Beim Reisen werde zudem mehr Geld ausgegeben als je zuvor. Für ihre Studie hatte die Stiftung mehr als 3.000 Deutsche ab 18 Jahren zu ihren Reisegewohnheiten und -plänen befragt, einmal im Dezember 2025 und nochmals im Januar 2026. Es zeigte sich, dass 64 Prozent der Bundesbürger im Jahr 2025 mindestens eine fünftägige Reise unternommen hatten. Ein höherer Wert war bislang nur 2006 erreicht worden. 44 Prozent der Befragten waren 2025 sogar mehrfach verreist. Vor zehn Jahren leisteten sich das lediglich 15 Prozent der Deutschen. Die Reisefrequenz stehe dabei in Verbindung mit dem Einkommen, heißt es von Stiftungsseite: Während 63 Prozent der Besserverdiener mehrfach verreist sei, traf das nur auf 17 Prozent der Geringverdiener zu. Der Wissenschaftliche Leiter der Stiftung, Ulrich Reinhardt, wertete die Strategie „je öfter, desto besser“ als „wirksame Bewältigung gegen die Verdichtung und Beschleunigung des Alltags“. Die Menschen gönnten sich diese Auszeiten bewusst als Gegenpol zu beruflichen Belastungen und globalen Unsicherheiten. „Der Urlaub fungiert hierbei als eine Art letztes Refugium der Selbstbestimmung, an dem selbst bei knapperer Kasse zuletzt gespart wird“, so Reinhardt.
Reisedauer und Kosten
Die durchschnittliche Reisedauer der Befragten lag 2025 auf Vorjahresniveau und damit bei knapp 13 Tagen. Unterschiede zeigten sich bei den gewählten Reisezielen. So blieben Aufenthalte im Inland unter dem Reisedauer-Durchschnitt, Fernreisen lägen deutlich darüber. Innerhalb Europas hat in Sachen Reisedauer die Türkei die Nase vorn, hier urlaubten die Befragten fast vier Tage länger als im Durchschnitt. Bei der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen geht man davon aus, dass die günstigen Tageskosten und die vergleichsweite Anreise ursächlich dafür sind. Vor allem in Österreich sei die Urlaubsdauer kürzer als im Durchschnitt gewesen, weil das Land für viele Reisende ein klassisches Nah- und Kurzreiseziel darstelle und mit vergleichsweise geringem Aufwand eher funktional und für einzelne Aktivitäten genutzt werde – vor allem hinsichtlich Wandern, Wellness und Skifahren.
Die durchschnittlichen Urlaubskosten beliefen sich bei den Befragten 2025 auf 1.636 Euro pro Person. Sie lagen damit fast 100 Euro über dem Niveau des Vorjahres. 2015 hatten die Befragten mit 1.109 Euro noch einen halben Tausender weniger investiert. Bei den Tageskosten wurde 2025 mit 130 Euro pro Person und Tag ein neuer durchschnittlicher Höchstwert erreicht. In Griechenland war es mit 147 Euro pro Person und Tag am teuersten, in Spanien mit 143 Euro am zweitteuersten. Zum Teil sei das mit gestiegenen Flugkosten zu erklären, heißt es von Stiftungsseite. Am günstigsten seien die Türkei mit 108 Euro und Kroatien mit 97 Euro gewesen.

Reiseausgaben im Vergleich / Screenshot: Stiftung für Zukunftsfragen
Reiseziele
Mit einem Anteil von 35 Prozent an allen Urlaubsreisen blieb das eigene Land 2025 die beliebteste Destination der befragten Bundesbürger. Bayerische Feriengebiete konnten hier ihren Spitzenplatz leicht ausbauen. Sie liegen klar vor den Feriengebieten im Norden der Republik. „Der innerdeutsche Tourismus ist kein Selbstläufer“, meint Ulrich Reinhardt. Jede Region müsse sich permanent weiterentwickeln, um attraktiv zu bleiben. „Wer sich auf den Lorbeeren der Vergangenheit ausruht, wird schnell von innovativeren Destinationen abgehängt.“
Im europäischen Vergleich behielt Spanien seine Position als meistgewähltes Reiseziel für deutsche Haupturlaubsreisen mit über neun Prozent. Italien festigte seinen zweiten Platz und gewann wie auch Frankreich Marktanteile hinzu. Erklärt wird das von Stiftungsseite mit der „Renaissance von Dolce Vita und Savoir-vivre“, der bewussten Rückbesinnung auf klassische Genusswerte in einer komplexen Welt.
Fernreiseziele verzeichneten demgegenüber insgesamt einen Aufwärtstrend bei den Befragten. 17 Prozent aller 2025 unternommenen Reisen führten die Urlauber aus Europa heraus. Gegenüber 2015 bedeutet das eine Steigerung um mehr als 50 Prozent. Gewinner waren 2025 vor allem Destinationen in Nordafrika. Ebenfalls einen Zuwachs verzeichnete bei den Befragten Nordamerika. Dieser Anstieg erfolgte ungeachtet der medialen Berichterstattung über die USA, so die Stiftung. Der Regierungswechsel und die damit verbundenen Diskussionen hätten somit keinen negativen Einfluss auf das Reiseverhalten deutscher Urlauber ausgeübt.
Reiseabsichten 2026
Auch 2026 sei die Reisefreudigkeit der Bundesbürger widerstandsfähig gegenüber äußeren Krisen, heißt es von Stiftungsseite. Der Wunsch nach Urlaub behalte seinen zentralen Stellenwert im Alltag der Deutschen, ungeachtet wirtschaftlicher Belastungen, geopolitischer Spannungen und gesellschaftlicher Unsicherheiten. So planen zwei Drittel der Befragten „sicher“, im laufenden Jahr wenigstens eine Reise zu unternehmen. Im Zehnjahresvergleich zeigen sich dabei immer weniger Befragte unsicher und wissen bereits frühzeitig, ob sie in diesem Jahr verreisen oder nicht.
Jeder Fünfte beabsichtigt, seinen Urlaub außerhalb Europas zu verbringen – nach Stiftungsangaben seien das mehr als jemals zuvor. Deutschland werde von den Befragten dennoch etwas seltener als im Vorjahr besucht werden. Dafür scheinen sich Mittelmeer-Destinationen auf mehr deutsche Gäste einstellen zu können.
Ulrich Reinhardt bewertet die Planungssicherheit der Befragten als hoch. Die Vorfreude auf den Urlaub sei bereits jetzt in den dunklen Wintermonaten ein wichtiges emotionales Ventil. Die Bürger „wollen und werden 2026 unterwegs sein und zwischen Heimatliebe und Fernweh die besten Wochen des Jahres verbringen“, sagte der wissenschaftliche Stiftungsleiter.