Zur Person: Dr. Gisela Volz


Zur Person:


Dr. Gisela Volz (59) ist Geschäftsführerin und Inhaberin von „Volz Reisen“ in Calw im nördlichen Schwarzwald. Gegründet wurde das Unternehmen 1928. Heute sind 32 Mitarbeiter beschäftigt. „Volz Reisen“ hat 24 Busse und erwirtschaftet im Reise- und Linienverkehr jährlich einen Gesamtumsatz von etwa  2,2 Millionen Euro. Gisela Volz studierte Geschichte, Politik und Publizistik in London, Berlin, Chicago und Oxford. Sie schrieb ihre Dissertation zum Thema „Der Antisemitismus in England 1918 bis 1939“. Von 1979 bis 1985 war sie Lehrbeauftragte in Neuerer Geschichte an der TU Darmstadt. Parallel zu ihrer wissenschaftlichen Laufbahn entwickelte sich ihre Bindung zur Bustouristik. Bei einer Busreise nach dem Abitur nach Budapest, ein Geschenk der Eltern, lernte sie ihren späteren Mann Eberhard Volz kennen. Damals noch als Juniorchef am Steuer, seit 1972 Geschäftsführer im elterlichen Betrieb in Calw-Hirsau. Nach  einigen Jahren galt es, eine Entscheidung zu treffen: Fortsetzung der akademischen  Karriere, möglicher Einstieg in den Beruf des Journalisten – sie hatte unter anderem Praktika beim ZDF absolviert – oder Mitarbeit im Familienunternehmen in Calw. Eine Wochenendehe wollten beide auf Dauer nicht und so führte ihr Weg zurück in ihre Geburtsstadt Calw. 2001 ereilte Gisela Volz ein schwerer Schicksalsschlag. Ihr Mann erkrankte an Krebs und verstarb 14 Monate nach der fatalen Diagnose. Seit diesem Zeitpunkt führt sie das Unternehmen allein. Dr. Gisela Volz ist in vielen Gremien ehrenamtlich aktiv. Sie war u.a. von 1998 bis 2003 Vorsitzende des Verbandes Baden-Württembergischer Omnibusunternehmer (WBO) und ist Vizepräsidentin des Bundesverbandes Deutscher Omnibusunternehmer (BDO).  „Volz Reisen“ ist  in der Region und darüber hinaus bekannt für anspruchsvolle Studien-, Musik- und Literaturreisen. Dr. Gisela Volz hat sich in der Branche einen Namen gemacht, u.a. wegen ihrer scharfzüngigen Reden und Beiträge für die Interessen des Busgewerbes.

Dr. Gisela Volz
Dr. Gisela Volz

 

Bus Blickpunkt: Was war ihr Traumberuf als Kind?
Dr. Gisela Volz: Als Kind wollte ich mal Stewardess werden, mal die Sekretärin von meinem Vater. Er war Kaufmann. Der nachhaltigste Wunsch jedoch, seit meiner Zeit auf dem Gymnasium, war es, Journalistin zu werden. Später, bei den Praktika beim ZDF, habe ich dann gemerkt, das ist doch nicht so das Richtige. Man hatte noch gar nicht zu Ende recherchiert, da musste der Beitrag schon auf Sendung. Das ging mir zu schnell.

Bus Blickpunkt: Was haben Sie in der Schule für das Leben gelernt?
Dr. Gisela Volz: Lernen gehört zu den wichtigsten Dingen im Leben. Was man nicht kann, kann man lernen. Lernen hat mir immer Spaß gemacht..

Bus Blickpunkt: Was war das größte schulische Drama für Sie?
Dr. Gisela Volz: Ungerecht beurteilt zu werden, das kam vor.

Bus Blickpunkt: Haben Sie als Schüler gemogelt?
Dr. Gisela Volz: Ja. Aber nicht oft, mal ein Spickzettel..

Bus Blickpunkt: Ihr Lieblingsfach in der Schule?
Dr. Gisela Volz: Deutsch und Geschichte.

Bus Blickpunkt: Auf welche außerschulische Leistung sind Sie besonders stolz?
Dr. Gisela Volz: Ich habe unsere Schülerzeitung geleitet: „Der Weisheitszahn“. Wir waren frech, provozierten. Es war die 68er Zeit. Da ging es zum Beispiel einmal um das Thema Pille und Papst Paul VI.. Ihn hatten wir karikiert. Das war ein kleiner Skandal. Doch ich bin stolz darauf, dass wir die Sache durchgestanden und zu Ende gebracht haben. Das ist mir heute noch wichtig.

Bus Blickpunkt: Wer hat Sie am meisten gefördert?
Dr. Gisela Volz: Ich habe großes Glück gehabt und immer wieder Leute gefunden, die mich gefordert und gefördert haben. Angefangen beim Großvater. Wenn er Zeugnisse kontrollierte, dann war das nicht spaßig. Er wusste genau, wenn man sich in einem Schulfach in der Benotung verschlechtert hatte. Da hieß es sofort: „Das geht auch besser.“ Also nicht, passt schon, reicht, sondern immer Ziele setzen. Ich hatte tolle Lehrer und Professoren. Im Berufsleben waren es dann Leute wie Friedel Rau, die mich mit auf den Weg genommen haben.

Bus Blickpunkt: Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit?
Dr. Gisela Volz: Mir gefällt, dass der Beruf des Busunternehmers nie in Routine ausartet, sondern immer spannend ist. Es gibt immer wieder Situationen, von denen man weiß: Ausgang offen. Das reizt mich.

