Das Unternehmen geht auf eine Gründung im Jahr 2021 in Wrocław zurück. Zunächst als regelrechtes Prestige-Projekt gefeiert, verdüsterte sich die finanzielle Lage schnell: 2023 fuhr die Firma einen Verlust in Höhe von 6,6 Millionen Polnischen Złoty (PLN) ein – das entspricht mehr als 1,5 Millionen Euro. Im Jahr darauf kletterten die Verluste auf geradezu schwindelerregende 19 Millionen PLN (nahezu 4,5 Millionen Euro). Polnischen Pressemeldungen zufolge bekamen die Mitarbeiter mehrere Monate lang keinen Lohn. Der CEO und Mitgründer Philipp Glonner hatte das Unternehmen bereits einen Monat vor der Pleite verlassen. Martin Lischka, der ehemalige Marketingchef von Quantron, der bei Arthur Bus als Geschäftsführer und Co-CEO beschäftigt war, folgte Glonner im Dezember. Seit Januar 2026 arbeitet Lischka als Vertriebs- und Marketingleiter beim Paderborner Autonome-Fahrzeuge-Start-up Holon, einer Tochtergesellschaft von Benteler.

Die Insolvenz markiere nach Medienberichten das vorläufige Ende der ambitionierten Pläne, den Arthur H2 Zero serienmäßig herzustellen und an Kunden in Polen und Deutschland auszuliefern. Der Brennstoffzellenbus war erst im September 2022 auf der Bus2Bus in Berlin als technologische Innovation gefeiert worden. Dabei basierte das Fahrzeug auf der Plattform des Ursus Citysmile, der zuletzt 2016 auf der IAA zu sehen war. Experten sahen das bereits sehr früh kritisch und warfen Arthur Bus vor, der H2 Zero basiere von vornherein auf einem veralteten Design.

 

Marketing & Förderung ersetzen Kompetenz nicht

Für die Stadt Lublin hat die Insolvenz die wahrscheinlich gravierendsten Folgen. Die städtischen Verkehrsbetriebe MPK Lublin hatten im März 2025 insgesamt 20 Wasserstoffbusse im Wert von fast 64 Millionen PLN – rund 14,5 Millionen Euro – bestellt, vollständig finanziert über Mittel aus dem Nationalen Fonds für Umweltschutz und Wasserwirtschaft (NFOŚiGW). Ein einziger der bestellten Busse soll als unvollendeter Prototyp in der mittlerweile verlassenen Montagehalle stehen. An der Ausschreibung hatten sich Medienberichten zufolge auch Solaris Bus & Coach und PAK-PCE Polski Autobus Wodorowy beteiligt. Arthur Bus hatte den Zuschlag erhalten, weil sein Angebot um rund 13 Millionen PLN (3,05 Millionen Euro) unter den Angeboten der Mitbewerber lag. Betroffen von der Arthur Bus Polen Pleite ist aber auch ein Mittelständler aus Deutschland, der insgesamt drei Arthur Busse geordert hatte – und keinen bekommt.

Ebenfalls pikant: Arthur Bus, MPK Lublin und die Technische Universität Lublin hatten eine Vereinbarung unter anderem zur Realisierung von Forschungsarbeiten unterzeichnet, die Lösungen für den emissionsfreien Verkehr entwickeln sollten. Daraufhin soll es landesweit zu einer größeren Investitionswelle in emissionsarme und emissionsfreie öffentliche Verkehrsmittel gekommen sein, berichtete das polnische Fachmagazin Transport Publiczny. Diese Investitionen seien vor allem dort getätigt worden, wo ebenfalls Mittel aus dem Nationalen Fonds für Umweltschutz und Wasserwirtschaft eingesetzt werden konnten.

Fachleute sehen die Insolvenz von Arthur Bus Polen als ein Warnsignal für den Markt der emissionsfreien Nutzfahrzeuge. Marketing-Hypes und Förderprogramme seien kein Ersatz für eine stabile industrielle Basis, langfristige Finanzierung und technologische Unabhängigkeit. Unklar ist bislang, ob die Münchener Holding die Marke Arthur Bus retten kann. Was mit den zugesagten Fördermitteln aus dem Nationalen Fonds für Umweltschutz und Wasserwirtschaft geschieht, ist ebenfalls unklar. Lublin ringt derzeit darum, einen Ersatzlieferanten für die 20 benötigten Busse zu finden – wie es scheint, unter enormem Zeitdruck, da die Förderzusage in sechs Monaten ausläuft.