Öztürk mit EGT in Halle 10.1 am Stand B 26 und Bernd-Peter Martin sowie Gunter Kratz am Stand des am 12. Juni neu gegründeten Paketreiseveranstalters Tex (Travel Experts – Reiseexperten) in Halle 10.2, Stand K 24. Es kam also zum endgültigen Bruch zwischen dem türkischen Geschäftsführer und seinem deutschen Team. Gunter Kratz verließ zum 1. Juli als Letzter die Kommandobrücke. Bernd-Peter Martin hatte bereits vorher hingeschmissen. Der Streit eskalierte offenbar im Alltagsgetriebe der Abwicklung. Von unüberbrückbaren Differenzen mit dem Gesellschafter von EGT bei der weiteren geschäftlichen Ausrichtung der Firma sowie auch in Bezug auf den Umgang mit den Kunden ist seitens der Abtrünnigen die Rede. Die Kommunikation zwischen Orient (Istanbul) und Okzident (Mücke) geriet offenbar zum Streitgespräch.

Anrufe werden nach Istanbul umgeleitet

Das Büro im hessischen Mücke ist inzwischen geschlossen, Mücke tot? Eingehende Anrufe werden nach Istanbul umgeleitet. Der neu gegründete Paketreiseveranstalter Tex, für den seit Juli Bernd-Peter Martin und Gunter Kratz arbeiten, residiert in Groß Kreutz bei Potsdam. Geschäftsführer ist Peter Weigl, ein Mann mit Vita im Reisebürogeschäft.

Zertifikat muss verteidigt werden

Thomas Wäldle, Geschäftsführer des Insolvenzversicherers Tourvers, verlieh auf der ITB in Berlin im März zum ersten Mal den Preis „Top Reiseveranstalter“. Schauinsland-Reisen bekam ihn. Geprüft wird das Unternehmen nach strengen Kriterien von einem Wirtschaftsprüfungsinstitut. Ganz umsonst ist die Prüfung nicht. Kunden von Tourvers zahlen für das Zertifikat 1.500 Euro, Nichtkunden 4.500 Euro. Um mit diesem Zertifikat werben zu können, muss die Prüfung jährlich wiederholt werden. Das kostet nochmals 1.500 Euro pro Jahr. Dennoch, zwei weitere Zertifikate wurden inzwischen vergeben und zehn Interessenten stehen auf der Warteliste. Mit der Streusandbüchse werde man das Zertifikat nicht verteilen, der exklusive Charakter soll mit hohen Qualitätskriterien gewahrt werden, sagt Tourvers-Geschäftsführer Thomas Wäldle.

„Buskontor grenzenlos“ jetzt ohne EU-Zuschüsse

Andree Bliefernich, Vertriebsmanager von „Buskontor grenzenlos“, reist entspannt zum RDA-Worshop nach Köln. Zum einen hat er seinen Jahresurlaub auf einer Finca in Mallorca gerade hinter sich, zum anderen ist die Finanzierung des Reisemittlers „Buskontor grenzenlos“ über das Jahr 2013 hinaus gesichert. „Buskontor grenzenlos“ wurde im Jahr 2010 gegründet als Außenstelle von Ostfriesland Tourismus. Für das länderübergreifende Projekt (Niederlande/ Deutschland) und das Vermarktungskonzept stellte die EU Fördermittel in Höhe von 50 Prozent des Gesamtbudgets von „Buskontor grenzenlos“ zur Verfügung. Die anderen 50 Prozent kamen von rund 200 Leistungsträgern aus Ostfriesland, dem Cloppenburger Land und der niederländischen Region Groningen. Andree Bliefernich bündelte deren Marketingaktivitäten, schlug die Brücke zur Bustouristik. Es rollten spürbar mehr Busse in den Norden. Am 31.12.2013 läuft die EU-Förderung aus. Die 200 Leistungsträger haben jedoch entschieden, den Wegfall der EU-Förderung finanziell zu egalisieren. Es bleibt dabei: Von „Buskontor grenzenlos“ erhält der Busunternehmer, wie bei einem Paketer, Gruppenreisen nach Ostfriesland. Der Unterschied zum Paketer: „Buskontor grenzenlos“ gibt die Preise der Hotels, Museen, Schiffe usw. 1:1 weiter, also provisionsfrei.