Das Flugzeug stieg auf in den Abendhimmel über Rom. Die Maschine war bis auf den letzten Platz ausgebucht. Für Spätankommende blieben nur noch Restplätze. So erging es auch einem Busreiseveranstalter aus Selzen. In der ersten Reihe hinter dem Cockpit war noch was frei. Die Stewardess bat ihn höflich, dort Platz zu nehmen. So geschah es. Eine charmante Dame mittleren Alters sollte für die nächsten drei Flugstunden an seiner Seite sitzen.

Es dauerte nicht lange und zwischen den beiden entspann sich ein recht lockeres Gespräch. Ein erstes Sektchen, dann ein zweites. Das macht Appetit. Unser Busreiseveranstalter wusste Abhilfe. Erdnüsse! In seiner Jackentasche wurde er fündig. Fortan pikten die beiden fleißig Nüsse aus seiner Hand. Die Zeit verging buchstäblich wie im Fluge. Wenig später: Landung in München. Freundlich verabschiedete man sich und unser Busreiseveranstalter warf beim Abschied seinen ganzen Charme in die Waagschale: „Beim nächsten Mal bringe ich aber zwei Tüten Erdnüsse mit.“ Nicht gerade ein Schenkelklopfer, dennoch Heiterkeit mit Herz. Wenig später fragt ihn eine Dame, die das muntere Gespräch der beiden im Flugzeug von hinten beobachtet, vielleicht auch ein wenig belauscht hatte, ob er denn wisse, mit wem er sich da unterhalten hätte. Ahnungslos outete sich der Befragte: „Nee.“ Erstaunt erhält er zur Antwort: „Das war Fürstin Gloria von Thurn und Taxis.“ Da fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. Er hatte von seinen Busfahrten erzählt und sie von Schloss St. Emmeram in Regensburg, wo oft auch Reisegruppen hinkommen. Jetzt hieß es Handeln. Er legte den 3. Gang ein, vorbei an den Reisenden Richtung Gepäckband. Dort konnte er die Fürstin noch abpassen: „Entschuldigen Sie, dass ich Sie nicht erkannt habe ...“ Für die Fürstin kein Problem, auch dem Erinnerungsfoto stimmte sie herzlich gern zu und gab dem erfreuten Busunternehmer ein Versprechen: „Wenn Sie mit einer Gruppe auf St. Emmeram sind, dann rufen Sie mich an, ich führe Ihre Gruppe persönlich.“ Na bitte. Wer der Busreiseveranstalter war? Jürgen Engel aus Selzen in Rheinhessen erzählte mir diese Geschichte.

Hier verkehren die feinen Leute

Direkt am Brandburger Tor in Berlin steht das Hotel Adlon. Hier verkehren die feinen Leute. Im Adlon ist wirklich alles vom Feinsten. Alles frisch gepresst. Die Kellner lesen die Gedanken der Gäste. Im Adlon logierte unlängst auch ein Busunternehmer aus dem Norden mit seiner Gruppe. Die Gäste fühlten sich in dieser Nobelherberge wie in Abrahams Schoß. Der Stimmungspegel war gut, erst recht, als alle zufrieden eingecheckt hatten und die schönen Zimmer sahen. Was macht ein Busunternehmer während die Gruppe eincheckt? Er geht an die Bar und genehmigt sich ein Pils, lobt sich selbst und harrt der Dinge, die da kommen. In diesem Falle war es der Anruf einer 80-jährigen Dame. Sie hatte Probleme mit ihren Stützstrümpfen und fragte freundlich, ob der Herr Reiseleiter ihr helfen könne, die Stützstrümpfe auszuziehen, weil er doch so nett, freundlich und zuvorkommend sei. Nun, bei all inklusive sei zwar viel inklusive, aber nicht alles, sagte der Befragte. Und so einigte man sich, eine etwa gleichaltrige Dame aus der Reisegruppe ausfindig zu machen, die sich dieses Problems annahm. Der Busunternehmer kam übrigens aus Detmold, sein Name: Rolf Wieneke.

„Ich bin von der Presse, ich fotografiere Euch alle.“

Zwei kleine Geschichten aus dem Alltag der Bustouristik 2012. Viele weitere, Ihnen geht es sicher nicht anders, ließen sich noch erzählen. Nicht alle sind unbedingt lustig. Zum Beispiel die Geschichte, wie sich auf der Rückfahrt von unserer 98. Bus-Blickpunkt- Leserreise eine Schlauchschelle vom Turboschlauch im Motor des Busses löste. Aus die Maus. Mit weißem Hemd tauchte Busunternehmer Jürgen Braun aus Sprendlingen selbstlos in die Tiefen des Motorraums ein und als Schornsteinfeger wieder auf. Der Bus lief. Applaus! Eine andere Geschichte erzählte mir meine Kollegin Katja Dehn. Auf einer Saisonabschlussfahrt begegnete sie an einer Raststätte einem Liniengelenkbus mit über 80 Hooligans. Die waren auf dem Weg zum Auswärtsspiel des FC Hansa Rostock und gerade dabei, ihre Reisegäste anzupöbeln. Katja zückte die Kamera: „Ich bin von der Presse, ich fotografiere Euch alle.“ Halleluja, das kam gut an. Warum ich all das hier aufschreibe? Weil mir Leser gelegentlich sagen, in den Fachzeitungen fehlen Geschichten, die von Erlebnissen auf Busreisen erzählen. Das stimmt. Wenn Ihnen dazu was einfällt, herzlich gerne: juergen.weidlich@busblickpunkt.de oder: Anruf genügt.