Ein Bescheid des Landratsamts Garmisch-Partenkirchen sowie des zuständigen Gesundheitsamts, der auf dem Infektionsschutzgesetz basiert, untersagt die Durchführung der traditionsreichen Oberammergauer Passionsspiele. Nach der Risikoeinschätzung des Gesundheitsamts „ist eine Durchführung der Passion bis in den Herbst hinein nicht möglich. Es ist zwar davon auszugehen, dass die Einschränkungen des öffentlichen Lebens wieder zurückgefahren werden können, wenn die exponentielle Zunahme an Infizierten unterbrochen werden kann. Jedoch werden wir noch über einen langen Zeitraum ein hohes Risiko haben, dass immer wieder Infektionen auftreten werden. Es ist zu dem jetzigen Zeitpunkt schon eindeutig vorherzusagen, dass eine Veranstaltung in der Größenordnung der Passionsspiele nicht durchführbar ist. Das Risiko ist zu hoch, dass neue Infektionsketten entstehen. Aus gesundheitspräventiver Sicht ist die Veranstaltung daher zu untersagen.“

Auch für die Verantwortlichen der Oberammergauer Passionsspiele, die Gemeinde Oberammergau und die Spielleitung um Christian Stückl hat die Gesundheit der Gäste und Mitwirkenden höchste Priorität. Daher habe man sich entschlossen, die für den 16. Mai 2020 geplante Premiere auf das Jahr 2022 zu verschieben, teilen sie in einer Presseinformation mit. Die Corona-Pandemie habe es unmöglich gemacht, das diesjährige Spiel fertig zu stellen, ohne Mitwirkende und Gäste zu gefährden. Darüber hinaus sei die weitere Perspektive für dieses Jahr unklar, sodass allen Beteiligten eine Verschiebung um lediglich ein paar Monate nicht tragbar erschien.

Der Hintergrund der Oberammergauer Passionsspiele könnte aktueller nicht sein. Gehen sie doch auf ein Gelübde aus dem Jahr 1633 zurück, in dem die Oberammergauer gelobten, das Leiden, Sterben und die Auferstehung Christi aufzuführen, wenn niemand mehr an der Pest sterben sollte. Natürlich wollen die Oberammergauer dieses Gelübde auch weiterhin erfüllen. Die Planungen für die Aufführung der Passionsspiele 2022 beginnen gerade, die Premiere ist für den 21. Mai 2022 vorgesehen. Zu einem späteren Zeitpunkt sollen weitere Spieltermine bekannt gegeben werden.

Zwei Möglichkeiten der Rückerstattung

Die Organisatoren bieten zwei Möglichkeiten für die Rückerstattung bereits erworbener Karten und Arrangements an. Zum einen können Reservierungen für die diesjährigen Vorstellungen voraussichtlich ab dem 06. April 2020 in eine Reservierung für 2022 umgewandelt werden. Zum anderen ist die Stornierung der Karten und Arrangements mit Rückerstattung des Kaufpreises möglich. Auf der Website www.passionsspiele-oberammergau.de werden zeitnah Informationen und Rückerstattungs-Formulare zur Verfügung gestellt.

103 Vorstellungen, zu denen rund 450.000 Zuschauer aus aller Welt erwartet wurden, waren für die Oberammergauer Passionsspiele 2020 vom 16. Mai bis 04. Oktober 2020 geplant. Verschiebungen oder gar Absagen gaben es aber auch schon in der Vergangenheit. So konnten die Passionsspiele 1770 aufgrund eines Generalverbots nicht stattfinden, der Zweite Weltkrieg verhinderte 1940 eine Aufführung. 1920 beschloss der Gemeinderat angesichts der hohen Zahl an Gefallenen des Ersten Weltkrieges die Vorbereitungen für die Passion nicht voranzutreiben. 1922 konnten die Passionsspiele dann aber nachgeholt werden.