Bus Blickpunkt: Was würden Sie als Ihren größten beruflichen Erfolg bezeichnen?
Dr. Gisela Volz: Da arbeite ich noch dran. Der kommt hoffentlich noch. Aktuell bewegt uns hier in der Region eine Entscheidung des  Landkreises, Linienbündel zu vergeben. Das ist für uns eine existentielle Frage. Wir Mittelständler haben ein Programm erarbeitet, den sogenannten „Calwer Weg“, der auf Kooperation aller setzt. Wenn sich das in der Lokalpolitik durchsetzen würde, wäre das ein schöner Erfolg.

Bus Blickpunkt: Ihr erstes Bewerbungsgespräch: Woran erinnern Sie sich noch?
Dr. Gisela Volz: Es gibt nur ein einziges Bewerbungsgespräch, an das ich mich noch erinnern kann. Damals ging es um eine Stelle am Deutschen Historischen Institut in London. Der  Professor sagte zum Ende des Gesprächs: „Eins muss ich noch sagen, die Stellte ist befristet, für drei Jahre.“ Und ich habe darauf geantwortet, dass ich ja einen interessanten Job und keine Lebensversicherung suche. Der Professor hat daraufhin schallend gelacht.

Bus Blickpunkt: Wie halten Sie sich fit?
Dr. Gisela Volz: Nicht ausreichend. Wenn es irgendwie geht, laufe ich abends eine kleine Runde. Mehr gehen als joggen).

Bus Blickpunkt: Welche Dinge verbinden Sie mit dem Wort Omnibus?
Dr. Gisela Volz: Mobilität, Ökologie und nette Leute.

Bus Blickpunkt: Wo haben Sie Ihren letzten Urlaub verbracht?
Dr. Gisela Volz: In der Schweiz. In Vals in Graubünden. Der Architekt Zumthor hat dort eine wunderbare Hotelanlage errichtet – dort erlebe ich die perfekte Ruhe.

Bus Blickpunkt: Welches sind die drei wichtigsten Gründe für Erfolg im Leben?
Dr. Gisela Volz: Man muss verlässlich, zielstrebig, beharrlich und ehrlich sein. Glück braucht man auch..

Bus Blickpunkt: Was sind die drei wichtigsten Tugenden eines Vorgesetzten?
Dr. Gisela Volz: Ein Chef muss motivieren können, die Leute mitnehmen, das ist das Wichtigste.

Bus Blickpunkt: Wer ist für Sie ein persönliches Vorbild?
Dr. Gisela Volz: Hildegard Hamm-Brücher. Sie war und ist immer geradlinig, hat sich nie verbogen.

Bus Blickpunkt: Wann bereitet Ihnen Ihre Berufstätigkeit Bauchschmerzen?
Dr. Gisela Volz: Eigentlich nie. Sagen wir so: Ich bin ein relativ vorsichtiger Mensch. Ich würde nichts machen oder machen lassen, was mir Bauchschmerzen macht.

Bus Blickpunkt: Was macht Ihnen Angst?
Dr. Gisela Volz: Friedel Rau hat mal zu mir gesagt: „Ihnen grausts vor nix.“ So ist es auch. Wissen Sie, ich habe meinen Mann 14 Monate während seiner schweren Krankheit begleitet. Wenn man da durch ist, weiß man um die Endlichkeit des Lebens, dann macht einem nichts mehr Angst

Bus Blickpunkt: Welche Eigenschaften schätzen Sie am meisten an Ihren Mitarbeitern?
Dr. Gisela Volz: Verlässlichkeit. Ein Busfahrer muss wissen, dass er auch ein Busfahrer ist, wenn er nicht im Dienst ist. Er kann nicht abends einen drauf machen, wenn er morgens fahren muss.

Bus Blickpunkt: Welche persönliche Freiheit vermissen Sie am meisten?
Dr. Gisela Volz: Ich kann nie sagen „Ich bin dann mal weg“, bin gerade mal auf dem Jakobsweg. Als Busunternehmer ist man nie ganz weg, man muss immer erreichbar sein.

Bus Blickpunkt: Wem möchten Sie gerne mal die Meinung sagen?
Dr. Gisela Volz: Frau Merkel, weil im Moment Politik auf katastrophale Weise betrieben wird. Und dem Papst. Ich möchte gern mal wissen, warum die Institution Kirche und dieser Mann an der Spitze, trotz hoher Intelligenz, so realitätsfern handeln. Die Ökumene hätte unter seiner Führung eine große Chance gehabt, Katholiken und Protestanten zusammenzubringen. Stattdessen pflegt man alte Dogmen und verharrt in verkrusteten Strukturen.

Bus Blickpunkt: Ihre größte Tugend?
Dr. Gisela Volz: Die Suche nach der richtigen Mitte in den täglichen Auseinandersetzungen.

Bus Blickpunkt: Ihr größtes Laster?
Dr. Gisela Volz: Fällt mir nichts ein: Ich rauche nicht, trinke nicht.

Bus Blickpunkt: Ihr Lieblingsbuch?
Dr. Gisela Volz: Immer das, was ich gerade lese. Im Moment „Sophies Vermächtnis“ – das tragische Schicksal einer Deutschen in sibirischer Verbannung 

Bus Blickpunkt: Ihr Lieblingsfilm?
Dr. Gisela Volz: „Modern Times” mit Charly Chaplin. Aber ich bin kein Kinogänger.

Bus Blickpunkt: Ihr Lieblingslied von den Beatles?
Dr. Gisela Volz: Yellow Submarine. Das ist auch das einzige Lied, das ich von den Beatles kenne.

Bus Blickpunkt: Welches persönliche Ziel möchten Sie unbedingt noch erreichen?
Dr. Gisela Volz: Ich möchte noch mal in die Antarktis reisen, solange sie nicht abgeschmolzen ist. Ich weiß, die Reisen sind teuer, lang und man ist sehr weit weg. Aber die Pinguine würde ich gern mal in ihrer Heimat erleben.


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