Während die Gütegemeinschaft für ihre Tagungen und Veranstaltungen hin und wieder auch mal Künstler aus den eigenen Reihen präsentierte, wurden zu diesem speziellen runden Geburtstag keine Kosten und Mühen gescheut und – neben einem tollen Programm und sehr feinem Abendessen – ein besonderer Festredner engagiert. Der bekannte CDU-Politiker und Rechtsexperte Wolfgang Bosbach, ist vor allem dafür bekannt, auch komplexe politische Zusammenhänge verständlich auf den Punkt zu bringen und so seine Zuhörer mit Denkanstößen zu inspirieren, aber auch gut zu unterhalten. Und so war es auch in diesem Fall. Bosbach, mittlerweile 73 Jahre alt, kam an diesem Tag aus Lüneburg, in ca. 700 km Entfernung, mit dem Auto nach Schaffhausen und stieg mit einem kleinen Koffer pünktlich gegen 18.00 Uhr aus dem Fahrstuhl der 17. Etage des RIVI Roof Restaurants, der Location des gbk-Festabends.
Im nächsten Leben würde er Warnbaken-Händler. Er sei an so vielen Baustellen vorbeigefahren, an denen nicht gearbeitet wurde, erzählte er im Rahmen seiner Begrüßung und kam damit schon fast zum Thema seiner Festrede. Die wirtschaftliche Situation in Deutschland. „Wir brauchen Entbürokratisierung, Beschleunigung von Genehmigungsverfahren und vor allem Planungssicherheit!“, so Bosbach. Vieles habe sich in den letzten Jahren auch etwas schleichend verändert, allein schon was Begrifflichkeiten anging. „Rezession heißt jetzt Minuswachstum, Schuldenberge heißt jetzt Sondervermögen“, so der vitale Rheinländer. In 76 Jahren Bundesrepublik habe es circa alle sieben Jahre eine Wachstumsdelle gegeben. Noch nie zuvor habe es, so wie jetzt, einen Zeitraum von vier Jahren gegeben, in dem dauerhaft kein Wachstum, sondern eine kontinuierliche Seitwärtsbewegung zu verzeichnen ist. Das mache ihm Sorgen.
Sicher wüsste der ein oder andere der Anwesenden den Satz „Das Pferd frisst keinen Gurkensalat“ entsprechend einzuordnen … was allerdings nicht der Fall war. Es sei der erste Satz, der über das Telefon von seinem Erfinder, einem Lehrer aus dem hessischen Gelnhausen, damals gesagt wurde. Leider habe später ein Amerikaner das Patent für das Telefon angemeldet und der Mann aus Gelnhausen konnte wirtschaftlich nicht wirklich von seiner bahnbrechenden Erfindung profitieren. Die Deutschen, so Bosbach, seien schon immer sehr gut in Erfindungen gewesen, weniger gut allerdings in der Umsetzung. Viele ehedem bekannte und renommierte deutsche Unternehmen wie Telefunken, Grundig, Kodak, usw. die längst verschwunden sind, seien „in der alten Welt“, wie Bosbach das nennt, gut und erfolgreich gewesen. Heute, in „der neuen Welt“, sei SAP das wertvollste Unternehmen aus Deutschland. Es gäbe sie aber noch, die ‚Hidden Champions‘, wie den deutschen Weltmarktführer von Dübeln, Fischer-Dübel oder Meggle, als Weltmarktführer von Lactose in Medikamenten. Allerdings müssten wir jetzt sehr darauf achten, dass solche Bastionen erhalten blieben und nicht alles in der Zukunft von Indern und Chinesen dominiert würde. Auch wenn Wolfgang Bosbach in diesem Zusammenhang nicht über die ebenso deutsche Erfindung des Omnibusses sprach, dürfte wohl sonst jedem der weiteren Anwesenden klar sein, dass auch die deutsche, bzw. die europäische Omnibusindustrie durch die zunehmende Markterschließung der chinesischen Bushersteller in Europa, Bastionen über kurz oder lang wackeln könnten. Lange Lieferzeiten, zunehmende Qualitätsprobleme und last but not least die Preisunterschiede, tun ihr Übriges. Wolfgang Bosbach verwies darauf, dass vor allem gute Bildung für uns der Schlüssel zu weiterem wirtschaftlichem Erfolg sei. „Wir müssen die Besten sein!“ Denn, so seine Überzeugung: „Wer nichts im Boden hat, muss was in der Birne haben“. Außerdem basiere der Wohlstand auf der Arbeitsleistung fleißiger Menschen und der Wettbewerbsfähigkeit. Zu guter Letzt hatte Bosbach noch einen weiteren flotten Spruch auf den Lippen: „Ein Onkel, der etwas mitbringt, ist besser als eine Tante, die Klavier spielt.“ Er habe einige Exemplare seines jüngst veröffentlichten, neuen Buchs in seinem Koffer. Wer mochte, konnte sich ein Exemplar als Präsent mitnehmen, natürlich vom Autor signiert.